Über die Langsamkeit

Wieder zurück in Berlin.

Bella hat zwei schwierige Tage hinter sich.

Plötzlich hatte sich die Stimmung verändert.
Langsam schleichend legte sich wieder so eine bleierne Schwere auf sie … eine Ausweglosigkeit … dieses Nichtgefühl … und sogleich wurde sie mutlos.
„Jetzt ist 2016“, dachte sie … „jetzt muss doch mal was losgehen“.

Immer noch ist die berufliche Situation ungeklärt.
Sie hat den Eindruck, dass sie auf der Stelle tritt.

Am Abend dann drehte sie die letzten beiden Kalenderblätter um.
Am 4.1.16 stand darauf:

Fürchte nicht langsames Wachstum. Fürchte den Stillstand.
Chinesische Weisheit

Nun ist Geduld nicht gerade ihre Stärke …
Doch es gilt wohl einzusehen, dass es noch nicht soweit ist.
In der Psychologie heute gibt es gerade einen interessanten Fachartikel zum Thema Burnout.
Experten meinen nämlich, die Burnoutsymptome seien keineswegs als individuelles Versagen zu deuten, sondern wiesen vielmehr auf ein Zeichen von Kompetenz hin. Die erzwungene Pause „sei eine angemessene Antwort des biologischen und emotionalen Systems auf die dauerhafte Überlastung“ erklärt einer der Fachleute.

Heute dann der Blick aus dem Fenster.
Es hatte über Nacht geschneit. So richtig. Mindestens 10 Zentimeter …
Und Bella hatte ein paar Termine, musste raus an die frische Luft, hin-und-herfahren, war dann noch im Park, hatte mich dabei, holte die Kamera heraus … und entspannte sich ein bisschen.

Und ich?

Ich habe eine neue Mütze und einen neuen Schal.

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Und als ich da so hockte auf der Bank, und der Wind von einem Baum den Schnee verwehte und mich einnebelte, da musste Bella ein wenig lächeln.

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Und so verbrachten wir den Nachmittag im Park, sahen Kinder mit Schlitten, kleine Hunde, eingepackt in lustige Überwürfe, entdeckten schöne Fotomotive und staunten gemeinsam über die Ruhe, die der Schnee immer über alles deckt.
Auch die Verlangsamung war spürbar … die Menschen stapfen durch den Schnee … und die übliche Betriebsamkeit wird gebremst.

Tatsächlich … scheint an dem Sprichwort was dran zu sein … und es gibt ja auch noch jenes andere:

„Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg“

Ein Aphorismus aus Japan, der besagt, dass man manchmal erst durch die Umwege auf die richtige Spur kommt.
Und seien wir doch mal ehrlich – ist es nicht genau so auch beim Reisen? Entdeckt man nicht erst da „zufällig“ die allerschönsten Dinge, macht die interessantesten Bekanntschaften?
Wieso sollte das restliche Leben davon ausgenommen sein?

Gerade in der Langsamkeit liegt eine so große Qualität, weil sie von großer Achtsamkeit begleitet wird.
Das weiß jeder, der einen Garten hat.
Die Dinge habe ihre Zeit, es kann nichts beschleunigt werden … man hegt und pflegt die Pflanzen die darin wachsen … und sie haben ihr eigenes Tempo. Man lernt zu warten und sich zu freuen auf die Blüten … auf das, was die Ernte hervorbringen wird …

So ist es auch mit dem menschlichen Geist. Mit dem Leben an sich …
Die Jahreszeiten lehren den Menschen ebenso, dass alles einem Rhythmus und einer eigenen Zeit unterliegt.

Jetzt also … genießen wir doch den Winter.

Endlich ist er da.

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