Abschied

Die letzten Zeugen des Winters
zittern leicht im aufkommenden Wind
und verabschieden sich still
in ihrer verblichenen Schönheit.
Tanzen einen vorsichtigen Reigen
und winken zart mit ihren filigranen Härchen.
Ich will ihnen danken,
so wie ich dem Winter danken möchte
für so viele Augen-Blicke
des Sehens,
des Erfühlens,
des Erlebens.
Nie kam mir eine Jahreszeit magischer daher
als die zurückliegende.
Nie zuvor sprach der Winter so mit mir,
wie es ihm gefiel.
Flüsternd
Tropfend
Frostig
Grell
Neblig
Einladend
Lockend.
Vielleicht hörte ich schlichtweg nur besser zu.
Vielleicht sah ich einfach mehr hin.
Ließ mich fallen
in diese stille Einsamkeit
und fand den Zauber darin.
Wie in einer Umarmung,
die dir plötzlich zuteil wird,
wenn du nicht damit gerechnet hast.
Wie eine Hand, die sich unerwartet
in deine eigene schiebt
und ein wenig Wärme spendet.
Wie ein Kuss,
der dich lebendig fühlen lässt
und alles andere ausblendet.
Katapultiert in Rhythmen …
Pulsschlag
Vibrieren
Leben.

thumb_P3286231_1024

Das Vermächtnis nehme ich mit
und trage es bei mir.
In mir.
Als Präsenz.
Die da wohnt
in den Räumen zwischen den Worten.
Im Nichtgesprochenen.
In den ich jederzeit hineintreten kann,
wenn ich den Umhang des „Gewussten“ ablege.

Und so sage ich
Adieu,
drehe mich um
und gehe dem Frühling entgegen.

 

Advertisements

Der goldene Raum

Ich denke vor mich hin.
Ich schreibe.
Ich fotografiere.
Ich schaue
und sammle Eindrücke …
derer es viele sind momentan.
Wie das Eichhörnchen
trage ich sie zu einem sicheren Ort.
In jenen gold durchfluteten Raum
in mir,
den ich ganz alleine bewohne.
Der Raum ist ganz leer …
es ist viel Platz.
Und süße Stille.
Nur manchmal ein leiser, tiefer Gongschlag
der Vibrationen durch meine Adern schickt
und das Herz erreicht.
Ich sitze da
und betrachte meine gesammelten Tagesschätze.
Wie sie glänzen
und leuchten,
mich erinnern
und gemahnen,
mich lächeln lassen
oder weinen
vor lauter Ehrfurcht
vor diesem Schönen,
das immer da ist,
wenn ich mich nur bücke
und es aufhebe.

Herzöffnung

(Geschrieben am 29.08.2015)

Die Bella hat einen Termin bei einer Therapeutin.
Sie weiß eigentlich recht schnell … so nach den ersten Minuten, dass diese nicht die Richtige für sie ist, braucht aber fast eine Woche, sich das einzugestehen und weitere Termine abzusagen. Sie gesteht sich zu, weiter zu suchen.
Sie spürt – es ist gut, sich Unterstützung zu holen. Auch, wenn diese möglicherweise in ganz anderen Regionen angesiedelt ist.

Eine gute Erfahrung gab es mit einem homöopathischen Mittel, bzw. mehreren in Kombination. Da hat etwas geholfen, den Prozess zu unterstützen.
Ebenso war die Bella viel im Internet unterwegs, hat Stunden damit verbracht, sich Videos über Homöopathisches Arbeiten, EFT, Schamanismus oder Advaita vedanta anzusehen.
Dabei ist sie auf ein Seminar gestoßen, was sie sofort anzog. Wie sollte es anders sein, geht es da auch um Burnout und Depression – und so wird die Bella im November an den Chiemsee reisen, um daran teilzunehmen.
Nichts geschieht zufällig.

Alles kommt zur rechten Zeit.
Dann, wenn der Mensch bereit ist.

So vergeh´n die Tage. Bella und der Graubezopfte sind wieder in Berlin.
Die Tochter hat Geburtstag – und gefeiert wird im Garten, beim Töchtervater, dem die Bella noch sehr nahe steht. Es ist ein schöner Tag … mit der Familie. Die schöne erwachsene Tochter strahlt, hat ihren Liebsten an ihrer Seite, und auch sonst so sind alle Anwesenden zufrieden. Und die Bella auch. Entspannt. Ruht in sich.

Dann geht es wieder nach München … ein paar Tage später hat der Graubezopfte ebenfalls Geburtstag, und gefeiert werden soll im Garten.
Ein Tag folgt auf den nächsten.
Das Wetter ist herrlich. Wir verbringen beide viel Zeit draußen. Bella lässt mich alles erkunden, hat mich immer dabei … Zeit zum Spielen.

thumb_P8193039_1024 Kopiethumb_P8263372_1024 Kopie

Und weil es so heiss ist, und die Sonne so brennt, bekomme ich meinen ersten Hut.

thumb_P8283713_1024 thumb_P8283705_1024 Kopie

Der Garten steht in voller Pracht.
Die Rosen blühen das zweite Mal. Seitdem der Graubezopfte sie regelmäßig düngt, gedeihen sie prächtig. Alles steht in satter, voller Blütenpracht. Die Hortensien sind eine Augenweide, ebenso der Farn. Der Holunder trägt unsäglich viele Beeren. Die Bienen summen durch die Tage.
Und Bella nimmt das alles in sich auf.
Liest, schreibt, wartet.
Wartet …
So vergeht träge die Zeit.
Und der Geburtstag naht.
Und so rafft sie sich schließlich auf und malt das erste Federbild für ihren Liebsten.
Und weil es so gut gelingt, gleich noch eins.

Wieder eine Hürde ist genommen.
Im Inneren erwächst eine tiefe Befriedigung.
Dann malt die Bella mich.
Und kommt in einen Flow.
Und merkt es selbst.
Blatt auf Blatt wird bemalt.
Und beide strahlen wir.
Am Tag des Geburtstages ist es fast egal, ob der Graubezopfte sich freut. (Natürlich freut er sich! Und findet das Federbild schön.) Klar, dass das die Bella beruhigt. Doch auch, dass sie überhaupt mit dem Schaffen begonnen hat.
Am Nachmittag kommen die Gäste. Eine kleine Runde nur, doch dafür umso intensiver.
Und später … als das Licht sich langsam aus dem Tag stiehlt, reden diese feinen Menschen miteinander … über sich und ihre Gefühle. Bella macht ganz auf und zeigt sich – mit ihrer Verletzlichkeit, und muss schon wieder weinen. Wie so oft in letzter Zeit.
Sie kann nicht mehr „dichtmachen“. Alles geht so ungefiltert rein, wird gefühlt – und das ist gut so.
Und so wird dieser Abend ein Juwel, das die ganze Woche überstrahlt.
Die Herzen fließen über … und die Bella outet sich und spricht das erste Mal über mich, mich in der Inkarnation als Plüschtier … springt auf und holt mich aus dem Beutel hervor, in dem ich normalerweise versteckt bin.

Feuertaufe.

Ich werde das erste Mal herumgezeigt.

Und die Freundinnen mögen mich.
Es kommen wohlwollende Kommentare.

Natürlich ist es egal. Was die Anderen denken.
Wichtig ist, dass die Bella sich selbst vertraut.
Doch natürlich kann es nicht schaden, wenn die eigene Wahrnehmung geteilt wird.
Und so kommen wir der Sache mit dem Bloggen immer näher ….
Auch ein Schritt in die eigene Selbstbevollmächtigung.
Dem Denken einen Raum geben.
Das darf schon sein.
Nach langem Schweigen wieder in die Sprache finden.
Wo doch Sprache etwas ist, was die Bella total fasziniert.
Poesie, Philosophie … Lyrik … wenn wir die rechten Worte wählen,
machen wir die Welt auch schöner.
Warum also nicht?
Warum nicht noch einen Blog?
Meinen.
Gestatten?
Mein Name ist Keki.