Fokus

Neben allen Möglichkeiten, mir Hilfe zu holen (therapeutisch, homöopathisch, schamanisch, Freunde treffen) … gibt es eine Sache, die ich ganz allein tun muss: mich innerlich ausrichten.

Und wenn da so graue Tage sind wie gerade gestern – zur Sommersonnenwende (klick) – und ich merke, wie es mich innerlich runterzieht, ich schon wieder keine Sprache finde, die Gedanken kreisen oder diffus durch den Kopf schwirren, dann diszipliniere ich mich, schnapp mir die Kamera und gehe raus.

Und dann streife ich umher und drücke auf den Auslöser, manchmal mitten in der Bewegung; ich überlasse es dem Zufall, was da scharf stellt (und bin hinterher oftmals überrascht über unglaublich schöne Sachen, die die Kamera abgebildet hat).
Ich komme so eigentlich immer in die Freude.
Ich vergesse mich und meine Situation und fühle mich verbunden, sehe, höre, rieche … und die Gedanken kommen zur Ruhe.

Gestern war so ein Tag … ich habe dann am Abend noch einige Collagen erstellt, die ich euch jetzt zeige.

Blume vanille Kopie

Gelbe Blumen 4

Blumen filigran rosa Kopie

Blumen blau Kopie

Blumen rosa Kopie

Dalien Kopie

Hortensien 2 Kopie

Hortensien blau Kopie

Mohn 3 Kopie

Pink3 Kopie

Rose lachs Kopie

Rosen Kopie

Möglicherweise ist dies der letzte Beitrag für längere Zeit.
Nächste Woche beginnt meine Reha, und ich werde ein paar Wochen sehr beschäftigt sein.
Ob ich dort WLan habe, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, ob ich mir generell mal die Pause gönne und die ganzen sozialen Medien links liegen lasse.

Also wundert euch nicht, wenn ihr gar nichts von mir hört. Von uns – muss ich sagen, denn Keki kommt selbstverständlich mit.

Es freut uns, wenn ihr uns gewogen bleibt.
Schön, dass ihr uns bis hierhin begleitet habt.
Immer war es eine Freude eure Kommentare zu lesen und wohlwollenden Feedbacks zu erhalten.
Das Schreiben hat mir sehr geholfen.

Alles Gute für euch.
Bleibt gesund. Und bis bald.
Bella

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Abschied

Die letzten Zeugen des Winters
zittern leicht im aufkommenden Wind
und verabschieden sich still
in ihrer verblichenen Schönheit.
Tanzen einen vorsichtigen Reigen
und winken zart mit ihren filigranen Härchen.
Ich will ihnen danken,
so wie ich dem Winter danken möchte
für so viele Augen-Blicke
des Sehens,
des Erfühlens,
des Erlebens.
Nie kam mir eine Jahreszeit magischer daher
als die zurückliegende.
Nie zuvor sprach der Winter so mit mir,
wie es ihm gefiel.
Flüsternd
Tropfend
Frostig
Grell
Neblig
Einladend
Lockend.
Vielleicht hörte ich schlichtweg nur besser zu.
Vielleicht sah ich einfach mehr hin.
Ließ mich fallen
in diese stille Einsamkeit
und fand den Zauber darin.
Wie in einer Umarmung,
die dir plötzlich zuteil wird,
wenn du nicht damit gerechnet hast.
Wie eine Hand, die sich unerwartet
in deine eigene schiebt
und ein wenig Wärme spendet.
Wie ein Kuss,
der dich lebendig fühlen lässt
und alles andere ausblendet.
Katapultiert in Rhythmen …
Pulsschlag
Vibrieren
Leben.

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Das Vermächtnis nehme ich mit
und trage es bei mir.
In mir.
Als Präsenz.
Die da wohnt
in den Räumen zwischen den Worten.
Im Nichtgesprochenen.
In den ich jederzeit hineintreten kann,
wenn ich den Umhang des „Gewussten“ ablege.

Und so sage ich
Adieu,
drehe mich um
und gehe dem Frühling entgegen.

 

Die Schönheit der einfachen Dinge

Bella grübelt wieder, schläft schlecht, macht sich Sorgen …
Einerseits.
Andererseits versucht sie, ihre Sinne zu benutzen … wahrzunehmen … sich zu orientieren und sich ein Vorbild an der Natur zu nehmen.
Dort ist alles einfach.
Alles folgt einfachen Gesetzmäßigkeiten.
Alles ist.
Und zwar ohne Bewertung.
Also übt sie sich darin, zum Ursprünglichen zurück zu kommen.

Ein Apfel ist ein Apfel.
Wenn man in ihn hineinbeisst, beraubt man sich des Genusses, wenn gleichzeitig im Kopf ein Gedankenkarussell routiert.

Und so sind wir viel unterwegs und umgeben uns mit Farben, Formen und Gerüchen … mit Klang und Ton und auch viel Stille.

Habt ihr schon mal ein pures Entzücken beim Anblick einer Paprika empfunden?
Und dann erst roh geknabbert mit geschlossenen Augen … und später dem Geschmack im Thai-Curry nachgespürt?

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Gelbsehen

5.00 Uhr.
Bella wird wach mit einem komischen Gefühl.
Eine leichte Übelkeit … kaum wahrnehmbar … Also erst mal aufstehen und einen Kaffee kochen.
Als sie ins Internet schaut, wird ihr bewusst, dass da ein Klopfen in der rechten Schläfe ist …das schnell stärker wird.
Ach so … Migräne wieder … und viel zu spät für das Medikament … der Schmerz rollt schon an.
Natürlich nimmt sie die Tablette trotzdem … wenigsten die Spitze des Schmerzes kappen …
Dann lässt sie sich ein Bad ein und gleitet in das sehr heisse Wasser.

ROLLENWECHSEL

Während ich versuche, mich in der Wanne zu entspannen, spült sich ein Gedanke wie Treibgut in meinen Morgen. Ich kann danach greifen … ihn aus dem Wasser ziehen …
Da liegt er … auf meiner Hand … identifizierbar …
Mein Kopf fängt sofort an zu denken. Und mein Therapeutenverstand registriert prompt, was ich da tue … atmen jetzt … atmen … ein Gefühl kommt … Trauer … Scham … Schuldgefühl …
Dieser Gedanke darf doch nicht sein … ich erkenne das Muster … das Gelernte.
Sowas gehört sich doch nicht.
Das tut man doch nicht.
Das geht nicht … damit verletze ich Andere.

Ich weiß genau, ich werde diesem Impuls nicht nachgeben.
Ich nehme in Kauf, mich lieber selbst zu verletzten, indem ich mir versage, worauf ich Lust habe.
Das Treibholz hat sich in einen Kristall verwandelt.
Ich betrachte ihn in meiner Hand und drehe und wende ihn …
Er funkelt mich an.
Ein Schatz.
Vorsichtig lege ich ihn in eine Schale auf den Badewannenrand.

Ich denke darüber nach, was ich gelernt habe, wie ich mit Problemen umgehe, was ich mir für Bewältigungsstrategien angeeignet habe … und wie wenig sinnvoll sie noch zu sein scheinen …

Dies jetzt ist ein wichtiges Geschenk.

Ich merke, was ich tue … Wie meine Muster wirken … aber auch, wie ich sie selbst durchschaue, mich selbst maßregele, noch nicht die Hürde nehme …
Ich liege in der Wanne und blicke auf eine gelbe Lampe, die an der Decke hängt.
Auf den gelben Duschvorhang, der auf die Seite geschoben ist, weil er zum Baden nicht benötigt wird.
Gelb ist eine eigenartige Farbe. Nicht gerade meine Lieblingsfarbe. Warum habe ich sie eigentlich hier im Bad? Und immer so ein sonniges Gefühl, wenn ich den Raum betrete …
Es tut mir gut … gerade, mich mit gelben Dingen zu umgeben … mir gelbe Blumen zu kaufen, was ich sonst nie tue.
Eine virtuelle Freundin, die ich später persönlich kennenlernte, nannte mich immer „Sonnenbella“ … weil ich so viel „Sonne im Herzen“ hätte … daran erinnere ich mich gerade …
Und lächle und bin traurig zugleich.
Gelb scheint irgendwie gerade Sinn zu machen …

Dazu:

Viktor Frankl – Sinn

Und: Gestalten
Ich steige aus der Wanne und trockne mich ab.
Mein Kopf ist auf einmal sehr klar …
und die Migräne wie weggeblasen. (Ein kleines Wunder.)

Ich bereite mir mein Frühstück zu und setze mich an den Tisch mit den gelben Tulpen darauf.

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Nachdenken

Bella denkt nach:

„Wie ungewöhnlich …
dass ich einerseits auf den Frühling warte
und andererseits noch diese farblose Ungewissheit schön finde …

Vielleicht, weil ich sie selbst noch in mir trage …
weil auch in mir der Winter noch nicht zu Ende ist …
Und weil mir die Melancholie so zu eigen ist …
und ich gar nicht weiß,
ob ich darauf verzichten mag.

Sehe ich denn dann noch dieses zart Verblühte…
Habe ich dann noch Augen für das Nichtlicht
und den Nebel
und die Töne,
die über den Wiesen liegen?

Braucht es nicht
die kahlen Bäume
und die kargen Landschaften …
um dann aus satten Auen
Lebenskraft zu schöpfen?

Ist nicht diese stille Zurückgezogenheit
unabdinglich
lebensnotwendig …
Ein Sterben,
um geboren werden zu können …?“

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Halt finden

(Geschrieben am 02.09.2015)

Gedanken ziehen wie Wolken.

Wieder in Berlin.
Es ist der 2. September.
Gestern noch schwitzte alles und jeder bei über 30 Grad im Schatten, dann gab es Regen und Abkühlung.
Nun sitzt die Bella im Wohnzimmer und schaut den vorbei ziehenden Wolken nach.

Der Herbst hält Einzug.
Der Ahornbaum vor dem Fenster hat bereits einen Großteil seiner gelben Blätter abgeworfen.
Und allzu gerne möchte die Bella auch alles Schwere von sich abwerfen.
Dabei ist das gar nicht notwendig.
Dass etwas „schwer“ sei, wird nur gedacht. Etwas wird bewertet und in „gut“ und „weniger gut“ eingeordnet.
Der Kopf darf mal Pause haben.
Der Job ist nun mal gerade kein Thema. Da hat das Müssen aufgehört. Und sofort ist ein neues Müssen da.
Natürlich versteht die Bella die Zusammenhänge. Es ist sie selbst, die so denkt, dass die Welt sei.
Jetzt „muss“ sie doch vielleicht so langsam mal tätig werden? So langsam mal eine Idee kriegen?
Gesund werden? Heil werden?
Eine neue Spirale nach oben. Wieder angekommen in Gedanken und Gefühlen, die schon längst überwunden geglaubt waren.
Mit jedem neuen Auftauchen spürt sie dennoch gleichzeitig auch ihre Absurdität, weiß um ihre Konzepte und spürt, wie sie sich wieder einschleichen. Und wie sie sie dennoch denkt.
Okayyy … egal …
Wieder und wieder.
So ist es halt.
Kein Grund, sich zu verurteilen.
Wenn … dann …
Im Grunde weiß die Bella, dass nicht irgendwann alles besser sein wird … dass sie erst dieses oder jenes tun muss, und dann endlich wird sie glücklich sein … geliebt werden … endlich selbst lieben können.
Wenn … dann …
Das fieseste aller Konzepte.

Immer auf der Suche nach etwas, das die Schwere nimmt, die Ursache des Schmerzes erklärt, mehr Ausgewogenheit und Freude bringt.
Fischen im Ur-Meer der eigenen Befindlichkeit. In dem Wissen darum, es zu tun, ist es kein großes Drama mehr, doch es genügt, um noch reichlich Energie zu binden. Und erst recht in Zeiten, da es unbewusst geschieht. Und immer taucht irgendwas Neues auf, das erst behoben werden „muss“. Ein neues Problem, eine Störung, ein unangenehmes Gefühl.
Doch all das kann die Bella nicht wegmachen … es gehört dazu – zum Menschsein.
Nur die Annahme dessen, was ist, bringt wirkliche Freiheit.
Jedes sich dagegen Wehren und Ankämpfen manifestiert umso mehr ein neues Konzept.
Erst das Mitfließen und die Annahme des jetzigen Zustands bringt den Kontakt zum eigenen Erleben.
Zu dem, was ist. Und nicht zu dem, was gedacht wird, was ist.
Realität ist tricky.
Die Ärztin hat die Krankschreibung verlängert.
Zeit ist gerade kein Thema. Zeit ist gerade genügend da.
„Jetzt ist die Zeit, in der Sie bemerken, wie Sie ticken und verarbeiten … später kommt dann die Phase, in der Sie das neu Gewonnene neu umsetzen zu lernen … und anzuwenden“, meinte die Ärztin gestern. Eine sehr nette Frau mit schönen, lebhaften Augen.
Danke, Frau Doktor.

Vor ein paar Tagen waren wir in den Bergen.
Auf dem Panoramaweg rings um den Wendelstein herum, war es notwendig, die Aufmerksamkeit auf die eigenen Füße zu lenken. Auf dem schmalen Weg ohne Befestigung war der Bella anfangs ziemlich schwindelig, wenn sie hinunter in die Tiefe blickte. Also schaute sie erst mal nur unmittelbar auf den sich vor ihr hinschlängelnden Pfad und war damit beschäftigt, genügend Halt zu finden. Währenddessen beruhigte sich der Atem, die Gedanken kamen zur Ruhe, der Kopf wurde ganz leer.
Nach und nach verschwand der Schwindel und die Schönheit der Natur offenbarte sich in ihrer ganzen Grandiosität. Die Berge – in mehreren Schichten hintereinander aufgereiht – schimmerten blau im Sonnenlicht, schwarze Vögel kreisten, und sogar ein paar Gamsböcke sahen wir.
Einer dieser Bergdohlen schiss der Bella beim Gehen auf den Kopf. „Das bringt ja bekanntlich Glück“, meinte der Graubezopfte.
Und mich setzte die Bella an mehreren Stellen vor ein wunderschönes Panorama und machte ihre Fotos.

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Überhaupt haben die Tage in Bayern gut getan. Auch wenn „nicht wirklich viel passiert ist“, wie die Bella meint, so hat doch im Inneren eine Menge an Verstehen und Verarbeitung stattgefunden. Und an Annahme. Denn angenommen werden kann nur, was grundsätzlich verstanden wurde – danach kann es losgelassen werden.
Die Spur der Schnecken zu verfolgen, die Vögel in den Bäumen zu beobachten und ihrem Gezwitscher zu lauschen, die Katze zu streicheln, Freunde einzuladen und lange zu sitzen und von Herz zu Herz zu sprechen, hat eben eine ganz andere Qualität, als sich Sorgen zu machen.

Ich saß in der Sonne mit meiner neuen Mütze und sah der Bella beim Malen und Fotografieren zu.

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Friedfertige, ruhige Tage.
Tage zum Halt finden.
Tage zum Üben.