Danke 2015

Bella hat einen Brief geschrieben:

„Danke 2015

Beim Twitter-Fotoprojekt (das leider gerade ausgelaufen ist … Leider, weil es mir großen Spaß gemacht hat, dort mitzumachen und ich es erst spät entdeckte …) gab es vor ein paar Wochen das Thema „2015“.
Und sofort kam mir in den Sinn, dafür eine Collage anzufertigen.

Ich überlegte, wie mein 2015 gewesen war, was ich erlebt hatte, wie sich 2015 plötzlich ein Schlund auftat und mich verschluckte, und wie gut das eigentlich war.

Denn ohne dieses Verschlungenwerden, ohne diesen plötzlichen Kontrollverlust, stünde ich nicht dort, wo ich heute bin. Immer noch fragil, immer noch staunend, doch so langsam begreifend, dass die eigene Körperweisheit am wirken ist … und die Seele auch.

Ich bin verhältnismäßig viel gereist dieses Jahr. Alleine Im ersten Halbjahr war ich gleich dreimal an der Ostsee. Ich war in den Bergen, am Chiemsee und mehrmals im Jahr in München.
Dann in Kroatien, wo ich das Bilderbuchmeer meiner Kindheit wiederfand. jenes Blau, das man auf Fotografien ansieht und nicht glauben kann, dass es echt ist, nicht retuschiert.
Ich spürte diese Weite, blickte in den Himmel, erlebte spektakuläre Sonnenauf- und -untergänge, kletterte Krebsen hinterher und sammelte Steine, Muscheln und Möwenfedern.
In mir formte sich etwas, das ich nicht benennen konnte. Ich spürte nur, dass es so war.
Es war nicht immer schön.
Ich spürte den Riss.
ich bekam Migräne … selbst in Kroatien, wo es doch so zauberhaft war.
Vielleicht weil es so zauberhaft war und ich spürte, dass ich zurück musste in mein altes Leben.
Dreimal, nein, sogar viermal begegnete ich einem Skorpion. Immer war er in meinem Zimmer, in meiner Ecke, da wo die Schuhe standen, sah ich ihn zuerst am Kamin prangen und machte meinen Mann darauf aufmerksam.
Eigenartig.
Ich fing an, darüber nachzudenken, was der Skorpion mir mitzuteilen hätte, was die Botschaft war.
Der Skorpion will, dass wir uns mit dem Thema Leid und Erlösung auseinandersetzen.
Er ist eines der ältesten Lebewesen auf der Erde, perfekt angepasst. Er scheut nicht die Dunkelheit, vielmehr sucht er sie. Im übertragenden Sinne fordert er also dazu auf, selbst in die Dunkelheit zu gehen und unsere eigenen Schatten zu betrachten. Er lädt uns ein, unsere Wunden und Verletzungen zu betrachten, er konfrontiert uns mit unseren Traumata.
Ich bekam einige Monate später Skorpion noch als homöopathisches Mittel, das mich unglaublich unterstützte. Einen Monat lang schwamm ich auf einer Welle von Getragensein und war ohne Angst.

Am Chiemsee lernte ich „The Journey“ kennen – ich habe hier davon berichtet.

Doch kehren wir noch einmal kurz zurück.
Zu dem Moment, an dem ich wusste, >Ich kann heute unmöglich in die Arbeit gehen.
Ich schaffe das nicht.<
In jenem Augenblick wurde mir der Teppich unter den Füßen weggerissen, der mein Leben darstellte.
Ich fiel und fiel, wie mir schien, ins Bodenlose.
In mich.
Und da war nichts.
Keine Idee, wer ich war, wer ich wirklich wirklich war.

Menschen erfinden sich ja immer wieder neu.
Schön, wenn sie sich dabei auch entdecken.
Ich entdeckte so nach und nach Vieles … und tue es noch.
Ich blieb am Boden liegen und spürte meine Angst, meine Hilflosigkeit, meine Schwäche.
Und ich hatte keine Kraft mehr zu verdrängen …
Ich hatte aufgehört zu funktionieren.

2015 war also in jeder Hinsicht ein unglaublich intensives Jahr und es wird Zeit, mich zu bedanken.
Viel mehr als die paar Fotos da auf der Collage sind zusammen gekommen, es passte nur nicht alles auf ein Bild.

Und so schreibe ich meine persönliche Liste.

Danke 2015 …

… für ein Jahr voller tiefgreifender Einsichten
… für die innere Einkehr
… für die Sonnenaufgänge
… und die Sonnenuntergänge
… für den Geschmack
… und die Farben
… für meine Freunde
… für die Liebe und meine Liebsten
… für das Meer
… und die Berge
… für die stillen Momente
… für besondere Fundstücke
… für das Eintauchen in tiefe Gefühle
… für die Wolken
… für unzählige Fahrradwettertage
… für die Verbundenheit mit Allem
… für das immer wieder Schmunzeln dürfen
… für das Aufdecken alter Muster
… für das Entdecken neuer Seiten in mir
… für das Wiederfinden von Verlorengeglaubtem
… für die Kreativität
… für Keki.“

Danke 2015