Kritzelkeki

Es gibt Neuigkeiten.

Auf Twitter hat @Stinkstiefel dazu aufgerufen, kleine Bilder („tiny“) zu zeichnen oder anzufertigen (auch mit anderen Materialien), die innerhalb von 60 Sekunden fertig sind und nicht größer sein sollten als das Material, mit dem sie angefertigt wurden.

Unter dem Hashtag #tiny60s sind so kreative, wunderschöne Sachen entstanden.

Ich habe mich beteiligt und Spaß an der Sache bekommen.
Deshalb gibt es Keki nun auch als kleines Miniatur-Gekritzel.

Alle Kritzeleien findet ihr hier.

Tanz – oder das In-Kontakt-treten mit einem Anderen

Es gibt Dinge, die möchte die Bella nicht so ins Internet hinausblasen, die gehen keinen was an, die kann man auch gar nicht erklären – vor allem, sich selbst noch nicht.
Und so tut man gut daran, erst mal im stillen Kämmerlein für sich selbst zu sortieren.
Wobei – so still ist es ja nicht – dafür sorge ich schon.

Wir sind also ziemlich beschäftigt, die Bella und ich.
Gedankenkarussells, erdrutschartige Talfahrten durch Trauerland, heftige Emotionen, längst vergessene Gesterns, die aus dem Nebel auftauchen, wenig Schlaf, Freude, Kummer, Abschottung, Zweifel, plötzliche Euphorie … von Allem etwas.
Welches Schweinderl hättens denn gerne?

Neben all dem Anstrengenden, was diese Zeitqualität so zu bieten hat, hört Bella auch auf mich.
Ich will mich natürlich entspannen, Freude haben, Bella motivieren, es sich gut gehen zu lassen. Und wo geht das am besten?
Richtig: beim Tanzen.

Also geht Bella wieder Salsatanzen, etwas, das sie sehr lange tat und dann einfach eines Tages damit aufhörte.
Nun hat sie wieder begonnen, nach einer langen Pause von fast 5 oder 6 Jahren.

Und es ist wie immer.
Die Musik erklingt und dringt ein … nicht nur in die Ohren … nein – in den ganzen Leib. Wird erfahren, gefühlt, rauscht durch die Synapsen und versetzt gleich mal die Hormone in Wallung, erweckt den Körper. Und die Seele singt schon mit.
Kurz kurz lang ist der Rhythmus, dem sich die Beine anpassen, ganz automatisch, weil sie diese Schrittfolge im Traum noch bewältigen könnten. Einmal gelernt, an Hunderten von Tagen ausgeführt … in Fleisch und Blut übergegangen. Nur die Figuren, die Drehungen, die sind ein wenig verrostet, vergessen, müssen wieder geübt werden.
Und natürlich braucht man beim Salsa einen Partner – einen Mann, der führt.

Bella geht in einen Tanzschuppen, wo sie keinen festen Tanzpartner braucht. Hier gibt es eine Übungseinheit, bei der nach jedem Lied der Partner gewechselt wird.
Das hat für beide Partner – für den Führenden (in der Regel den Mann) und die Geführte (in der Regel die Frau) – große Vorteile, weil man sich nicht so aufeinander einschießt, sondern lernt, sich auf jedes neue Gegenüber einzulassen.
Man begegnet sich … meist nur für einen Song … und entdeckt einander im Space von Rhythmus und Bewegung, Abläufen, Druck oder sanften Berührungen.
Sehr schnell werden Unterschiede, Tanzstile der einzelnen Tanzpartner klar.
Manchmal geht es sehr mühelos miteinander, ein anderes Mal will es nicht gut harmonieren, muss man ein wenig rumprobieren, bis man sich gefunden hat.
Natürlich kommt man sich beim Salsa ziemlich nahe – auch Gerüche spielen eine Rolle und die emotionale Verfassung der Tanzenden.
Als Frau bemerkt Bella relativ schnell, wie entspannt der Mann ist, ob Anfänger oder Fortgeschrittener, erlebt Einfühlsames oder heftiges Herumgezerre.
Das Ego schafft sich eine Bühne.
Manche Männer sind gute Tänzer, können sich aber schlecht auf ihre Tanzpartnerin einlassen. Sie wollen zeigen, was sie draufhaben, wollen ihre 99 Figuren und diverse Tanzbausteine tanzen, ohne groß Rücksicht darauf zu nehmen, ab die Frau in ihrem Arm da gut mitkommt. So kommt es dann leider dazu, dass die Frau mit hechelnder Zunge alle möglichen Verdrehungen und Armverrenkungen über sich ergehen lassen muss, weil sie die Figuren noch nie getanzt hat und plötzlich in Stress kommt.

Sich Führen lassen, ist auch nicht so einfach, werte Herren.
Man(n) denkt, das ist ganz leicht, sie muss ja nur mitgehen.
Nun ja … Menschen sind verschieden – und Frauen auch.
Einige schweben elfengleich auf hochhackigen Schuhen über die Tanzfläche, und Bella fragt sich dann jedes Mal, wie man überhaupt in solchen Schuhen laufen kann, geschweige denn, tanzen. Diese Art Frau tänzelt also vorüber, keine Haarsträhne ist verrutscht, kein einziger Schweißtropfen wird sichtbar, während sie von ihrem Partner über die glatte Tanzfläche gewirbelt wird und scheinbar mühelos all dem folgt, was er an Impulsen vorgibt.
Großartig. Da steht Bella dann und kann nur staunen.
Alleine am Rande zu stehen und zu beobachten, was da im Getümmel so passiert, ist schon interessant, es dann selbst zu erleben, nochmal aufschlussreicher.

Mittlerweile tanzen auch manchmal Frauen miteinander. Nicht nur, dass es sich dabei um gleichgeschlechtliche Paare handelt, oftmals wollen Frauen auch das Führen lernen.
Bevor frau also am Rand steht und nicht aufgefordert wird, lernt sie doch lieber gleich den männlichen Part.
In der Regel führen Frauen anders als Männer. Weicher.
Bella mag das, dieses „weiche“ Geführtwerden.
Der Erste, der das tat, war ihr erster Tanzlehrer O., ein echter Kubaner, bei dem man den Eindruck hatte, dass er einen sanft mit dem kleinen Finger dirigierte. Tatsächlich, so erläuterte er, tanze der Mann aus dem Becken heraus und die Bewegung setze sich nur in den Arm fort.
Leicht gesagt, doch wer diese Rhythmen schon mit der Muttermilch gelernt hat, der hat das wahrscheinlich im Blut.
Mit O. zu tanzen war also jedes Mal eine Wonne. Wenn man diejenige war, mit der er gerade eine neue Figur für den Abend zeigte, dann war wirklich jede der anwesenden Tanzschülerinnen selig.
Und O. zuzusehen alleine war schon Genuss. Völlig unangestrengt bewegte er sich geschmeidig wie ein Panther.

Salsa lässt der Frau nur wenig Spielraum – dass der Mann führt, ist klar. Er dominiert und gibt die Figuren vor. Die locker gehaltenen Hände bleiben meist miteinander verbunden, so dass die Frau immer den Kontakt zum Mann hat.
Sich im Tanz zu begegnen, ist Sprache ohne Worte. Es kann zu einem Dialog kommen, zu einem Spiel, bei dem es nicht darum geht, festgelegte Figuren zu tanzen, sondern ein harmonisches Gemeinsames zu kreieren, den Raum zu öffnen, dem Rhythmus der Musik und dem Gefühl zu folgen. Überhaupt – das Gefühl. Manchmal sind Paare zu beobachten, da sieht man perfekte Technik, doch kein Gefühl will da transportiert werden – da wird keine Geschichte erzählt, kein Faden gesponnen. Da bleibt die Begegnung eine mechanische, in der zwei Körper sich bewegen, der Rest bleibt unbeteiligt.
Dem Anderen die Hand reichen, sich führen lassen, sein SoSein aufzunehmen und zu folgen, sich hineingleiten lassen in eine variierende Woge aus Schritten und Bewegungen in mitunter sehr hoher Geschwindigkeit und dem Vertrauen darauf, dass der Mann die Frau hält und unterstützt, bildet den Rahmen für eine intime Zusammenkunft, die sich mit jedem Menschen anders anfühlt.

Vorgestern tanzte Bella mit einem jungen Mann, der sich anfangs dafür entschuldigte, dass er noch nicht lange dabei sei und etwa erst seit drei Monaten Salsa tanze. Doch dann? Er entpuppte sich als ein deutscher O. Irgendwie hatte er es genau so drauf, diese Mischung aus Führen und Raum geben, gab feine, leichte Impulse, und Bella wusste genau, was er von ihr wollte und konnte gut folgen. Er entschuldigte sich bestimmt noch zwei Male für seine Anfängerfehler, einmal kamen sie auch aus dem Takt, doch Bella verriet ihm, dass er tanzen würde wie ein Kubaner, und dass sie großen Spaß daran hätte, jetzt gerade mit ihm auf der Tanzfläche zu sein, und da freute er sich sehr und über dieses Freuen hinweg versäumten sie den Partnerwechsel und tanzten gleich noch ein Lied zusammen.
Sehr schön.
Danach kam ein Mann, der sehr, sehr gut führen konnte, im Griff und in den Bewegungen aber viel dynamischer, fordernder war, und da war es wieder eine ganz andere Erfahrung …

Salsa ist so viel mehr als ein Tanz.
Salsa ist ein Lebensgefühl – eines, das auch den Europäer erfasst und ihn am Abend ein bisschen glücklicher gemacht hat.

 

 

 

Früüühling

Eines ist schon mal sicher:
Er ist nun nicht mehr aufzuhalten.
Mit jedem Tag gibt es mehr zu entdecken.
Wo gestern noch eine zarte Knospe war, gibt es heute schon eine frische Blüte zu entdecken.
Die Vögel zwitschern jeden Morgen.
Die Nachbarn verlassen ihre Wohnungen mit freundlichen Gesichtern.
Der Park wird voller … die Sonnenscheinjogger kommen zum Vorschein.

Wir sind natürlich bei Wind und Wetter draussen,
weil Bella natürlich auch die Tropfen fotografieren will …

Also dann:
Frohe Ostern euch allen … geruhsame Tage, Freude mit der Familie und ein erfolgreiches Eiersuchen.

Ich habe übrigens einen neuen Hut bekommen. (Wurde auch mal Zeit.)
Den seht ihr hier.

Und gemalt hat Bella auch wieder. Schaut selbst.

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55

Hey … heute habe ich entdeckt, dass 55 Menschen regelmäßig meinen Blog lesen. Wie toll. Was für eine schöne Zahl.

Ihr seid das!

Danke dafür!

Es freut mich sehr, und es bestärkt mich darin weiterzuschreiben.

Es ist noch zu früh, den Sekt zu öffnen … alleine trinken macht sowieso keinen Spaß … ich stoße also nur symbolisch mit euch an.

Die Tage vergehen ohne nennenswerte Ereignisse.
Es ist kalt, grau, ein wenig vernieselt.
An solchen traurigtrüben Sonntagen wie gestern tut es gut, eine Freundin zu treffen, ein wenig zu reden, Kaffee zu trinken und wunderbare Leckerli zu probieren.
In einem feinen kleinen Café in Berlin kann man dies nach Herzenslust tun, sich auf ein schönes Sofa fläzen und im rosafliederfarbenen Ambiente eine schöne Zeit verbringen.

Der Cupcakeladen in Schöneberg ist jedenfalls einen Besuch wert.

Und manche Tage muss man sich einfach ein wenig versüßen.

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Das einzig Dumme: man hat die Qual der Wahl.

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Am Ende entschied ich mich für den wohl süßesten des ganzen Sortiments. Die beste Entscheidung.

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Alleine das Schauen und die feinen Gerüche wahrzunehmen, aktiviert schon das innere Kind, das vor Freude Purzelbäume schlägt.

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Und so änderte sich die Farbe des Sonntags und wich lavendelfarbenen Gefühlen.

Scharfstellung

Bella hat geschrieben:

„Ich habe nicht viel zu erzählen, dachte ich.
Ich lass einfach die Bilder sprechen … die Farben … die Formen … das Spiel von Licht und Schatten … die unterschiedlichen Strukturen, die so formvollendet und vollkommen sind.
Ich interessiere mich mehr für das Kleine, Filigrane, für die Oberfläche, den Winkel … die Lichtbrechung, den Schatten … seit Monaten erkunde ich einzelne Grashalme, störrische Disteln, zartes Blattwerk oder fedrige Gräser.
Ich nehme wahr, sauge auf und erforsche die Strukturen dieser Blüten und Blätter. Und auch Federn … immer wieder untersuche ich Federn.
Ich sehe die Ränder, die Abgrenzung, das Scharfe … aber auch das Weiche, Fließende, Verschmelzende.
Mich interessiert, wo etwas aufhört und wo etwas, anfängt.

Auch auf der Körperebene ist das angekommen.

Die Frage: Was war zuerst da – das Huhn oder das Ei – taucht kurz auf …
Zeigt es sich zuerst im Körper und dann in der Psyche … oder geht die Psyche voran und der Körper folgt?
Manifestieren sich Krankheiten nicht erst dann, wenn in Psyche und Seele schon lange vorher Ungleichgewicht und Unwohlsein herrschten?

Ich musste zum Optiker, weil meine Kontaktlinsen mir Schwierigkeiten machten.
Mittlerweile auch schon wieder drei Jahre alt und an den Rändern nun kaputt.
Also bestellte mir die Optikerin die Linsen nach, und ich hatte einen Termin zur Sehschärfenbestimmung.
Ihr kennt das: man bekommt diese Brille aufgesetzt mit den entsprechenden Gläsern, die abwechselnd immer wieder ausgetauscht werden, und der obligatorische Satz fällt: Ist es so klarer … oder so?“
Erstaunlicherweise hat sich herausgestellt, dass die alten Werte sich verschoben haben – und zwar zum Positiven.
Das rechte Auge hat sich in den letzten drei Jahren um 1,25 Dioptrien verbessert auf -3,25, das linke Auge hat sich um 0,75 Dioptrien verbessert auf -1,75.

Ich sehe also auf einmal sehr viel besser.

Wenn man bedenkt, dass ich mit Anfang 20 fast eine Dioptrie von -6,0 rechts und -3,75 links hatte, ist das schon fast ein kleines Wunder.
Doch meine Optikerin meint, das käme immer wieder mal vor – ich solle mich einfach freuen.

Die Welt um mich herum wird schärfer.
Und: ich interessiere mich für die Übergänge … die Ränder …
Der Blick im Außen auf dieses Kleinteilige … hatte der seinen Ursprung im Innen?
Ist das wie die klassische Situation, in der Frauen zum Friseur gehen, wenn eine Veränderung ansteht?

Die Migräneanfälle, die gerade ziemlich gehäuft auftreten …
Mein Heilpraktiker meint, das wäre eine Heilungskrise.
Okay … von innen nach außen … (Der Heilungsprozess läuft sozusagen rückwärts ab.)
Beim Fasten gibt es was ganz ähnliches. Am dritten Fastentag ist einem schlecht, man bekommt Kopfweh, schlechte Laune – man nennt das Fastenkrise.

Gehört dies also nun dazu zum Gesunden?
Und dann diese Traurigkeit in der letzten Zeit.
Mir wird erst jetzt klar, dass es Traurigkeit ist … denn davor war ja lange dieses Nichtgefühl … nun also die Unfähigkeit, den Tag vermeintlich „sinnvoll“ zu gestalten. Ich tue nichts. Ich hänge in dieser Schleife von Nichtstun …
(Gestern gab es bei Twitter einen Comic dazu. „Was tust du?“ „Nichts.“ „Aber das hast du doch schon gestern getan.“ „Ich bin nicht fertig geworden.“) So. Genau so.
Ich gucke.
Ich gucke mir die Welt an.
Meine Welt.
Die Blumen auf meinem Tisch.
Die Pflanzen im Park, die Blätter auf dem Boden, das Abgestorbene, das Neue.
Ich freue mich an der Gleichzeitigkeit, an dem Sowohl-als-auch.
Ich sehe mit schärferem Blick.
Auch in mich hinein.
Direkt in die Trauer.
Und die Welle kommt und spült mich weg.
Und ich weine die Tränen, die damals nicht sein durften,
die, die ich mir weggedrückt habe.
Da bist du.
Und da bin ich.
Und alles um mich herum …
Scharf umrissen, gleichzeitig, mein Gefühl ist meins, und dein Gefühl ist deins.
Ich bin nicht du …
und keine Konfluenzforderung mehr …
Keine Vermeidung von Grenzen mehr …                                                                                       Traurigkeit und Freude.
Hell und Dunkel.
Licht, Schatten, Benennbares und Unbenennbares.

In dieser Katatonie des nach Innen gewandten, da wo alle Kräfte sich gegenseitig behindern, da wo die Angst alle lebendigen Impulse drückt, hat eine Bewegung stattgefunden … auch so was wie ein Blick auf alle Widersprüchlichkeiten … auf die Ränder und die Überlappungen … auf die Gleichzeitigkeit … auf die Strukturen – und wie flüchtig sie sind.“

Tulpen 1

Tulpen 2

Blumencollage1

Collage Federn 1

Und ich? Ich bin dabei und schaue auch …

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Schreiben gegen Rechts

Im Netz hat Anna Schmidt einer Blogparade gegen Rechts aufgerufen,
zu der ich gerne einen Beitrag beisteuern möchte.

Ich will mal was über Gastfreundschaft schreiben …
Wie man sie erlebt, wenn man selbst ein Fremder ist.

Diese Geschichte ist wahr und passierte meinem Großvater im Zweiten Weltkrieg.

Mein Großvater kam in italienische Kriegsgefangenschaft, von der er mir mal erzählte, als ich in die Pubertät kam, ich muss damals so zwölf gewesen sein. Und es war an einem Wochenende, an dem ich bei meinen Großeltern übernachtet hatte.
Bis dahin wusste ich nichts über Opas Vergangenheit …
Er und ich hatten so kurze Momente miteinander, wenn ich ihm manchmal morgens beim Rasieren zusah.
Ich mochte das schon immer sehr – dieses Ritual, das Gesicht mit diesem weißen Schaum zu bedecken, und dann konzentriert über die eingeweichten Bartstoppeln zu streichen. Ich höre noch das kratzende Geräusch … und bis heute mag ich es lieber, wenn Männer sich nass rasieren als einen elektrischen Apparat zu benutzen.
Ich finde das irgendwie noch immer sehr männlich und erotisch.

Mein Großvater sang gerne im Bad … auch unter der Dusche.
Und er hatte eine unglaubliche Stimme. Tenor. Völlig unausgebildet, aber absolut wohltönend schmetterte er seine Lieder in den Morgen.
Oft sang er italienische Arien, oder er summte vergnügt vor sich hin … So kam es eines Morgens in der Küche zu einem kurzen Gespräch, als ich ihn fragte, woher er eigentlich all diese italienischen Lieder kannte und er mir berichtete, dass er ein paar Jahre in italienischer Kriegsgefangenschaft verbracht hatte.
Ich war sehr erstaunt, denn er berichtete, wie gut es ihm dort ergangen war.
Natürlich war er in einer Art Arbeitslager unterbracht gewesen – ich habe nicht behalten, an welchem Ort in Italien er stationiert war – es ist wohl auch unerheblich.
Er vertraute mir an, dass er sich in jener Zeit erstaunlich wohl gefühlt habe. Es habe eine große Verbundenheit unter den Kameraden gegeben, er habe sich in dieses Lagerleben gut einfügen können und sei mit der Zeit gut mit den italienischen Soldaten ausgekommen.
Im Laufe der vielen Monate (es waren knapp zwei Jahre) habe sich zu einigen von ihnen sogar ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.
Mein Großvater führte weiter aus, wie gut er immer behandelt worden wäre … mit Anstand und Respekt … und ich glaubte ihm sofort.
In mir formte sich ein Verstehen, dass er ein wenig von dieser italienischen Mentalität aufgesaugt hatte – selbst in diesen schwierigen Zeiten.

Es bestätigte dies.
Er fühlte sich nicht als „Feind“ in der Fremde.
Er wuchs in etwas hinein … und wurde zu einem Freund.
Am Ende des Krieges lernte er sogar die Familie eines italienischen Freundes kennen und war öfters Gast in dessen Zuhause.

Er schwärmte auch ein wenig über die Lebensfreude und die wunderschönen italienischen Frauen
und berichtete mir mit einem verschwörerischen Zwinkern, dass es ihm fast schwer gefallen sei, zurück zu kehren nach Deutschland, als er es dann durfte.

Wenn ich heute so darüber nachdenke, wird mir noch einmal deutlicher, woher der Charme meines Großvaters kam, wenn er mit meiner Oma zusammen war. Er verehrte sie sehr, war freundlich und sanft und brachte sie zum Lachen.

Diese Verehrung für Frauen an sich … und seine wunderbaren Arien hatte er aus Italien mitgebracht … und die Erfahrung als Mensch wertgeschätzt worden zu sein.
Ich finde es zutiefst wohltuend, wenn Menschen einander helfen … sich verbinden und unterstützen – überall auf der Welt.

Was hier in Deutschland los ist, erfüllt mich mit Erschrecken und Entsetzen, und auch, wenn ich mich nicht an endlosen politischen Debatten oder Diskussionen beteilige, schon fast keine Nachrichten mehr anschaue, will ich einfach sagen: So nicht!

Gestern Abend war Angela Merkel zu Gast bei Anne Will.
Großartig, Frau Merkel.

Nachtrag

Von Marc Aurel:

Die Menschen suchen sich Orte,
an die sie sich zurückziehen können-
auf dem Land,
am Meer,
im Gebirge.
Aber es gibt keinen ruhigeren Ort
als die eigene Seele.

Das mag schon sein.
Doch manche Seele liebt bestimmte Orte besonders.

Meine Seele liebt den Norden.
Hiddensee … Rügen …
Usedom … den Darß …
Sylt.

Und keine kann es vortrefflicher beschreiben als sie:

Mona Harry – Liebesgedicht an den Norden 

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Tanz mit dem Wind

Es ist schwierig mit Bella und mir gerade …

Ich bin zwar dabei,
doch Bella trennt
in Ich und Du …
hat in ihrem Oberstübchen mal wieder die Tür zugeschmissen.
Und denkt …
denkt …
denkt …
Sucht nach einem Ausweg …
aus dem Unangenehmen,
das sogleich,
weil es so unangenehm ist,
in ein Nichtgefühl transformiert wird.
Aha.
So wie immer, ja?
Abspaltung …

Hey hey …
meine Liebe …
Du weißt es doch längst besser …
Die Beurteilung zementiert noch mehr.
Die ständige Überprüfung jeder kleinen Regung …
die Analyse …
Das wissen wir doch nun,
dass du das perfekt beherrscht.
Da geht es doch nicht weiter.
Hier stehen wir …
der Wind schmeisst mich jedes Mal um,
und du runzelst die Stirn,
bist unzufrieden,
und wieder kippe ich nach vorne,
und du lachst,
ruckelst mich erneut in die richtige Position …
Ich kriege Sand auf die Augen,
doch das macht ja nichts.
Stecke mich kopfüber in die Dünen,
wenn es dir Spaß macht.
Hauptsache, es macht dir Spaß.
Freue dich, lache …
spüre den Moment …
Wir sind doch hier …
Das wolltest du doch.
Meer geht nicht.
Atme aus dem Herzen
und lass los …
lass alles mit den Wolken ziehen …
Das brausende Wasser singt für uns …
die Möwen tanzen um uns herum
in der Melodie des Windes …
Wir sind jetzt mitten drin …
Nimm alle Geschenke an.                                                                                                                         Gib mir die Hand und lass uns tanzen.

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Am Meer

Die Füße stehen im Sand,
der Wind rüttelt an mir
und pfeift in den Ohren.
Was ist denn das Meer,
dass es mir so besonders ist?
Was unterscheidet das Meer
vom Wald …
vom Gebirge …
wo ich mich auch aufgehoben
und umfangen fühle?
Wo ich ebenso eintauchen kann.
Oder ist das nicht so?
Tauche ich nur ein …
sinnbildlich und real …
in dieses Wellengekräusel,
welches mich trägt,
wenn ich mich ihm überlasse?
Ist es das rhythmische,
immer wiederkehrende Heranbranden …
der Meeresatem,
der sich mit dem meinen vermischt?
Dieser wogende, lebende
Organismus …
die Urmutter von allem,
deren Schoß gebährt
und umfängt?
So verliere ich mich wohl
im tiefen Gewässer …
und finde mich selbst.
Auch,
wenn ich nur stehe und schaue,
badet die Seele schon
in der Erkenntnis
des Nachhausekommens.

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Fette Beute

Da stehen wir
und schauen auf´s Meer.
Die Möwen dümpeln schläfrig
darauf herum.

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Nur eine
schwimmt schnell
und hat ein Etwas im Schnabel.

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Will an den Strand,
und wir erkennen
eine fette Beute,
die an Land verschlungen werden will.

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Geschafft.

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Schnell wird herumgepickt …

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… bis eine Familie mit Hund kommt,
und sogleich muss der Fisch
gerettet werden.

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Also zurück ins Meer …

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Und wieder von vorne …
An Land gebracht.

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Dann kommen Menschen …
Und wieder Rückzug
und Sicherung.

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So geht das lange.
Hin und her …
Das Frühstück verlangt vollen Einsatz.

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