April April …

Wie außen – so innen könnte ich mal wieder sagen.
Einen Tag lang beschert die Sonne uns Blauhimmel und Temperaturen von 20 Grad, dann auf einmal Kälte, richtige Eiseskälte, so dass ich schon überlege, ob es auf dem Fahrrad nicht sogar noch mal der Daunenmantel sein muss, und Wolken, Nieselpiesel, heftigen Wind.

Seit 193 Tagen male ich jeden Tag ein Bild, oder wenigstens eine kleine Skizze. Wer mir auf twitter oder Instagram folgt, hat das mitbekommen.
Also ist das Malen schon längst Gewohnheit geworden.
Frühes Aufstehen, einen Kaffee – manchmal zwei – und das Bild des Tages einstellen.
Doch im Moment habe ich keine Lust.
Quäle ich mich.
Hat mich ein wenig die Muse verlassen.
Wozu das alles … wo es doch Leute gibt – massenweise Menschen, die das viel besser können als ich selbst?
Nur die Disziplin, etwas, das ich glücklicherweise gelernt habe im Leben, lässt mich dranbleiben.
Egal … ich male jetzt dieses Bild … oder wenigstens eine Kritzelei … Schwimmen bin ich auch damals gegangen – egal, ob ich wollte oder nicht – ich hab´s getan.
60 Bahnen vor der Arbeit. 2 bis 3mal die Woche.
Doch das war vor der Depression.
Vor dem Armbruch.
Vor der Arbeitslosigkeit.
Es kostet mich einige Mühe, nicht zu jammern … positiv zu bleiben.
Jetzt scheint die Luft raus zu sein.

Erstaunt bemerke ich, dass diesem Blog immer noch Menschen folgen, dass sogar neue Follower dazukommen.
Warum?
Ich schreibe doch nur sehr sporadisch.
Keki ist stumm.
Ich habe nicht viel zu erzählen.
Ich hätte vielleicht, habe das aber mehr in den Zeichnungen oder den Fotos zum Ausdruck gebracht.
Es wäre jetzt ein guter Schritt, einen neuen Blog mit meinem Namen zu beginnen.
Raus aus der Anonymität und mit professionellerem Outfit.
Nur noch die Illustrationen und die Fotos zu zeigen.
Für den Ostermarkt hatte ich mir noch Visitenkarten machen lassen, die ich ganz schön finde.
Der Markt selbst hat gezeigt, dass die wenigsten Leute Geld für Illustrationen ausgeben wollen.
Die Postkarten sind gut gelaufen – immerhin.
Ich will das nochmal anpassen. Das Format des Marktes sollte wohl doch eher dem eines Kunst-
oder Handwerksmarktes entsprechen.

Kennt ihr das? Wenn da so ein Gedanke aufblitzt und sogleich in einem großen Knäuel in den Gehirnwindungen versinkt? Vielleicht ist die postdepressive Phase eine, die andauert. Vielleicht wird mein Gehirn nie wieder so schnell, so flexibel funktionieren wie früher?
Bleibt das jetzt so?
Dieses Müdesein?
Die Unentschlossenheit?
Dieses Sich-nicht-entscheiden-Können, egal ob es sich um das Frühstück oder um das Lebenskonzept handelt.

Meine Güte … ich eiere durch diese Zeit. Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate … ich werde auch nicht jünger – und weiß noch immer nicht, wo die Reise hingeht.

Es tröstet mich, dass es Vielen so geht … oder Einigen.
Also halte ich mich an den Gewohnheiten fest. Die Sonne geht auf und unter. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Rhythmus ist vorgegeben – mein menschlicher Wille erscheint mir unbedeutend im Großen und Ganzen.
Und dennoch kann niemand außer mir selbst dieses mein Leben leben. Ich muss es selbst tun.

Spiele das Spiel

Es gibt kaum einen (deutschsprachigen) Schriftsteller, den ich so sehr verehre wie Peter Handke.
Seit ich mit seinen ersten Texten in Berührung kam, die mich anfangs sogar abgestoßen haben, nimmt er mich gefangen. Das ist es wohl … seine Sprache fesselt mich, lässt mich aufhören und berührt mich auf eine Art und Weise, die etwas in mir atmen lässt, mich in Freiheit entlässt.

Der Ausstieg aus gängigen Beschreibungen etwa.
Damals in der Oberstufe hatten wir zuerst „Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ von Jakob Wassermann gelesen. Und direkt daran im Anschluss „Kaspar“ von Peter Handke.
Ein Bühnenstück, in dem einem verwahrlosten Wilden Sprache eingetrichtert werden soll, indem sie ständig monoton wiederholt wird.
„Ein Tisch ist ein Tisch“ …
Unsere Klasse spaltete sich in zwei Lager: jene, die diese Lektüre hassten und jene, die sich nach und nach in sie einfühlten, die mit diesem bis dahin experimentell neuen Umgang von Sprache ein bisschen was anfangen konnten.
Ich gehörte zu Letzteren und hatte heftige Diskussionen mit meinen Freundinnen und Klassenkameraden. Bewegt hatte uns die Lektüre irgendwie alle.

Dann kamen die Jahre in denen man „Die linkshändige Frau“ las und anschließend auch den Film ansah, mit dem Handke seine erste Regiearbeit ablieferte.

1987 entstand zusammen mit Wim Wenders das Drehbuch zu „Der Himmel über Berlin“, der bis heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Bruno Ganz und Otto Sander in ihren Glanzrollen. Tief eingeprägt hat sich mir die Filmszene, in der beide als Engel oben auf der Siegessäule sitzen oder auch diese, in der sie die Staatsbibliothek besuchen und die Gedanken der dort sitzenden Menschen hören.
Auch die Szene, in der ein Radfahrer tödlich auf der Czeminski-Brücke verunglückt … und der Engel ist da und gibt ein letztes Geleit und hilft hinüber.
Mein alter Kiez, dort bin ich aufgewachsen, mein Vater hat in der Straße lange Jahre gearbeitet, und viele Jahre später führte mich mein täglicher Arbeitsweg über diese Brücke.
Nie konnte oder kann ich da entlang fahren, ohne an den Film zu denken … an diese Szene, in der der Mann stirbt.

Eine der für mich eindrücklichsten Aussagen des Filmes ist diese:
Als das Kind Kind war.
(Kann sein, dass ich es schon mal verlinkt habe).

Mein Lieblingsgedicht von Handke ist:
 Spiele das Spiel

Ich habe es an meiner Wand hängen. Ich hatte mir extra ein Bild gemalt und das Gedicht eingefügt. Weil ich es liebe. Weil ich täglich darauf schaue und mich darin finde.
„Gehe über die Dörfer …“

Was es genau ist, dass dieser Mann mich so sehr berührt, kann ich gar nicht sagen.
Es muss so eine Art Seelenverwandschaft sein … die Angehörigkeit zur selben Sippe … die Schönheit der Sprache und ihre Scheu davor.
Auch Roger Willemsen hat viele Jahre später mein Herz erreicht.
Doch Handke bleibt da in meinem Schatzkästchen.

Nun ist ein Fimporträt über ihn herausgekommen. Schon am 10. November …

Bin im Wald. kann sein, dass ich mich verspäte
Und ich werde mich sputen, dass ich mir das noch rechtzeitig ansehen kann.

Ein Jahr ist rum

Bella hat unseren Blog-Geburtstag vergessen.
Ich habe sie zwar erinnert, aber sie hat so getan, als hörte sie mich nicht.
Ich steckte im grünen Beutel, verstaut im Wohnzimmerschrank – und da konnte sie natürlich gut sagen, dass meine Stimme viel zu leise war, um an ihr Ohr zu dringen.
Ha ha … sie redet sich immer noch raus.
Ihr zartes inneres Seelenstimmchen hätte nix mit mir zu tun?
Jessas … Mädchen, was hast du gelernt in dem Jahr?

Immerhin kam sie ihren anderen Impulsen nach.
Setzte sich jeden Tag hin und malte ein Bild.
Auch noch nach dem #inktober ging das weiter … so entstanden lustige, zarte kleine Tierbildchen, die in erster Linie eines gemeinsam hatten: Sie machten ihr Freude, bzw. die Anfertigung machte ihr Freude.
Während sich das Familienleben als schwer herausstellte, verhalfen die Mal-Sessions zu kleinen Auszeiten, kurze Meditationen im Alltag, in denen sich trotz der Sorgen das innere Kind rühren und zeigen durfte.

Einerseits machten sich alte, längst überwunden geglaubte Gefühlswelten bemerkbar. Regression und Rück-Erinnerungen hielten Einzug, Fassungslosigkeit und Angst legten sich über die Tage und vor allem über die Nächte.
Viel Schlaf gab es nicht.
Hallo Depression – da bist du ja wieder …
Wieder ein Rückzug. Wieder ein Nach-Geben in die Schwäche, wieder ein Abtauchen und die eigene innere Beschimpfung es nicht besser zu können …
Doch Bella macht auch gerade wieder viel Energiearbeit und vertraut auf einer Ebene ihrer inneren, göttlichen Führung.
An einem dieser Tage, es war der Tag des Supervollmondes, malte sie ihre innere Kriegerin und gestand sich damit ein, nicht scheu und hilflos und ein Opfer zu sein, sondern machtvoll und verbunden mit allem.
Eine Entscheidung.
Ein Ausdruck der Liebe zu sich selbst.
Eine Rückbesinnung in das Vertrauen hinein.
Auch ein Fallenlassen in die Angst und in den tiefsten Schmerz, denn erst das Aufgeben des Widerstandes gegen das Gefühl macht das Gefühl erlebbar … erst die Tränen, die geweint werden müssen, spülen all das hervor, was angesehen und transformiert wird.

Und dann tauchte wieder ein Wunder auf … wieder einmal zeigte sich, dass die richtigen Menschen zum rechten Zeitpunkt auftauchten. Die Dinge formierten sich, es ergaben sich diese bemerkenswerten Zu-Fälle.
Und so steht ein schamanisches Seminar an, über das Bella schon lange nachdachte, und das ihr jetzt sozusagen in den Schoß fiel.
Sterntaler lässt grüßen.
Seht ihr mich lächeln?

Mittlerweile gibt es eine neue Idee – ein neues Projekt, das wir euch in Kürze hier vorstellen werden.

Vorerst werden wir uns nun aber doch alle versammeln und den Blog-Geburtstag nachfeiern.
Der war nämlich schon am 10.11. Und Bella bekam auch eine Benachrichtigung, dass sie ihren 100sten Beitrag verfasst hatte – 100 !!! Wie toll. So viel ist hier entstanden in diesem einen Jahr.

Und dann … *Trommelwirbel an* … wollen wir natürlich auch feiern, wie ihr alle die Bella hier mit euren Likes und Kommentaren unterstützt habt, dass ihr hier mitlest und dabei bleibt.
117 Follower zeigt die Statistik an. WOW.
Jeder/m Einzelnen von euch sei ein Gläschen Sekt eingeschenkt, oder ein Lächeln oder eine Umarmung geschenkt.
Sucht euch was aus.

Ein riesengroßes
D A N K E S C H Ö N.
Ihr seit großartig.

Und nun …  fast alle Gefährten der letzten Tage und Wochen sind gekommen.

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Die Party kann beginnen. Feiert ihr mit?

Parallelwelt

Mein Leben spielt sich im Krankenhaus ab.
Gerade.
Ein geliebter Mensch meiner Familie, von dem ich irgendwie glaubte, nichts könne ihn je umwerfen, ist plötzlich krank.
So aus heiterem Himmel …
Wo er doch vorher nie krank war …
Einmal in 55 Jahren eine heftige Grippe mit Halluzinationen … ansonsten erinnere ich nichts …
Nichts …
Und damit rückt auf einmal das Thema von Stephan, der mich mit einem „Liebsten Award“ nominiert hat (vielen herzlichen Dank dafür), ganz nah an mich heran …

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„Stell dir vor, du wüsstest, dass du im nächsten Moment sterben wirst. Was wären deine letzten Worte an die Welt, was wäre deine Botschaft für die Menschen?“

Die Endlichkeit des Lebens ist uns wohl allen bewusst …
Wir wissen das …Irgendwann werden wir gehen müssen.
Doch ist uns wirklich bewusst, was das für eine Gnade ist, dass wir wirklich hier sein dürfen?

Jetzt, wo mein Vater im Krankenhaus liegt und der Krebs sich in unserer Familie eingenistet hat, registriere ich, wie viel Gnade ich bereits erfahren durfte.
Bislang war er immer da … Meine ganze Kindheit hindurch hat er mich begleitet – und weiter durch die Pubertät bis hinein in mein fortgeschrittenes Erwachsenenalter.
Meine Eltern sind nächstes Jahr 60 Jahre miteinander verheiratet.
Werden sie das noch erleben können? Gemeinsam?
Es ist ein schwieriges Jahr – dieses 2016.
So Viele mussten gehen …
JedeR, die/der jemanden verloren hat, wird wissen, wie schmerzlich das ist.
Ich und meine Familie … wir befinden uns noch im Stadion von Zittern, Bangen und Hoffen …
von Nicht-Wahrhaben-Wollen, Verleugnung, Optimismus und Festhalten … Beten und Glauben.
Alles, was vorher schwierig war, ist auf einmal unwichtig.
Problematisches erscheint vergessen und vergeben …
Die Liebe hat auf einmal alle Kanten ausradiert und milder schraffiert…
Da sind nur die Herzen, die klopfen …
Die Augen, die sich betrachten, Hände, die einander berühren …
Und Gedanken, die man fast spüren kann.
Ich sehe meinen Vater an, und weiß, dass er sich mehr um meine Mutter sorgt, als um sich selbst.
Und ich sehe meine Mutter an, und weiß, dass sie vor Kummer keine Nacht schläft.
Bemerke, wie sie immer schmaler wird, und die Müdigkeit ihr Gesicht zeichnet …

Ich schrieb diese ersten Absätze vor fast zwei Wochen, und daran anschließend kamen dann weitere Belastungen dazu.
Meine Mutter brach zusammen und kam ebenfalls ins Krankenhaus, und ich wanderte eine Woche lang zwischen den Stationen hin und her.
Jetzt ist sie wieder zu Hause, fragil, kaum fähig, sich um sich selbst zu kümmern.
Ich bin in Sorge …
In mir ist eine Ohnmacht, dass diese Situation nicht kontrollierbar ist … wir sie alle nur irgendwie hinnehmen müssen und hoffentlich einigermaßen da durch kommen.

Ich reagiere stark. Auch körperlich … mit Symptomen.
Versuche, Ruhe in die Situation zu bringen, doch erinnere so vieler Dinge aus meiner Kindheit, die plötzlich in einem Maße angetriggert werden, die meinem erwachsenen Handeln nicht zuträglich sind.
Daneben setze ich mich hin und versuche, wann immer es geht, ein kleines Bildchen zu malen.
Schlüpfe in eine Parallelwelt – ähnlich, wie ich das als Kind getan habe.
Doch ich merke, wie ich dort zur Ruhe komme, der Spannungsbogen nachlässt und ich das Malen fast wie eine Meditation empfinde.

Ich verlasse jetzt diesen Schauplatz
und komme zur eigentlichen Frage zurück:
Wie würde es mir selbst gehen, wenn ich gehen müsste? Jetzt …
Mein eingestelltes Bild trifft es wohl ganz gut.
Ich habe noch Träume.
Visionen.
Mein Pa möchte noch eine Reise machen …
Ich auch …
Ich möchte noch viele Reisen machen.
Ich habe den Eindruck, noch nicht genug von der Welt gesehen zu haben.
Ich kann nicht sagen, dass das nun ein erfülltes Leben gewesen wäre.
… Also so in Gänze. Dass es wirklich abgeschlossen wäre. Und ich vollständig in mir ruhend und zufrieden …Da ist noch etwas, immer wieder, was ich wissen will, wo ich weiter möchte.
Was ich lernen mag.
Erkunden, entdecken, neu erfahren, den Blickwinkel weiten.

Mein letzter Satz wäre wohl:
„Ach … schade … Jetzt schon?“

(Ich lese gerade aus Gründen recht wenig in anderen Blogs. Verbringe einen Großteil meiner Zeit mit meiner Familie. Daher werde ich keine 10 weiteren Blogger vorschlagen – wie die Spielregeln es  vorsehen – und bitte um euer Verständnis.)

Zwischenstop

Zwischenstop – ich bin zurück. (Und ich auch – klick)

Ich dachte, ich hätte viel zu berichten nach 7 Wochen Reha.
Doch es ist so, dass ich zurückgekehrt bin und zu tun habe, in dieser wirbeligen Zeitqualität zurecht zu kommen.

Tatsächlich ist noch immer alles offen, scheine ich nicht mehr zu passen in diese alten Strukturen.
Der Empfehlung der Einrichtung habe ich mich widersetzt, kann ich nicht zustimmen.
Ganz schlimm, dass in einem Haus, das sich Psychosomatik auf die Fahnen schreibt, so sehr schulmedizinisch behandelt wird.
Ganz schnell wird man gefragt, ob man eine Tablette haben möchte, oder ein Beruhigungsmittel.
Verweigert man dies, gilt man als „nicht krank genug“ im Sinne der Rentenversicherung.

Mein Leben gleicht einem Faden, der sich stets auf einer Ebene bewegte, dann ein Einschnitt – doch nun mit der Tendenz nach oben. Das ist heilbar, wird gesagt. Also alles gut … zurück zum Alten.
Noch bevor ich das erste Arztgespräch hatte, war schon entschieden, wohin die Reise gehen soll.
Hallo? kann mir jemand hinter meine Stirn gucken? Hab ich schon etwas dazu gesagt?
Und als ich das tat, als ich mein Befinden schilderte, änderte das nichts.
Das Symptom stand im Vordergrund – nicht die letzten 34 Jahre meiner Berufstätigkeit, meiner Bemühung, mich anzupassen, alles zu geben, über meine Kraft hinaus.
Dass dieser Zusammenbruch ein Prozess ist, das wurde nicht gesehen.
Selbst schuld, dass ich vorher nie krankgeschrieben war, dass ich nie diagnostisch auffällig war, dass ich trotz jahrzehntelanger Migräne immer weiter gearbeitet habe.
Auch dass ich weder Psychopharmaka nehme (oder nahm), nicht in der Psychiatrie war und keine Tagesklinik besuchte, gereichte nicht zum Verständnis.
Das Bemühen, sich selbst zu helfen … wie ich das schon immer tue, zahlt sich hier nicht aus – zumindest dann nicht, wenn ein beruflicher Wechsel ansteht und man sich Unterstützung durch den Rentenversicherungsträger wünscht.

Es war nicht alles schlecht.
Ich hatte die Möglichkeit, an der Kunst- und der Tanztherapie teilzunehmen. beides hatte ich mir gewünscht – und beidem wurde entsprochen.
Reden kann ich ja – auch über Dinge hinwegreden – mir ging es ums Fühlen.
Und beide Therapien erwiesen sich als ausgesprochen hilfreich.
In der ersten Stunde Tanztherapie machte die Therapeutin die Musik an, ein Didgeridoo-Stück wurde abgespielt, und ich geriet in so etwas wie eine Trance. Anschließend ertönte Michael Jacksons „Who´s bad“, und ich erlebte einen ekstatischen Ausbruch. Ich spürte all die gehaltene Energie in meinem Körper, die so lange gezügelt worden war, ich musste mich bewegen (das Thema war Stakkato) und heulte dabei Rotz und Wasser. So sehr wollte diese meine Kraft endlich wieder aus mir herausströmen. Ein unglaubliches Erlebnis.
Was die anderen Anwesenden dachten, war mir egal.
Und so war es jedes Mal – ich bekam sofort Zugang zu meinem Inneren. Mir war vorher nicht klar gewesen, wie stark ich auf Musik reagiere, weil ich fast nie Musik höre.

In der Kunsttherapie kam ich immer an einen tiefen Punkt der Freude – mein ganzes Wesen schien sich zu zentrieren, zu be-ruhigen, und ich tat mit meinen Händen, was die Aufgabe war – töpferte, malte, wischte, rieb – eine kreative Reise jedes Mal.

Auch sonst malte ich viel.
Jeden Tag ein Kritzelbild.
Ich nahm mir dafür ca. 30 bis 40 Minuten Zeit, entspannte und fokussierte mich, setzte dann den Fineliner aufs Papier und malte Kritzeleien, ohne einmal den Stift abzusetzen.
Dann schaute ich das an, ergänzte hier und da etwas, fügte Augen ein, malte aus …
Es entstand immer ein Bild meiner jeweiligen Stimmung. Ganz oft war ich erstaunt, was sich da Ausdruck verschafft hatte.
Neben diesen Kritzelbildern malte ich noch anderes.
Ich sammelte Federn, ich ging spazieren.
Ich hatte Kontakt zu zwei Frauen, war aber sonst sehr für mich.
Auch abends.
Nie hatte ich das Bedürfnis nach einem Spieleabend oder ewig-in-der Gruppe-hocken.
Ob ich auf Andere eigenbrötlerisch wirkte, war mir egal. ich war im Reinen mit mir.
Natürlich nahm ich an ein paar Ausflügen teil.
Ich sah ein bisschen was von Thüringen, besuchte Erfurt, Fulda, Bad Hersfeld, Meiningen, Eisenach.

Keki kam kaum zum Einsatz.
Sie lag in der Schublade im grünen Beutel.
Mein Erwachsenen-Ich war präsent und recht zufrieden, und durch die therapeutisch gute Begleitung und meine kreative Gestaltungslust fühlte ich mich öfters im Flow und in Ruhe.

Die gesamten 7 Wochen nahm ich außerdem zweimal die Woche an der Meditation teil, die ein Mann aus dem benachbarten Dharma-Zentrum in Möhra hielt.
Eine große Bereicherung war das.
Bereits vor 25 Jahren hatte ich regelmäßig buddhistische Seminare in Berlin besucht, übte mich in Vipassana und war auch auf einigen Wochenend-Retreats.
Ich weiß nicht, warum ich damals damit aufhörte? Schwangerschaft? Vielleicht?
Jedenfalls konnte ich sofort daran anknüpfen, und die regelmäßige Meditation war mit das beste, was ich aus der Einrichtung mitgenommen habe.
Ich habe das Dharmazentrum dann auch noch besucht und mir angesehen – ganz abgeschieden auf einem Berghang mit wunderschöner Aussicht gelegen. Wer mal eine Auszeit braucht – dort wäre der perfekte Ort dafür.

Der Liebste holte mich dann zum Ende der Reha ab, wir kamen in Berlin an, und hier war es so laut und hektisch, dass wir ganz schnell drei Tage an die Ostsee gefahren sind.
Jetzt ein kurzer Zwischenstop.
Ich versuche, irgendwie die Wäscheberg zu bewältigen … in ein paar Tagen bin ich schon wieder unterwegs.
England.
Ich reise mit 11 anderen Frauen in mehreren Wohnmobilen nach Avalon. Es geht zu verschiedenen Kraftorten – nach Glastonbury (dem Herzchakra der Erde), nach Avebury, zum Bischofsgarten in Wells, an die Küste … zur „Großen Mutter“.

Ich freue mich riesig, kann es aber noch gar nicht glauben.

Wird dies eine Reise meines Lebens sein?
Oder bin ich danach damit durch – mit dem Thema Schamanismus?
Wer weiß?
So Vieles bewegt mich, das ich noch gar nicht in Worte fassen kann.
Wie so viele Menschen in dieser sehr speziellen Zeit fühle ich mich angebunden und gleichzeitig auf mich alleine zurückgeworfen.
Es ist, wie es ist.

Ich grüße euch, winke euch zu, wünsche allen alles Gute
und melde mich erneut, wenn ich zurück bin.

Vielen Dank für eure letzten Kommentare, die ich erst gelesen habe, als ich wieder zurück war.
Es hat mich jeder einzelne Beitrag sehr gefreut.                                                                                     Jetzt kommen noch ein paar Fotos:

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Ein Tag in 140 Zeichen

Ich würde ja gerne meine Twitter-Beiträge hierher verlinken, stelle es aber irgendwie die ganze Zeit verkehrt an, und es will nicht gelingen.
Daher jetzt einfach mal hier so aufgelistet (eine Tages-Achterbahnfahrt):

01.06.16 6:30

Guten Morgen

6:35

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10:25
Der Tag sieht aus, als könnte er schon zu Ende sein.

10:26
Ich sitze einfach nur daneben und guck zu.

10:27
Zeit, die verrinnt.
Sinn-los.
Isso.

10:28
Noch ein Kaffee?
Eine Fotografie?
Ein Leben?

10:30
Stimmung, die sich von hinten anschleicht

10:40

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12:48
In der Badewanne.
Körper und Ohren eintauchen.
In heißes Wasser.
In die Konzertierung des Regens.

13:00
Etwas kommuniziert in mir.
Eine heilige Kommunion.
Das kleine Ich checkt:
alles ist cool.

15:27

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15:29
Gegessen.
Die Haare schön.
Und gleich geh ich in die #atman #ausstellung

22:41
Welche Wendung so ein Tag nehmen kann …

22:44
Fahre mit dem Bus durch Berlin … durch die Straßen meiner Kindheit und denke an meine erste Liebe.
Ich war 8, er 7.

22:50

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22:52

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22:54

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23:00

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23:30

Froh, dass ich die Kurve noch gekriegt hab, heute.

Kritzelkeki

Es gibt Neuigkeiten.

Auf Twitter hat @Stinkstiefel dazu aufgerufen, kleine Bilder („tiny“) zu zeichnen oder anzufertigen (auch mit anderen Materialien), die innerhalb von 60 Sekunden fertig sind und nicht größer sein sollten als das Material, mit dem sie angefertigt wurden.

Unter dem Hashtag #tiny60s sind so kreative, wunderschöne Sachen entstanden.

Ich habe mich beteiligt und Spaß an der Sache bekommen.
Deshalb gibt es Keki nun auch als kleines Miniatur-Gekritzel.

Alle Kritzeleien findet ihr hier.

Tanz – oder das In-Kontakt-treten mit einem Anderen

Es gibt Dinge, die möchte die Bella nicht so ins Internet hinausblasen, die gehen keinen was an, die kann man auch gar nicht erklären – vor allem, sich selbst noch nicht.
Und so tut man gut daran, erst mal im stillen Kämmerlein für sich selbst zu sortieren.
Wobei – so still ist es ja nicht – dafür sorge ich schon.

Wir sind also ziemlich beschäftigt, die Bella und ich.
Gedankenkarussells, erdrutschartige Talfahrten durch Trauerland, heftige Emotionen, längst vergessene Gesterns, die aus dem Nebel auftauchen, wenig Schlaf, Freude, Kummer, Abschottung, Zweifel, plötzliche Euphorie … von Allem etwas.
Welches Schweinderl hättens denn gerne?

Neben all dem Anstrengenden, was diese Zeitqualität so zu bieten hat, hört Bella auch auf mich.
Ich will mich natürlich entspannen, Freude haben, Bella motivieren, es sich gut gehen zu lassen. Und wo geht das am besten?
Richtig: beim Tanzen.

Also geht Bella wieder Salsatanzen, etwas, das sie sehr lange tat und dann einfach eines Tages damit aufhörte.
Nun hat sie wieder begonnen, nach einer langen Pause von fast 5 oder 6 Jahren.

Und es ist wie immer.
Die Musik erklingt und dringt ein … nicht nur in die Ohren … nein – in den ganzen Leib. Wird erfahren, gefühlt, rauscht durch die Synapsen und versetzt gleich mal die Hormone in Wallung, erweckt den Körper. Und die Seele singt schon mit.
Kurz kurz lang ist der Rhythmus, dem sich die Beine anpassen, ganz automatisch, weil sie diese Schrittfolge im Traum noch bewältigen könnten. Einmal gelernt, an Hunderten von Tagen ausgeführt … in Fleisch und Blut übergegangen. Nur die Figuren, die Drehungen, die sind ein wenig verrostet, vergessen, müssen wieder geübt werden.
Und natürlich braucht man beim Salsa einen Partner – einen Mann, der führt.

Bella geht in einen Tanzschuppen, wo sie keinen festen Tanzpartner braucht. Hier gibt es eine Übungseinheit, bei der nach jedem Lied der Partner gewechselt wird.
Das hat für beide Partner – für den Führenden (in der Regel den Mann) und die Geführte (in der Regel die Frau) – große Vorteile, weil man sich nicht so aufeinander einschießt, sondern lernt, sich auf jedes neue Gegenüber einzulassen.
Man begegnet sich … meist nur für einen Song … und entdeckt einander im Space von Rhythmus und Bewegung, Abläufen, Druck oder sanften Berührungen.
Sehr schnell werden Unterschiede, Tanzstile der einzelnen Tanzpartner klar.
Manchmal geht es sehr mühelos miteinander, ein anderes Mal will es nicht gut harmonieren, muss man ein wenig rumprobieren, bis man sich gefunden hat.
Natürlich kommt man sich beim Salsa ziemlich nahe – auch Gerüche spielen eine Rolle und die emotionale Verfassung der Tanzenden.
Als Frau bemerkt Bella relativ schnell, wie entspannt der Mann ist, ob Anfänger oder Fortgeschrittener, erlebt Einfühlsames oder heftiges Herumgezerre.
Das Ego schafft sich eine Bühne.
Manche Männer sind gute Tänzer, können sich aber schlecht auf ihre Tanzpartnerin einlassen. Sie wollen zeigen, was sie draufhaben, wollen ihre 99 Figuren und diverse Tanzbausteine tanzen, ohne groß Rücksicht darauf zu nehmen, ab die Frau in ihrem Arm da gut mitkommt. So kommt es dann leider dazu, dass die Frau mit hechelnder Zunge alle möglichen Verdrehungen und Armverrenkungen über sich ergehen lassen muss, weil sie die Figuren noch nie getanzt hat und plötzlich in Stress kommt.

Sich Führen lassen, ist auch nicht so einfach, werte Herren.
Man(n) denkt, das ist ganz leicht, sie muss ja nur mitgehen.
Nun ja … Menschen sind verschieden – und Frauen auch.
Einige schweben elfengleich auf hochhackigen Schuhen über die Tanzfläche, und Bella fragt sich dann jedes Mal, wie man überhaupt in solchen Schuhen laufen kann, geschweige denn, tanzen. Diese Art Frau tänzelt also vorüber, keine Haarsträhne ist verrutscht, kein einziger Schweißtropfen wird sichtbar, während sie von ihrem Partner über die glatte Tanzfläche gewirbelt wird und scheinbar mühelos all dem folgt, was er an Impulsen vorgibt.
Großartig. Da steht Bella dann und kann nur staunen.
Alleine am Rande zu stehen und zu beobachten, was da im Getümmel so passiert, ist schon interessant, es dann selbst zu erleben, nochmal aufschlussreicher.

Mittlerweile tanzen auch manchmal Frauen miteinander. Nicht nur, dass es sich dabei um gleichgeschlechtliche Paare handelt, oftmals wollen Frauen auch das Führen lernen.
Bevor frau also am Rand steht und nicht aufgefordert wird, lernt sie doch lieber gleich den männlichen Part.
In der Regel führen Frauen anders als Männer. Weicher.
Bella mag das, dieses „weiche“ Geführtwerden.
Der Erste, der das tat, war ihr erster Tanzlehrer O., ein echter Kubaner, bei dem man den Eindruck hatte, dass er einen sanft mit dem kleinen Finger dirigierte. Tatsächlich, so erläuterte er, tanze der Mann aus dem Becken heraus und die Bewegung setze sich nur in den Arm fort.
Leicht gesagt, doch wer diese Rhythmen schon mit der Muttermilch gelernt hat, der hat das wahrscheinlich im Blut.
Mit O. zu tanzen war also jedes Mal eine Wonne. Wenn man diejenige war, mit der er gerade eine neue Figur für den Abend zeigte, dann war wirklich jede der anwesenden Tanzschülerinnen selig.
Und O. zuzusehen alleine war schon Genuss. Völlig unangestrengt bewegte er sich geschmeidig wie ein Panther.

Salsa lässt der Frau nur wenig Spielraum – dass der Mann führt, ist klar. Er dominiert und gibt die Figuren vor. Die locker gehaltenen Hände bleiben meist miteinander verbunden, so dass die Frau immer den Kontakt zum Mann hat.
Sich im Tanz zu begegnen, ist Sprache ohne Worte. Es kann zu einem Dialog kommen, zu einem Spiel, bei dem es nicht darum geht, festgelegte Figuren zu tanzen, sondern ein harmonisches Gemeinsames zu kreieren, den Raum zu öffnen, dem Rhythmus der Musik und dem Gefühl zu folgen. Überhaupt – das Gefühl. Manchmal sind Paare zu beobachten, da sieht man perfekte Technik, doch kein Gefühl will da transportiert werden – da wird keine Geschichte erzählt, kein Faden gesponnen. Da bleibt die Begegnung eine mechanische, in der zwei Körper sich bewegen, der Rest bleibt unbeteiligt.
Dem Anderen die Hand reichen, sich führen lassen, sein SoSein aufzunehmen und zu folgen, sich hineingleiten lassen in eine variierende Woge aus Schritten und Bewegungen in mitunter sehr hoher Geschwindigkeit und dem Vertrauen darauf, dass der Mann die Frau hält und unterstützt, bildet den Rahmen für eine intime Zusammenkunft, die sich mit jedem Menschen anders anfühlt.

Vorgestern tanzte Bella mit einem jungen Mann, der sich anfangs dafür entschuldigte, dass er noch nicht lange dabei sei und etwa erst seit drei Monaten Salsa tanze. Doch dann? Er entpuppte sich als ein deutscher O. Irgendwie hatte er es genau so drauf, diese Mischung aus Führen und Raum geben, gab feine, leichte Impulse, und Bella wusste genau, was er von ihr wollte und konnte gut folgen. Er entschuldigte sich bestimmt noch zwei Male für seine Anfängerfehler, einmal kamen sie auch aus dem Takt, doch Bella verriet ihm, dass er tanzen würde wie ein Kubaner, und dass sie großen Spaß daran hätte, jetzt gerade mit ihm auf der Tanzfläche zu sein, und da freute er sich sehr und über dieses Freuen hinweg versäumten sie den Partnerwechsel und tanzten gleich noch ein Lied zusammen.
Sehr schön.
Danach kam ein Mann, der sehr, sehr gut führen konnte, im Griff und in den Bewegungen aber viel dynamischer, fordernder war, und da war es wieder eine ganz andere Erfahrung …

Salsa ist so viel mehr als ein Tanz.
Salsa ist ein Lebensgefühl – eines, das auch den Europäer erfasst und ihn am Abend ein bisschen glücklicher gemacht hat.

 

 

 

Früüühling

Eines ist schon mal sicher:
Er ist nun nicht mehr aufzuhalten.
Mit jedem Tag gibt es mehr zu entdecken.
Wo gestern noch eine zarte Knospe war, gibt es heute schon eine frische Blüte zu entdecken.
Die Vögel zwitschern jeden Morgen.
Die Nachbarn verlassen ihre Wohnungen mit freundlichen Gesichtern.
Der Park wird voller … die Sonnenscheinjogger kommen zum Vorschein.

Wir sind natürlich bei Wind und Wetter draussen,
weil Bella natürlich auch die Tropfen fotografieren will …

Also dann:
Frohe Ostern euch allen … geruhsame Tage, Freude mit der Familie und ein erfolgreiches Eiersuchen.

Ich habe übrigens einen neuen Hut bekommen. (Wurde auch mal Zeit.)
Den seht ihr hier.

Und gemalt hat Bella auch wieder. Schaut selbst.

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