Nachtrag

Von Marc Aurel:

Die Menschen suchen sich Orte,
an die sie sich zurückziehen können-
auf dem Land,
am Meer,
im Gebirge.
Aber es gibt keinen ruhigeren Ort
als die eigene Seele.

Das mag schon sein.
Doch manche Seele liebt bestimmte Orte besonders.

Meine Seele liebt den Norden.
Hiddensee … Rügen …
Usedom … den Darß …
Sylt.

Und keine kann es vortrefflicher beschreiben als sie:

Mona Harry – Liebesgedicht an den Norden 

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Tanz mit dem Wind

Es ist schwierig mit Bella und mir gerade …

Ich bin zwar dabei,
doch Bella trennt
in Ich und Du …
hat in ihrem Oberstübchen mal wieder die Tür zugeschmissen.
Und denkt …
denkt …
denkt …
Sucht nach einem Ausweg …
aus dem Unangenehmen,
das sogleich,
weil es so unangenehm ist,
in ein Nichtgefühl transformiert wird.
Aha.
So wie immer, ja?
Abspaltung …

Hey hey …
meine Liebe …
Du weißt es doch längst besser …
Die Beurteilung zementiert noch mehr.
Die ständige Überprüfung jeder kleinen Regung …
die Analyse …
Das wissen wir doch nun,
dass du das perfekt beherrscht.
Da geht es doch nicht weiter.
Hier stehen wir …
der Wind schmeisst mich jedes Mal um,
und du runzelst die Stirn,
bist unzufrieden,
und wieder kippe ich nach vorne,
und du lachst,
ruckelst mich erneut in die richtige Position …
Ich kriege Sand auf die Augen,
doch das macht ja nichts.
Stecke mich kopfüber in die Dünen,
wenn es dir Spaß macht.
Hauptsache, es macht dir Spaß.
Freue dich, lache …
spüre den Moment …
Wir sind doch hier …
Das wolltest du doch.
Meer geht nicht.
Atme aus dem Herzen
und lass los …
lass alles mit den Wolken ziehen …
Das brausende Wasser singt für uns …
die Möwen tanzen um uns herum
in der Melodie des Windes …
Wir sind jetzt mitten drin …
Nimm alle Geschenke an.                                                                                                                         Gib mir die Hand und lass uns tanzen.

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Am Meer

Die Füße stehen im Sand,
der Wind rüttelt an mir
und pfeift in den Ohren.
Was ist denn das Meer,
dass es mir so besonders ist?
Was unterscheidet das Meer
vom Wald …
vom Gebirge …
wo ich mich auch aufgehoben
und umfangen fühle?
Wo ich ebenso eintauchen kann.
Oder ist das nicht so?
Tauche ich nur ein …
sinnbildlich und real …
in dieses Wellengekräusel,
welches mich trägt,
wenn ich mich ihm überlasse?
Ist es das rhythmische,
immer wiederkehrende Heranbranden …
der Meeresatem,
der sich mit dem meinen vermischt?
Dieser wogende, lebende
Organismus …
die Urmutter von allem,
deren Schoß gebährt
und umfängt?
So verliere ich mich wohl
im tiefen Gewässer …
und finde mich selbst.
Auch,
wenn ich nur stehe und schaue,
badet die Seele schon
in der Erkenntnis
des Nachhausekommens.

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Über die Traurigkeit (Rilke)

„… Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.

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Ich glaube, dass fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können. Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, – ist schon im Blut.

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Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht.

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Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist: weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht.

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Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, um so tiefer und um so unbeirrter geht das Neue in uns ein, um so besser erwerben wir es, um so mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages «geschieht» (das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt), im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig. Es ist nötig und dahin wird nach und nach unsere Entwicklung gehen -, dass uns nichts Fremdes widerfahre, sondern nur das, was uns seit lange gehört.

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Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, dass das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, dass sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben. … “

aus: Briefe; An Franz Xaver Kappus
Borgeby gård, Flädie, Schweden,
am 12. August 1904

(Alle Fotos entstanden am 07.02.16 am Werbellinsee in der Schorfheide.)

Schwarz – Weiss

Natürlich gibt es auch Fotos von mir.

Ich war ja mit dabei … auf dieser Reise in die Berge.
Die Schwierigkeit, mich fotografisch abzubilden, war in dieser Schneelandschaft noch einmal mehr gegeben.
Oft ist es diffizil, mich vernünftig darzustellen.
Durch meinen schwarzen Pelz bin ich im Gegenlicht sehr schwer zu erkennen. Wenn die Bella mich dann noch vor einem hellen Hintergrund platziert, wird es prekär.
Entweder ich bin scharf und gut zu sehen, oder das Dahinter.
Da ich das Licht schlucke und nicht reflektiere, ist es quasi um so schwieriger, meine Struktur und meinen Ausdruck auszumachen.

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Meist entscheidet sich die Bella für mich, so dass die Kulisse extrem überbelichtet wirkt.
Der Gegensatz von Schwarz zu Weiss erfordert einiges Gefummel und späteres Tüfteln mit dem Fotoprogramm.

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Die Divergenz beider Farben, ihr Ausdruck von Hell und Dunkel ist vergleichbar mit Innen und Außen.

Und so ist auch diese Reise begleitet worden von beiden Aspekten (und allem dazwischen.
denn Weiß ist die Farbe, die alle anderen Farben in sich birgt).

Während sich mit den Freunden ein geselliges Beisammensein im täglichen Urlaubsgeschehen kreierte, zog sich Bella manchmal innerlich zurück. Ein minutenschneller, oftmals nur Sekunden dauernder Abgleich der Überprüfung der inneren Lebendigkeit. Schmerzlich dann, wenn sie feststellte, dass das Gefühl der Leere plötzlich auftauchte, das Gefühl des Alleinseins, des Getrenntseins inmitten des Trubels.
Doch zugleich damit verbunden war auch die Gewissheit, dass es vorbei gehen werde. Geduldig mit sich selbst sein … sich in die Leere sinken lassen … umhüllt vom Kokon, der Schutz bietet.
Während es also „Draußen“ „lärmt“, der eigenen Empfindung Raum geben, so dass die Ungereimtheiten und Missempfindungen im inneren Herdfeuer verbrennen können und sich kreativ in eine Reifung umwandeln können.
Es dauert noch.
Bella spürt, dass der Prozess noch immer wirkt …
Und dass es manchmal mehr, manchmal weniger gut gelingt, damit zu sein – zu zaudern, zu trauern, zu weinen … um Vergangenes … wegen Verletzungen, die stattgefunden haben … und diese anzuerkennen und den Schmerz nicht länger zu verleugnen. Geduld haben … den Selbstheilungskräften vertrauen, auch Kontrollverlust und Verzweiflung in Kauf nehmen … ohne das Wissen, dass am Ende alles gut sein wird.
Genau das ist der Punkt: den Scherbenhaufen sehen und sich ergeben.
Sich dem Schmerz ergeben.
Die Lösung ist wohl, den Kampf aufzugeben.
Die Höhere Weisheit … das göttliche Selbst … die innere Führung … führen in den ungestalteten Raum, in dem alles möglich ist. In dem es Helles und Dunkles gibt … und es keinen Unterschied macht. Alle Schatten sind da … und alles Licht.
Schwarz und Weiss … und alles dazwischen.

Neben diesen Gedanken und Empfindungen hatten wir auch jede Menge Spaß …
Es liegt ja alles so dicht beieinander …

(Mehr Fotos von mir findet ihr in der Spielecke.)

Wen die Seele erkennt …

Vielleicht ist die Überschrift ein wenig hochtrabend, doch tatsächlich ist es so … dass man in Augen blickt und sofort zur Ruhe kommt.

Das kann auch geschehen, wenn es die Augen eines Tieres sind.
Jedenfalls geht es der Bella so.
Wenn die Gedanken wirr sind und keinen Fokus haben, wenn die Fragespirale sich wieder aufschwingt, dann tut es ihr gut, sich draussen in der Natur aufzuhalten.
Sie wird dann sehr ruhig … alles schaltet zurück … die Atmung wird tiefer, der Takt des Herzens verändert sich, wird langsamer, die Nase nimmt Gerüche wahr, die Gedanken setzen sich an den Rand des Bewusstseins und schauen zu.

Stille Einvernehmlichkeit.
Jetzt gibt es nichts mehr zu Wollen. Alles ist gut.

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Alle Fotos entstanden am 17.01.16 im Wildpark Schorfheide.

Winterkind

Immer schon liebte Bella diese französischen Filme, in denen Tische auf der Wiese zusammengestellt wurden und sich die Familie dort traf.
Immer waren diese Familien groß.
Immer wirkte das so herrlich unkonventionell.
Immer wurde gelacht und gestritten … die Atmosphäre war ausgelassen, überdreht, theatralisch, feinsinnig, zurückgenommen … mal so … oder so …
Lichter leuchteten, Gläser klangen, Kinder spielten unter Apfelbäumen … während die Erwachsenen speisten, Rotwein tranken und über Gott und die Welt diskutierten.

Bellas Familie ist klein und ganz anders.
Und eine solche Atmosphäre herrschte höchstens mal alle 10 Jahre …
Und Geschwister gibt es keine.
Auch keine Cousinen … jedenfalls nicht im näheren Umkreis.
Dass es überhaupt welche gab, war ein lang gehütetes Familiengeheimnis, das erst gelüftet wurde, als Bellas Kindheit vorbei war.
2 Mädchen …
Wie schade …
Wie schön hätte das sein können, mit ihnen gemeinsam unter dem Tisch zu sitzen, wenn die Erwachsenen ihre Familienzusammenkünfte abgehalten hätten.

Diese Sehnsucht …

Doch es war nicht so.
Es gab eben dieses Leben … und nur dieses … das so anders war als in jenen Filmen.

Geburtstage wurden nie auf einer Wiese gefeiert …
Diesen Wunsch erfüllte sich Bella erst, als sie eine eigene Tochter hatte, denn diese ist ein Sommerkind … und natürlich … endlich konnte man draußen feiern. Und das gerne und ausgiebigst.
Die eigenen Kinder holen nochmal längst vergessene, biografische Erlebnisse zurück, erinnern an Träume und Wünsche, die man hatte.

Bella selbst ist ein Winterkind.
Da hielt man sich in schlecht belüfteten, überheizten Räumen auf.
Da war es, Ende November immer trübe, grau, verregnet.
Einmal, oder waren es tatsächlich schon zwei Winter (?), hatte es sogar geschneit, doch das waren die Ausnahmen.
Und nie mochte Bella diese Jahreszeit.
Jedenfalls nicht als Erwachsene.
Nicht in der Stadt.
Der Verlust des Lichts ging immer einher mit einer schleichenden Melancholie, die sich auf sie legte.
Wenn sie jetzt darüber nachdenkt, war das wirklich schon immer so …
Natürlich wurde in jenen Jahren, als die Kindheit sich langsam verabschiedete … besonders in der Pubertät … schwermütige Literatur gelesen … die eigene Stimmung verdüsterte sich mit dem herannahenden November … und ein bisschen wurde mit der eigenen Befindlichkeit kokettiert.
Aus ihr heraus entstanden ein paar Gedichte, und Gedanken wurden aufgeschrieben, Tagebücher gefüllt. Songtexte entstanden. Die rechte Zeit für Liebeskummer, Keiner-liebt-mich und allgemeinen Weltschmerz.
Bedrückt schien die Seele schon damals, und natürlich war auch die Sinnfrage schon entscheidend.
Der Schmerz war schon da, von woher war er gekommen, und warum war da niemand, der vorlebte, wie man damit umzugehen hatte?
Fing da schon diese Fühllosigkeit an?
Begann die Bella schon damals, sich dem Dunklen zu verschließen?

Denn irgendwann hörte das Schreiben auf. Auch das Singen (nach vielen Jahren in einem Chor) und das Malen. Irgendwann fing eine Art positives Denken an, das kein Leid und keine Schwere ertrug.

Dem Winter und ihren eigenen Gedanken wollte sie jedenfalls gerne entfliehen.
Ständig fror sie, und sie hasste das Eingesperrtsein in den engen Räumen. Lediglich Weihnachten brachte ein wenig Glanz in diese trübe Zeit.

Erst jetzt geschieht der Wandel.
Nach so vielen Jahren wird sie sich der Qualität dieses Jahresabschnittes bewusst.
Erst jetzt kann sie gut alleine sein, Zeit mit sich verbringen, die Stille wahrnehmen und genießen.
Die Ruhe aushalten.
Die Tiefe zulassen und das Dunkle nicht vertreiben ….

Sehr schön beschrieben in einem ihrer Lieblingsbücher von Zsuzsa Bánk, in „Die hellen Tage“

Nichts gehört uns, außer der Jahreszeit in die wir geboren werden. Und der gehören wir.

Und wie in dem Roman, so erinnert sich die Bella an jene unzähligen Tage, die sie als Kind und junges Mädchen auf der Eisbahn verbrachte, Runde um Runde drehte, über das Eis flog und kaum etwas mehr liebte.

Ich bin so dreist zu behaupten, dass ich ihr sehr dabei helfe, zu erkennen, was das Kind in ihr mochte, und was das Kind in ihr noch heute mag.

Die Naturverbundenheit hat sie ihren Eltern zu verdanken, die gerne wanderten. Mit ihrem Vater unternahm sie in ihrer Kindheit im Winter immer Ausflüge in den Wald. Sie besuchten ein Tiergehege mit Wild, und sie hat unzählige Male in die schönen Augen von Hirschen und Rehen geblickt, und in das der Wildschweine, die sich im Dreck suhlten und vor Wonne grunzten.
Sie fütterte die Eichhörnchen, die manchmal die Nüsse direkt aus der Hand holten.

Und dann taucht die Großmutter auf, mit der sie später im Jahr dann Plätzchen für die Adventszeit buk … Oma in ihrer geblümten Schürze … und der Keksgeruch, der die ganze Wohnung durchzog. Heiße Milch mit Honig an kalten Tagen und bei Schnupfen … und Bratapfel aus dem Ofenrohr … Und manchmal … da in Omas Schlafzimmer übernachten dürfen, der Opa zog dann ins Wohnzimmer um … Eingekuschelt und fast verborgen unterm riesigen Federkissen, während Oma vor ihrem Spiegel saß und ihr langes, graues Haar bürstete.

Doch … da in der Kindheit … da gibt es schöne Erinnerungen an den Winter …

Und die hellen Tage dieses Winters und die dunklen Raunächte waren auch sehr besonders.
JETZT ist die Zeit sehr besonders.

Verwandlung

Wohl kaum ein Tier macht eine größere Verwandlung durch als der Schmetterling.

Diese Umgestaltung eines Körpers, ja seine komplette Auflösung, indem die Raupe sich verpuppt, sich ihre Materie fast auflöst, bzw. die larvalen Organe zerstört werden, um sich in einem Wandlungsprozess neu zu organisieren, Flügel- und Genitalanlagen ausbildet und der Übergang zur Adultform geschieht … um dann … welch Wunder … aus der schützenden Umhüllung auszubrechen und als völlig neues Wesen zu erscheinen.

Die Raupe verdaut sich praktisch selbst … in einem scheinbaren Chaos ereignet sich langsam aber unaufhörlich eine Transformation.
In der Zellzerstörung der Raupe entstehen parallel neue Zellen, nämlich die des späteren Imagos
(fertig ausgebildetes, geschlechtsreifes Insekt nach der letzten Häutung), die schon die Informationen des Schmetterlings enthalten.
Ein schönes Bild: da formt sich die Zukunft, die bereits in der Gegenwart enthalten ist.

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Das Immunsystem der Raupe versucht anfänglich noch, die Imagozellen abzutöten, was anfänglich auch gelingt, da sich diese wie Antikörper darstellen. Doch der Prozess geht unaufhörlich weiter. Die Raupenzellen sterben, und die Imagozellen bündeln sich, verklumpen, bringen immer neue Zellen hervor bis die Umwandlung abgeschlossen ist.
Es gibt ein sehr schönes Buch von Sue Monk Kidd „Schmetterlingszeit“, in dem die Zeit des Wartens … die Zeit, die es braucht, vom Alten zum Neuen zu kommen, sehr persönlich und liebevoll beschrieben wird.
Bella las das Buch vor etwa einem Jahr und fühlte, wie sehr ihre eigenen Themen dort angesprochen wurden.
Von jeher haben sie Schmetterlinge fasziniert …

Und wie der „Zufall“ es so wollte … gibt es gerade jetzt in München eine Schmetterlingsausstellung im Botanischen Garten.
400 frei fliegende, tropische Falter sind dort zu bewundern.
Also keine Frage – Bella musste da hin.

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Besonders schön waren natürlich die blauen Himmelsfalter (Morpho peleides). Insgesamt gibt es 80 verschiedene Morpho-Arten. Sie verdanken ihre blaue Färbung der Schuppenstruktur auf ihren Flügeln, die das Licht brechen. Dies ist nur aus bestimmten Blickwinkeln erkennbar. Hat der Schmetterling die Flügel zusammengefaltet, zeigt sich eine braun-beige Färbung mit Augentupfen, die mögliche Fressfeinde abschrecken soll.

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Wir waren lange in dem Schmetterlingshaus … und haben einfach nur die Form- und Farbgebung dieser schönen Insekten genossen. Der Bella ging das Herz auf.

Und dem Graubezopften setzte sich ein Exemplar auf den Bauch.
Ein guter Platz zum Ausruhen.

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Bella fühlt sich diesen kleinen Wesen sehr nah – liegt sie doch selbst noch in ihrem Kokon und weiß nicht genau, wann und wie sie entschlüpfen wird.
Auch in ihr geschieht so Vieles … vor allem: der Sprung vom Kopf ins Herz … das fällt ihr am schwersten.
Doch sie hat ihr Einverständnis gegeben.
Transformation darf geschehen …

P.S: Schaut mal in Keki´s Best.

Wintersonnenwende und der Beginn der Raunächte

Heute wird Bella ihren ersten Zettel verbrennen.
Seit ein paar Jahren tut sie das.

Die Nacht von heute zu morgen ist die Julnacht – die Nacht der Wintersonnenwende – und damit der Beginn der Raunächte.

Nun kommt das Licht zurück.
Langsam.

Und jede der Raunächte, derer es 12 sind – 6 im alten, 6 im neuen Jahr,
beginnend am 24. Dezember und endend am 5. Januar, stehen jeweils für einen Monat im nächsten Jahr.
Die erst Raunacht – die vom 24.12. auf dem 25.12. steht also für den Januar, die zweite für den Februar, usw.

Die Raunächte sind heidnischen Ursprungs. Sie wurden erst nach und nach zu christlichen Bräuchen umgeformt.
In den meisten Beschreibungen wird schon die Thomasnacht – die Wintersonnenwende beschrieben als der Beginn des magischen Tores, das sich in dieser Zeit öffnet. Bei unseren Vorfahren waren es heilige Nächte, in denen man Zeit mit der Familie verbrachte, das Haus aufräumte und räucherte. Auch wurde viel orakelt – gelost, was das neue Jahr wohl bringen würde, weshalb sie auch die Losnächte genannt wurden.

Es gibt im Internet unzählige Informationen über die Raunächte nachzulesen. Deshalb gehe ich hier nicht weiter darauf ein.

Es ist einfach eine schöne Möglichkeit, sich vom alten Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüßen.

Bella tut das auf folgende Weise:

Sie schreibt also 12 Zettel (13 mit der Nacht des 21.12.) und vermerkt dort, was ihr noch wichtig erscheint, was sie noch abschließen möchte im alten Jahr, und was ihre Wünsche für 2016 sind.
Da steht nun nicht „Ein neues Auto“ auf den Zetteln, sondern eher die Herzenswünsche, die Zweifel, die ausgeräumt werden sollen, wofür sie sich Unterstützung wünscht, wofür es noch ein bisschen Mut braucht, alles, dem sie sich mehr zuwenden möchte und jenes, was noch bereinigt werden will.

Die Zettelchen werden alle einzeln in der jeweiligen Nacht verbrannt.
Sie werden gefaltet oder zusammengerollt – dann brennen sie jedoch schlechter. Daher ist es wichtig, ein möglichst dünnes Papier zu nehmen (Seidenpapier hat sich bewährt).
Man faltet also die Zettel und gibt sie in ein Säckchen oder eine kleine Schachtel
In jeder Nacht (das meint von 24.00 Uhr bis 24.00 Uhr des nächsten Tages) wird also nun ein Zettel genommen (ohne ihn zu lesen) und im Feuer verbrannt. Man übergibt seinen Wunsch den höheren Mächten und sieht zu, dass er vollständig verbrennt.
Am besten nimmt man eine feuerfeste Schale oder Pfanne.
Bella geht hinaus auf den Balkon und benutzt einen alten gusseisernen Wok.

Der letzte Zettel, der Zettel der 12. Raunacht (vom 4. auf den 5. Januar) liegt als letztes in der Schachtel. Es ist dies der Zettel, der entfaltet und gelesen wird. Das ist die Aufgabe, die man selbst zu erfüllen hat im neuen Jahr. Erst dann wird das Papier verbrannt.

(Wenn man schon heute Nacht beginnen will, hat man natürlich 13 Zettel.)

Bella zieht zu jedem Zettelchen zusätzlich noch eine Karte.
Das können Tarot- oder Göttinnenkarten sein … es gibt ja unzählige, schöne Orakelkarten.
Sie wird dies nun jede Nacht ab heute, und dann ab dem 24.12. weiter so handhaben.
1 Karte zusätzlich ziehen, sie fotografieren und das Foto in ihren Jahreskalender 2016 für den jeweiligen Monat einkleben. Dazu noch abschreiben, worauf die Karte hinweisen will.

Im Prinzip geht es nur darum, sich mit sich selbst zu beschäftigen … ein bisschen nachzuforschen, was in diesem Jahr geschehen ist, was gut war, was noch nicht abgeschlossen wurde.
Ein bisschen der Seele zu lauschen … eine ruhige Atmosphäre zu schaffen und sich zu verbinden, mit dem, was einem selbst wichtig ist.

In den Silvesternächten der vergangenen Jahre hat Bella auch die Erfahrung gemacht, wie schön es ist, gemeinsam mit Freunden die eigenen Zettelchen zu verbrennen. Im lauten Getöse des Feuerwerkes die eigenen Wünsche mit aufgehen zu lassen … und dann, wenn es eine gemütliche Runde ist, macht es auch Spaß, in der Gruppe zu sitzen und jede/r zieht eine Orakelkarte für sich und liest sie den anderen vor.

Es ist auch schön, die Wünsche vom letzten Jahr noch einmal nachzulesen und eventuell zu staunen, wenn etwas tatsächlich so gekommen ist, wie man es aufgeschrieben hatte.
Daher kann man seine Wünsche zusätzlich auf ein Blatt Papier schreiben und dieses dann weglegen, um es nach einem Jahr hervorzuholen und nachzuschauen, was so passiert ist in den vergangenen 12 Monaten und ob es eine Entsprechung zu den Wünschen gab.

Auf alle Fälle macht es Spaß.

 

Solltet ihr das auch machen wollen, dann wünsche ich viel Freude.

Und natürlich schon mal ein schönes Weihnachtsfest. Ein neues Bild gibt es in Keki´s Best.

Vögel und Wölfe

(Geschrieben am 18.10.2015)

Wir sind im Bayerischen Wald.
Der Graubezopfte wollte da unbedingt hin, ein paar Tage Urlaub machen, und hat der Bella vorgeschwärmt, wie toll es sei.
Und das ist es wirklich.
Wir sind jeden Tag stundenlang im Wald.
Ich bin ständig dabei. Wie immer geschützt im grünen Beutel in Bellas Rucksack.
Ganz und gar wundersam, wie sich der Wald erholt, wenn der Mensch nicht eingreift.
Im Nationalpark dürfen die alten Bäume umfallen und werden auch liegen gelassen, um Nahrung für alle anderen Pflanzen und Lebewesen zu sein. Der Kreislauf der Natur kommt ins Gleichgewicht, die Vegetation verändert sich. Und seltene Tierarten siedeln sich wieder an.

Die Bella ist verzaubert von diesem bunten Herbstlaub, von den wilden Farnen und den samtig bemoosten Baumstämmen oder Felsbrocken, die hier herumliegen.
Sie hat die Kamera dabei und knipst, was ihr vor die Linse kommt.
Ein Tierfreigehege gibt es, und so viel zu sehen.
Adler, Milane, Uhus und verschiedene Käuze, Auerhühner, eine lustige Otterfamilie, Luchse, die erst abends in der Dämmerung auftauchen, und einen großen Braunbär, der sich genau vor uns platziert und beeindruckend in seiner Größe ist.
Von den Wölfen sehen wir die ersten zwei Tage keine.
Erst am Freitag zur Fütterung tauchen sie aus dem Nebel auf.
Beeindruckend schöne Tiere.
Bella kann sich nicht satt sehen, ist sehr berührt von diesen scheuen Tieren, die ihren Ruf als gefährliches Tier und Bösewicht der Sagen- und Märchenwelt zu verdanken haben.
Die Frage ist wohl – wer gefährdet hier wen?
Der Mensch hat den Wolf fast ausgerottet. In Deutschland galt er Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgestorben.
Wir stehen lange vor dem großen Gehege, und ich kann Bellas Freude gut wahrnehmen.
Wie überhaupt hier im Nationalpark.
Die Gedanken sind wieder zur Ruhe gekommen.
Bella ist beschäftigt mit eindrücklichen Sinnesempfindungen, hat einen anstrengenden Aufstieg auf einen Berg hinter sich gebracht. Auch da war Konzentration auf den Weg nötig. Und Stehenbleiben immer wieder, und Wahrnehmen, wie sich bei jedem Schritt die Temperatur veränderte und mit jedem Höhenmeter mehr gefrorene Äste, Eiskristalle und Schneeverwehungen ins Blickfeld schoben. Verzauberung auch dort oben.

Wir sehen auch am Nachmittag noch einmal Wölfe, als wir zu einer anderen Stelle des Nationalparks fahren.
Auch hier gibt es ein großes Tierfreigehege. Und die Wölfe, die dort leben, sind jünger. Teenager sozusagen.
Wir sehen eine trächtige Wölfin, die schwer zu tragen hat an ihrem Bauch, und sechs übermütige verspielte Jungwölfe, die sich die ganze Zeit balgen und miteinander schmusen.
Wunderbare Momente sind das.
Selten, dass die Bella so im Augenblick verweilen kann. Ganz im Hier und Jetzt sozusagen.

Am letzten Tag im Nationalpark machen wir uns auf den Weg auf den Baumwipfelpfad, und die Bella fotografiert den Wald noch mal von oben.
Auch mich, was nicht so einfach ist, denn den Baumturm hinauf bis ganz nach oben auf die Aussichtsplattform, schaffen wir zwar mühelos, nur hat die Bella Angst, mich ungesichert auf die Brüstung zu stellen.thumb_PA179163_1024
Ein Windzug – und das wär´s gewesen. Wenn ich hier hinunterfalle, verschwinde ich im dichten Dickicht des Waldes, und die Bella ist in Sorge, mich zu verlieren.
Also hält sich mich beim Fotografieren mit einer Hand am Drahtbein fest – und so wird es eben ein Fastganzkörperbild.

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Am nächsten Tag fahren wir zufällig an einem Plakat vorbei, auf dem eine Vogelschau angekündigt wird.
Die Bella will da hin, und so besuchen wir diese.
Sofort in der Halle hört man ein Durcheinander von Geschilpe, Gepiepe und Vogelgesängen.
Beim Näherkommen ist es fast nicht zum Aushalten, weil viele der kleinen Vögel in kleinen Käfigen stecken und aufgeregt hin-und-herflattern.
Gimpel, Zeisige, Kanarienvögel, Wellensittiche, kleine Minipapageien, Sittiche, Zebrafinken, Rußköpfchen, aber auch größere Papageienarten sind dort zu sehen.
Bella und auch der Graubezopfte sind ziemlich erschüttert.
Ein Vogel im Käfig ist fast das Schlimmste, was es gibt.
Bella möchte am liebsten die Käfige öffnen und alle Vögel freilassen.
Wir schauen in jeden Käfig, bestaunen die bunten, teilweise prämierten gefiederten Geschöpfe und müssen danach schnell raus an die frische Luft.
Traurig, dieses Eingesperrtsein.
Und Bella flüstert mir zu. „So wie ich … in mir selbst“.
Ich verstehe sofort, was sie meint.
Bella ist mit Vögeln aufgewachsen. Immer waren es Wellensittiche, die die Familie hatte. Und alle waren sie extrem zahm, lustig und konnten teilweise sprechen.
Und sie durften immer in der Wohnung herumflattern. Einer ist zweimal aus dem Fenster geflogen, und die Bella hat ihn draußen auf der Straße gefunden und ihn mit Hilfe seines kleinen Lieblingsspiegels wieder einfangen können.
Die Liebe zu diesen Tieren begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Deswegen macht es ihr so viel Freude, sie zu beobachten, sie zu filmen, sie zu malen.
Sie solle doch nicht ständig den Vögeln zusehen, sagte neulich mal jemand zu ihr. Sie solle endlich selbst fliegen.
Da war die Bella empört. Warum wohl?
Wahrheit tut manchmal weh.

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