Füße, endlich Füße – oder raus aus der Anonymität

Lange hat es gedauert, aber in den letzten Monaten bin ich wieder mehr und mehr in mich hineingewachsen.

Längst bin ich nicht mehr die Alte – vielmehr ist da wirklich metamorphorisch etwas Neues entstanden, das ich auch bin, und das ich vorher noch nicht war.

Und schon längst habe ich zurück gefunden in meine Art des Ausdrucks (ihr werdet es bemerkt haben), und so konnten wir die Rollen wieder tauschen.

Keki durfte spielen und sich austoben.                                                                                                             Dieses Alter Ego, das mir eine so große Hilfe war.

„Keki“ steht für Kellerkind, das damals auftauchte, als ich in meiner Depression versank und meine Gefühle und meine Sprache verlor.

Wie aus dem Nichts ermöglichte mir die Kreativität, die plötzlich aufploppte, meinen Zugang zum Außen zu behalten … ja vielmehr wirklich einzutauchen in eine sprudelnde Ideenwelt, die mir vorher nicht zugänglich war.

Und so habe ich wieder festen Boden unter den Füßen, und es wird Zeit, auch meiner Keki symbolisch endlich die Füße zuzugestehen, damit das Laufen, Springen und Tanzen noch einfacher und schöner wird.                                                                                                                                                                              

Ich selbst habe mir ein Herz gefasst (weil sie ja ständig auch in mein Ohr flüsterte „Los, mach. Spring endlich…“) und meine neue Website online gestellt.                                                                                      Ewig habe ich das vor mir hergeschoben. Aber nun ist es soweit.                                                                Ich habe beschlossen mich der Welt zu zeigen.                                                                                           Nicht länger auf dem Sofa zu sitzen, sondern meine Arbeiten zu präsentieren und auch zu verkaufen.   Herauszutreten aus der Anonymität und der feinen kuscheligen Nische des Sich-Verstecken-Könnens und mich hinzustellen und der Welt zu zeigen, wer ich bin.

Ich heiße also nicht Bella (wie Keki mich immer nannte), sondern Angela.                                           Angela – gesprochen nicht wie „Angela Merkel“, sondern mit einem weicheren G, so italienisch – wie: Andschela.

Kommt gerne gucken und besucht mich auf:

Angela JelinskiGeschichten mit Tusche und Pinsel

Auch auf der neuen Website werde ich einen Blog einrichten, denn es gibt was über meine Strichmännchen-Leidenschaft zu berichten. Und die ist dort besser aufgehoben als hier.                       Ich werde außerdem über alles schreiben, was mit dem Malen und Zeichnen in Verbindung steht.

Und obwohl jetzt hier eine treue Leserschaft entstanden ist und eine Menge traffic geschieht – so heißt es wohl in Blogsprache, bin ich mir nicht sicher, ob ich hierher zurückkommen werde.           Denn auch, wenn es mal emotionaler wird, dann darf das auch dort sein, denn ich muss das nicht abspalten und hier darüber berichten, während ich auf meinem Kreativblog über anderes schreibe.   Es gehört ja ALLES zu mir.                                                                                                                                      So denke ich jedenfalls heute. Mal sehen, was geschieht.

So, jetzt zeige ich euch die Verwandlung.

Hallo

 

 

Los geht´s

Hurra

 

Ich bedanke mich bei Keki – ich bedanke mich bei mir (oder bei meinem Höheren Selbst) – für jene große Kraft, die mich immer getragen hat.

Danke

Und ich bedanke mich von Herzen bei euch, die ihr hier gelesen und kommentiert und über zwei Jahre lang beständig meinen Blog besucht habt.

Auch jene von euch, die noch neu sind, möchte ich ansprechen. Denn ich habe mich immer gefragt, wie das sein kann, dass da immer noch neue Leser/innen dazu kommen.

Ich habe ja recht wenig geschrieben in den letzten Monaten (jetzt mal abgesehen vom Inktober.).

Es tut mir leid, dass ich nicht öfter auf euren Seiten unterwegs war, aber ich habe viele Stunden mit Malen und Zeichnen verbracht, und ihr wisst ja selbst, wie schnell es geht, dass man beim Lesen irgendwo „hängenbleibt“.

 Seid herzlich eingeladen, meine Website zu besuchen.

 Also, auf Wiedersehen.

 Eure Keki und Angela

 

 

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Besuch

Ich habe die Tür offengelassen,
und prompt stellt sich Besuch ein.
Noch bevor ich ihn höre,
wird es ganz kalt,
und das Herz flattert in der Brust
wie ein aufgeregter Vogel im Käfig.
Die alten Stiegen knarren,
während er hochkommt
zu mir
in dieses Zimmer,
das er komplett ausfüllt.
Er muss sich nicht vorstellen –
ich kenne ihn gut,
und er muss auch gar nichts sagen,
denn ich weiß bereits …
Alles, was gewesen ist
und alles, was sein wird.
Er war schon lange nicht mehr hier,
kein Wunder,
dass er mal schauen will,
was es mit der Leichtigkeit so auf sich hat,
die sich natürlich sofort verkrümelt hat
und alles Weite, Lichte mit sich genommen hat.
So sitzen wir einander im Dunkeln gegenüber,
der Schmerz und ich.
Und als es Tag wird,
geht er langsam wie ein alter Mann die Stufen hinunter
und ich höre das leise Klicken der Tür.

April April …

Wie außen – so innen könnte ich mal wieder sagen.
Einen Tag lang beschert die Sonne uns Blauhimmel und Temperaturen von 20 Grad, dann auf einmal Kälte, richtige Eiseskälte, so dass ich schon überlege, ob es auf dem Fahrrad nicht sogar noch mal der Daunenmantel sein muss, und Wolken, Nieselpiesel, heftigen Wind.

Seit 193 Tagen male ich jeden Tag ein Bild, oder wenigstens eine kleine Skizze. Wer mir auf twitter oder Instagram folgt, hat das mitbekommen.
Also ist das Malen schon längst Gewohnheit geworden.
Frühes Aufstehen, einen Kaffee – manchmal zwei – und das Bild des Tages einstellen.
Doch im Moment habe ich keine Lust.
Quäle ich mich.
Hat mich ein wenig die Muse verlassen.
Wozu das alles … wo es doch Leute gibt – massenweise Menschen, die das viel besser können als ich selbst?
Nur die Disziplin, etwas, das ich glücklicherweise gelernt habe im Leben, lässt mich dranbleiben.
Egal … ich male jetzt dieses Bild … oder wenigstens eine Kritzelei … Schwimmen bin ich auch damals gegangen – egal, ob ich wollte oder nicht – ich hab´s getan.
60 Bahnen vor der Arbeit. 2 bis 3mal die Woche.
Doch das war vor der Depression.
Vor dem Armbruch.
Vor der Arbeitslosigkeit.
Es kostet mich einige Mühe, nicht zu jammern … positiv zu bleiben.
Jetzt scheint die Luft raus zu sein.

Erstaunt bemerke ich, dass diesem Blog immer noch Menschen folgen, dass sogar neue Follower dazukommen.
Warum?
Ich schreibe doch nur sehr sporadisch.
Keki ist stumm.
Ich habe nicht viel zu erzählen.
Ich hätte vielleicht, habe das aber mehr in den Zeichnungen oder den Fotos zum Ausdruck gebracht.
Es wäre jetzt ein guter Schritt, einen neuen Blog mit meinem Namen zu beginnen.
Raus aus der Anonymität und mit professionellerem Outfit.
Nur noch die Illustrationen und die Fotos zu zeigen.
Für den Ostermarkt hatte ich mir noch Visitenkarten machen lassen, die ich ganz schön finde.
Der Markt selbst hat gezeigt, dass die wenigsten Leute Geld für Illustrationen ausgeben wollen.
Die Postkarten sind gut gelaufen – immerhin.
Ich will das nochmal anpassen. Das Format des Marktes sollte wohl doch eher dem eines Kunst-
oder Handwerksmarktes entsprechen.

Kennt ihr das? Wenn da so ein Gedanke aufblitzt und sogleich in einem großen Knäuel in den Gehirnwindungen versinkt? Vielleicht ist die postdepressive Phase eine, die andauert. Vielleicht wird mein Gehirn nie wieder so schnell, so flexibel funktionieren wie früher?
Bleibt das jetzt so?
Dieses Müdesein?
Die Unentschlossenheit?
Dieses Sich-nicht-entscheiden-Können, egal ob es sich um das Frühstück oder um das Lebenskonzept handelt.

Meine Güte … ich eiere durch diese Zeit. Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate … ich werde auch nicht jünger – und weiß noch immer nicht, wo die Reise hingeht.

Es tröstet mich, dass es Vielen so geht … oder Einigen.
Also halte ich mich an den Gewohnheiten fest. Die Sonne geht auf und unter. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Rhythmus ist vorgegeben – mein menschlicher Wille erscheint mir unbedeutend im Großen und Ganzen.
Und dennoch kann niemand außer mir selbst dieses mein Leben leben. Ich muss es selbst tun.

Frischer Wind

Kurz vor fünf.
Die Singdrossel auf dem Haus gegenüber ist die Einzige, die mit mir wach ist.
Ich kann sie nicht sehen, es ist noch stockduster, aber ich weiß, dass sie da sitzt, weil sie jeden Morgen dort ihren Platz einnimmt.

Es ist noch etwas Zeit.
Nach dem Frühstück werde ich wieder ans Meer fahren.
Die Ostsee ist so schnell zu erreichen, und wenn immer es möglich ist, mache ich mich auf den Weg.
Vorletztes Wochenende waren der Liebste und ich schon dort und beschlossen, es möglichst sofort zu wiederholen, sobald die Zeit es zuließe.

Meine Gedanken kommen dort zur Ruhe.
Fast Augenblicklich, wenn meine Füße den Sand berühren und die Seeluft in meine Lungen einströmt, entspanne ich mich und alles fällt von mir ab.

Eine kleine Atempause.
Luft holen und Anlauf nehmen.
Mein Leben hat sich gedreht.
Dass ich meinen Job gekündigt habe, war am Ende etwas, was so leicht ging.
Ziemlich lange hatte ich den Eindruck, das Team in dem ich arbeitete, hätte mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Über die langen Monate der Krankschreibung kam von deren Seite nichts (bis auf eine Kollegin, mit der ich befreundet bin).
Doch dann … zuletzt war ich ganz ruhig und ausgesöhnt.
Ich bin noch hin und habe mich verabschiedet von allen.
Wir hatten ein kleines Nachmittagstreffen. Und es tat gut, so ausgesöhnt zu gehen.
Etwas in mir hatte sich komplett befriedet.
Ich hatte dort ja auch sehr schöne Zeiten, und am Ende flossen auch ein paar Rührungstränchen.

Die große Kiste mit meinen Sachen, die eine Kollegin aus meinem Schreibtisch geräumt hatte, wurde im Kofferraum verstaut.
Ich habe dann alles komplett weggeschmissen. So viele Ordner, Aktennotizen für mich persönlich, Protokolle, Listen, Kopien von Fortbildungen etc. Es brauchte fast 3 Stunden, bis alles in kleine Schnipsel gerissen war und ich es in den Papiermüll geben konnte.
Eine Erleichterung.
Nichts aufgehoben, bis auf ein paar Fotos und eine Tasse, die mir einmal eine Klientin schenkte.
Ein Befreiungsakt.
Adieu, altes Sozialarbeiterleben.
Ich wende mein Gesicht nun der Sonne zu.

Das amtsärztliche Gutachten hat bestätigt, dass ich noch nicht arbeitsfähig bin.
Aufgrund der Schwere der Verletzung meines Armes gilt das für das nächste halbe Jahr.
Auch ist mittlerweile anerkannt, dass ich nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann.
Ich habe Widersprüche stellen, den Rentenversicherer bemühen müssen, schlaflose Nächte verbracht … doch jetzt scheint alles erledigt zu sein.
Die Dinge laufen.
Arbeitslosengeld ist bewilligt.
Ich habe einen Antrag auf Nebenerwerb gestellt.
Bin ganz offen mit allem umgegangen und habe angemeldet, dass ich meine Bilder auf einem Kunstmarkt verkaufen möchte.
Taaadaaa !!!

Was so einfach klingt, war ein wochenlanges Ringen in mir …
Wer kauft das schon? Wer will das schon?
Die alte Leier … kusch … in dein Körbchen …

Natürlich muss ich alles zurückzahlen, was 150,00 Euro übersteigt.
Doch das ist es mir wert.
Ich habe zumindest die Möglichkeit, mich auszuprobieren und mache Erfahrungen.

Vor wenigen Tagen habe ich meine Selbständigkeit beim Finanzamt angemeldet.
Noch ein Riesenschritt.

Ich habe ja nicht vor, ewig vom Arbeitslosengeld zu leben.
Es ist jetzt eine wunderbare Absicherung, die es mir ermöglicht, wirklich zu testen, wie das mit der Freiberuflichkeit läuft.

In zwei Wochen hab ich meinen ersten Stand auf einem Ostermarkt.
Im Sommer hab ich einen auf einem Hafenfest an der Ostsee.
Drum herum wird sich weiteres ergeben.

Ich bin sehr aufgeregt und fleißig.
Male jeden Tag und tue, was ich liebe.

Deshalb ist auch dieser Blog so verwaist.
Ich schreibe wenig, noch weniger lese ich.
(Verzeiht mir also, dass ich euch so selten auf euren Blogs besuche,
ich hoffe, dass sich das wieder ändert.)
Meine ganze Zeit stecke ich in die Illustrationen oder die Federbilder.
Mein Blog darf sich wandeln.
Es wird Zeit, mich zu zeigen, meinen Namen zu verwenden.

Keki ist in mir und lächelt.

Spiele das Spiel

Es gibt kaum einen (deutschsprachigen) Schriftsteller, den ich so sehr verehre wie Peter Handke.
Seit ich mit seinen ersten Texten in Berührung kam, die mich anfangs sogar abgestoßen haben, nimmt er mich gefangen. Das ist es wohl … seine Sprache fesselt mich, lässt mich aufhören und berührt mich auf eine Art und Weise, die etwas in mir atmen lässt, mich in Freiheit entlässt.

Der Ausstieg aus gängigen Beschreibungen etwa.
Damals in der Oberstufe hatten wir zuerst „Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ von Jakob Wassermann gelesen. Und direkt daran im Anschluss „Kaspar“ von Peter Handke.
Ein Bühnenstück, in dem einem verwahrlosten Wilden Sprache eingetrichtert werden soll, indem sie ständig monoton wiederholt wird.
„Ein Tisch ist ein Tisch“ …
Unsere Klasse spaltete sich in zwei Lager: jene, die diese Lektüre hassten und jene, die sich nach und nach in sie einfühlten, die mit diesem bis dahin experimentell neuen Umgang von Sprache ein bisschen was anfangen konnten.
Ich gehörte zu Letzteren und hatte heftige Diskussionen mit meinen Freundinnen und Klassenkameraden. Bewegt hatte uns die Lektüre irgendwie alle.

Dann kamen die Jahre in denen man „Die linkshändige Frau“ las und anschließend auch den Film ansah, mit dem Handke seine erste Regiearbeit ablieferte.

1987 entstand zusammen mit Wim Wenders das Drehbuch zu „Der Himmel über Berlin“, der bis heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Bruno Ganz und Otto Sander in ihren Glanzrollen. Tief eingeprägt hat sich mir die Filmszene, in der beide als Engel oben auf der Siegessäule sitzen oder auch diese, in der sie die Staatsbibliothek besuchen und die Gedanken der dort sitzenden Menschen hören.
Auch die Szene, in der ein Radfahrer tödlich auf der Czeminski-Brücke verunglückt … und der Engel ist da und gibt ein letztes Geleit und hilft hinüber.
Mein alter Kiez, dort bin ich aufgewachsen, mein Vater hat in der Straße lange Jahre gearbeitet, und viele Jahre später führte mich mein täglicher Arbeitsweg über diese Brücke.
Nie konnte oder kann ich da entlang fahren, ohne an den Film zu denken … an diese Szene, in der der Mann stirbt.

Eine der für mich eindrücklichsten Aussagen des Filmes ist diese:
Als das Kind Kind war.
(Kann sein, dass ich es schon mal verlinkt habe).

Mein Lieblingsgedicht von Handke ist:
 Spiele das Spiel

Ich habe es an meiner Wand hängen. Ich hatte mir extra ein Bild gemalt und das Gedicht eingefügt. Weil ich es liebe. Weil ich täglich darauf schaue und mich darin finde.
„Gehe über die Dörfer …“

Was es genau ist, dass dieser Mann mich so sehr berührt, kann ich gar nicht sagen.
Es muss so eine Art Seelenverwandschaft sein … die Angehörigkeit zur selben Sippe … die Schönheit der Sprache und ihre Scheu davor.
Auch Roger Willemsen hat viele Jahre später mein Herz erreicht.
Doch Handke bleibt da in meinem Schatzkästchen.

Nun ist ein Fimporträt über ihn herausgekommen. Schon am 10. November …

Bin im Wald. kann sein, dass ich mich verspäte
Und ich werde mich sputen, dass ich mir das noch rechtzeitig ansehen kann.

Am Anfang war das Meer

Am Anfang war das Meer
und immer
kehre ich zurück
zu ihm.
Schaumgekrönt entsteige ich seinem Flüstern,
matt lasse ich mich von ihm tragen,
bis es mich ans Ufer abgibt.
Ein Meerweib bin ich,
das im Bade sich reinigt, nährt und erneuert.
Die See spült Krusten ab,
welche die Jahre mir anlegten,
sie poliert mich und rundet meine Kanten –
wie Seeglas, welches mit den Jahren
rauchig geschliffen mir manchmal vor die Füße spült.
Die Stürme des Meeres
gleichen denen meines Herzens,
deswegen erkennen wir einander.
Und der Wind rauscht in den Lungen
tost in den Zellen,
die atmen und leben.
Wo hört der Himmel auf?
Hier ist kein Ende in Sicht,
nur der Horizont
trennt in oben und unten,
in hell und dunkel,
blau und türkis,
silber und gold, mauve oder
schwarz, grau und nebelweiß.
Ständig wechselnde Farben,
das Licht spielt mit den Elementen
und bringt auch mich zum Leuchten.
Hier finde ich den Sommerort meiner Seele,
werde ich mir Heimat,
wie nirgendwo sonst.

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Erste Blüten

Was sich als Wahrheit der Seele im Wirken als wirklich erweist,
das zählt am Ende,
und es ist immer ein Hinaustreten aus Gewohntem in ein Wagnis.
So erweist sich die Wahrheit in jedem als Neues und ist doch immer dasselbe.
Da helfen dann weder das Hinterfragen noch irgendein Einwand.
Was aber hilft, ist der Austausch von Erfahrung, die wagend und ernst war.

Bert Hellinger
aus: Finden, was wirkt

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Drachenflug

Die Meere
Sind ganz anders entstanden.
In jener Zeit …
Als die Drachen verschwanden,
War die Menschheit froh
Und atmete auf.
Nur einige Wenige
Blickten beklommen
Auf die verdorrte Erde
Und es war ihnen,
Als sei das Herz ausgezogen.
                                                                                                                   Und ein Sehnen begleitete
Seitdem ihr tägliches Tun.
So legte sich ein Schatten
Auf alles Lebendige.
Die Menschen erfanden Maschinen
und bauten Städte aus Stein …
Wurden in ihnen hart.
Die Tränen der Drachen aber
Fielen des nachts
Herab auf die Erde,
Tränkten
Mondscheinglänzend
Die Ebenen.
Und alles atmete
Silbrige Feuchtigkeit ein …
Im Umkreis wuchsen und gediehen
Neue Pflanzen.
Und eine nach der anderen Nacht
Schwoll das Tränenwasser an,
Floss zusammen
Und bildete große Seen.
Und die Drachen
Weinten noch immer …
Dann,
Als sich aus den Seen
Die großen Ozeane
Gebildet hatten,
Stiegen Träume empor
Und Rufe.
In dieser Nacht
Kamen
Die Drachen zurück.
Umkreisen seitdem
Die Kontinente.
Stolz und ungebrochen
Durchdringen sie
Den größten Panzer …
Der des Menschen
Herz umschließt …
Wenn du sie riefest,
Hörst du ihre Schwingen.
Der Feueratem
meiner Drachin
Vermischt sich
Mit dem Wind
Und dem Nebel,
Wenn wir über die
Meere fliegen.

(K)eine Angst

Bella hat Migräne heute.

Zur Zeit wieder öfter.

Natürlich beutelt es sie. Sie hat Schmerzen.
Und so nimmt sie ein Medikament und geht in die Wanne.
Lässt sich sehr heißes Wasser ein und kippt drei Esslöffel basisches Badesalz mit hinzu.
Das Wasser ist sehr heiss.
Doch es hilft ihr.
Diese Hitze begegnet der Hitze im Kopf … das funktioniert nach dem homöopathischen Prinzip:
Gleiches heilt Gleiches.
Auch sich mit dem Kopf auf eine kochend heiße Wärmflasche zu legen, hilft in der Regel.
Dann sind zwar hinterher leichte Verbrennungen auf der Haut zu sehen (die gehen aber nach ein, zwei Stunden wieder weg), der Schmerz indes wird übertönt … und so unwahrscheinlich es klingt, wenn die Migräne im vollen Gange ist – etwa nachts, und Bella davon wach wird – wenn dann auch die Medikamente nicht mehr helfen, ist die heiße Wärmflasche das Einzige, was diesem Schmerz die höchste Spitze nimmt. Manchmal schläft sie dann auf der heißen Unterlage sogar noch einmal ein.

In der Wanne ist es ähnlich.
Der Nacken schmerzt.
Der ganze Hinterkopf dröhnt.
Also schnell untergetaucht, die Ohren unter Wasser … und erst mal versucht, zu entspannen.
Und da Wasser einfach Bellas Element ist, kommen sehr schnell Gedanken und Gefühle.
Zuerst Gefühle.
Jene, die im normalen Alltag einfach nicht auftauchen.
Im Wasser hat Bella einfach keine Chance.
Irgendwie bahnt sich da das Unterbewusstsein immer seinen Weg.
Und Bella fühlt … und spürt … und weint ein bisschen.

„Keki?“

„Ja, Bella?“

„Ich kann doch eigentlich meiner Migräne dankbar sein.“

„Ach …“

„Ja. Der Gedanke kam mir vorhin. Die Migräne ist doch eigentlich so was wie eine unliebsame Freundin. Sie macht mich darauf aufmerksam, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist. Und so sehr ich versuche, das zu übersehen, es zu übertünchen … es nutzt nix … Letztendlich zeigt mir der Körper doch, dass etwas nicht stimmt.“

„Und was stimmt nicht, Bella?“

„Na ja … ich bemerke, wie sehr ich mich gerade wieder abschotte. Wie ungern ich unter Menschen bin. Vor allem: wie sehr ich mich selbst nicht leiden kann. Ich tue alles, um das nicht zu merken … doch ich beobachte mich ja … ich esse zu viel … ich trinke zu viel … ich konsumiere, um mich nicht spüren zu müssen. Ich will am liebsten weg sein. …
Das ist mir vorhin klar geworden.
Da liegt so ein ungeheurer Selbsthass auf mir.
Ich las diesen Satz: >Liebe den nächsten, wie dich selbst< …
Und ich weiß, es ist so gemeint, dass man sich zuallererst erst mal selbst lieben muss, um dann andere lieben zu können …
Und ich frage mich, wie das geht.
Ich kann mich nicht selbst lieben.
Ich habe mich noch nie selbst geliebt.
Ich sitze hier und heule, weil ich mich so elend fühle …
und ich weiß, ich mache das selbst …“

„Bist du sicher, Bella?“

„Ja. Ich lasse zu, dass ich das noch immer von mir glaube.
Dass ich noch immer denke, ich kann nichts, ich bin nicht gut genug … ich mag diesen Körper nicht … obwohl es doch der einzige ist, den ich habe. Wie will ich das Leben meistern, wenn ich diesen Köper so ablehne? Wie kann das alles gehen, wenn ich mich noch immer nicht akzeptiere – so, wie ich bin … mit all meinen Schwächen … und vor allem: mit all meinen Fähigkeiten?
Diese verleugne ich ständig … es macht mir Angst, sie im Geiste durchzuspielen und mir die Vision zu erlauben, ich könnte meine Fähigkeiten wirklich einsetzen.
… Ich bin noch immer so verdammt darauf ausgerichtet, alles richtig zu machen, dass ich mich total starr verhalte, aus Angst, das Falsche zu tun.
Ich merke selber, wie sehr ich mich damit blockiere. Wie sehr ich dadurch den Stillstand forciere.
Ich merke, wie ich Andere verurteile, mich von ihnen nicht gesehen fühle, weil ich mich selbst nicht akzeptieren kann …“

„Bella … es ist so gut, dass du das aussprechen kannst. Dass du eine Idee davon hast … auch, dass du hier in der Wanne sitzt und weinst, und nicht genau weißt, warum eigentlich …
Aber das ist der erste Schritt: Immer wieder: mit dem Gefühl fängt es an. Lass es einfach zu.
Lass jedes Gefühl zu.
In dem Maße, wo du dir bestimmte Gefühle nicht erlaubst, verlierst du die Lebendigkeit – du sagst es selbst.
Du kannst all deine Schönheit in dir nur erkennen (und in anderen), wenn du auch alle Hässlichkeit in dir akzeptierst … sie ist da. Nimm sie wahr. Du musst sie nicht gutheißen, doch nimm sie wahr … Sie zu leugnen, bedeutet, dich von deinem göttlichen Energiefluss abzuschneiden …
Denke an Yin und Yang … alles ist gleichzeitig da.
Mit der Leugnung der negativen Gefühle kippst du in eine destruktive innere Spaltung.
Alles Destruktive kann sich wandeln, wenn ihm Raum gegeben wird. Erst indem du es wegsperrst und einem Ideal hinterher jagst, das du niemals erreichen kannst, zahlst du den Preis von Schuld, Scham, Selbsthass und Selbstbehinderung.
Lass dich frei …
Wenn du alles annimmst … kann sich alles wandeln.
Du wirst dann einfach fühlen, wie die Selbstverantwortung zurückkommt, wie die Kraft zu dir zurückströmt.
Die Schönheit ist erkennbar in dem Maße, wie die Schatten integriert werden.
Erlaube dir Fehler … denke nicht soviel nach … los … spring …“

„Das sagst du so einfach. Doch ich habe Angst.
Ich hatte früher nie Angst … vor nichts …
Und nun machen mir die kleinsten Entscheidungen, die an mich herangetragen werden Angst.“

„Das ist normal in deiner Situation.
Alles hat sich verändert. Nichts ist, wie du es kennst … die Zukunft liegt noch im Nebel.
Vertraue darauf, dass deine innere Verwurzelung dich hält.
Glaube mir … Ich bin jener vitale Teil in dir, der schon alles weiß …
Es gibt unendliche Möglichkeiten im Universum … folge einfach deiner Lust … deiner Freude …
So lange du glaubst, dass du reifen musst, irgendetwas überwinden musst, wirst du weiterhin in diesem falschen Glaubenssystem festhängen.
Es stimmt nicht.
Wenn du daran glaubst, dass jedwede Veränderung möglich ist … dann ist es so …
Es ist ganz einfach.“