Inktober 2017 („Meergrün“)

Babette und Flann (31)

Als Flann sie ansieht und  den Kopf neigt, da weiß sie auch schon, wie dieser Kuss schmecken wird.

Doch hier blenden wir ab, denn Babette ist ein wenig altmodisch und teilt Intimitäten nicht mit der Öffentlichkeit.

Wer die Story verfolgt hat, dem ist vielleicht aufgefallen, dass Babette eine Schwäche für blau-grüne Farbtöne hat.

Und während Babette jetzt eintaucht in ein besonderes Meergrün, verlassen wir diese Geschichte.

 

Fin

 

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Die Flaschenpost

Bella geht eine Geschichte im Kopf herum, die sie vor kurzem hörte.

Und da ja morgen Valentinstag ist, passt sie ganz gut.

Der Graubezopfte hat einen Freund, der die letzten Jahre in Berlin lebte.
Einfach so vor sich hin lebte … mit Job und Verpflichtungen und Kurzreisen zu seiner Mutter, die woanders wohnt, und Besuche vom Kind und zum Kind hin, das auch woanders seinen Lebensmittelpunkt hat.

So hätte es weitergehen können … alles war einigermaßen eingetaktet.
Bis dem Freund eine Frau über den Weg lief und er sich verliebte.
Da sie nun auch woanders lebte – in Hamburg, um genau zu sein – und er ja die Fahrerei zu Mutter und Kind gewohnt war, pendelte er nun auch in den Norden des Landes, wenn nicht sie zu ihm kam.
So ging das eine Weile hin und her, bis er schließlich letztes Jahr seine Berliner Wohnung untervermietete und ganz zu ihr nach Hamburg zog.

Monate zuvor hatte er sich Gedanken über den Geburtstag seiner Freundin gemacht und kam auf eine höchst ausgefallene Idee.
Er schrieb ihr einen Brief, versah diesen mit ihrem Geburtstag und ihrer Telefonnummer und steckte diesen in eine leere Flasche, die er sodann in ein Berliner Gewässer schmiss.
Ich bin mir unsicher, ob es nun die Spree oder die Havel war, möglicherweise tat er es auch bei einem Hamburg-Besuch, wo die Flasche in der Alster landete …
Er bat den Finder der Flaschenpost, genau am Geburtstag der Freundin diese anzurufen und ihr den Brief vorzulesen.

Tatsächlich wurde die Flasche gefunden.
Monate nach dem Einwurf rief tatsächlich am Geburtstag ein Fremder an und las der Freundin den Brief vor.

Magisch irgendwie …

Bella und der Graubezopfte trafen das Paar kurz nach Weihnachten, als dieses die Geschichte erzählte.

Beide strahlten.
Natürlich.

So kann man auch eine Liebeserklärung machen.

 

Wenn du einen Menschen an deiner Seite hast …

Wenn du einen Menschen an deiner Seite hast, dann hast du das aus gutem Grund.
Du hast gewählt.
Du hast Ja gesagt zu diesem Menschen. Wahrscheinlich hast du dich irgendwann mal in ihn verliebt – und er sich in dich … und dann seid ihr zueinander gewachsen und habt irgendwann entschieden, dass ihr künftig zusammenbleiben wollt.

So könnte es geschehen sein.

Möglicherweise habt ihr kein Versprechen ausgesprochen, geht sogar eure eigenen Wege und kommt nur manchmal zusammen, fühlt euch aber verbunden.

Wenn du also einen Menschen an deiner Seite hast, dann hast du großes Glück, denn dieser Mensch zeigt dir jeden Tag, dass er bleibt, dass er wieder die Wahl getroffen hat … ebenso wie du das tust, Tag um Tag. Einen solchen Menschen bei sich zu haben, zeigt dir, dass er Willens ist, die Höhen und Tiefen eurer Beziehung gemeinsam mit dir zu durchschreiten. Er bleibt, wenn es schwierig wird. Er kann es aushalten, wenn Streit aufkommt oder Zwietracht herrscht. Er hat genug Lebenserfahrung, um zu wissen, dass diese Zustände kommen und gehen, und er weiß um die Spiegelung seiner selbst.
Die Projektionen, die Menschen nur allzu leicht aufeinander werfen, haben ja immer mit ihnen selbst zu tun – ob ihnen das nun bewusst ist oder nicht.
Eine gute Ehe oder eine gute Partnerschaft kann nur führen, wer mit sich selbst gut ist, und wer auch gut mit sich selbst allein leben kann.
Einen Anderen zu brauchen, ist von Liebe so weit entfernt wie die Vorstellung, dass Freiheit in Ketten existieren könnte.

Es ist daher wichtig, dem Anderen zu begegnen, nicht aber ihn zu fesseln.
Manchmal muss auch einer von beiden mal gehen.

So geschehen jetzt zu Weihnachten.

Dieser Heiligabend war ja eine Vollmondnacht – eine Mond-im-Krebs-Nacht, und da muss einiges an Energien unterwegs gewesen sein.

Jedenfalls kam Streit auf in dieser Nacht zwischen Bella und dem Graubezopften. Es zog sich noch in den Morgen des ersten Weihnachtsfeiertages mit hinein, dann waren beide so erschöpft vom Reden und vom Streiten, dass der Graubezopfte den Rückzug antrat und alleine zurück nach München fuhr. Geplant war etwas anderes, doch Beide spürten, dass es so nun richtig war.
Ein Rückzug in die eigene Höhle ermöglicht auch wieder Anbindung und Rückbindung in Einsicht und die eigene Wahrheit.

„Bella?“

„Ja, Keki?“

„Bist du noch sauer?“

„Nein. Überhaupt nicht. Ich war es ja schon nicht mehr, als er zur Tür hinaus war … schon da war der Zorn verraucht. Ich verstehe aber, warum er gehen musste … und dass er gehen musste. Es war in dem Moment die richtige Entscheidung. Ich kenne das. Ich hab es ja auch schon getan.
Interessanterweise werden aber diese Stimmungen immer kürzer … also ich meine – ich bin schon durch. Es war heftig, aber nun ist es auch wieder gut. Vor allem habe ich gesagt, was rumorte …
und nun ist die Luft wieder rein. Es hat sich so viel verändert in den letzten Jahren. Ich sehe sehr deutlich meine eigenen Anteile und auch meine Bedürftigkeiten … und vor allem bin ich ja auch sehr verbunden mit dir, Keki.“
Bella lächelt.

„Ich spüre dich in mir … wie du du dich regst und ich vertraue dir absolut … ich höre dich immer deutlicher … und ich weiß immer häufiger, was du brauchst – und somit auch, was ich brauche.“

Ich strahle.
Wenn das mal nicht das schönste Weihnachtsgeschenk ist.

… Und der Bus nach München ist auch schon gebucht. 😀

Wache Nächte

Drei Tage … drei Nächte.
Und die Unterschiedlichkeit, der Gegensatz zwischen Wach- und Unterbewusstsein.

Während die Bella Berlinbesuch hat und freudig mit ihren Freundinnen in der Stadt unterwegs ist … Weihnachtsmarkt, Essen, Theater, philosophisch am Küchentisch … während die Tage leuchten und die frühlingswarme Luft sich mit Zimt und Glühwein mischt, fächert sich innerlich ein ganz anderes Szenarium auf.

Bella ist in Sorge.
Da wird ein enges Familienmitglied operiert.
Da ist – nicht in Worte fassbar, nicht wirklich mit dem Verstand zu fassen, auf einer ganz anderen Ebene ein Unwohlsein am Wirken.
Und ein Erinnern.
Vor Jahrzehnten ist eine Tante morgens leichten Herzens in ein Krankenhaus gefahren und hat dem Ehemann nur einen Zettel auf dem Küchentisch hinterlassen …. „Ich lass mich operieren … Mach dir keine Sorgen. Essen steht im Kühlschrank“.
Nein … das ist keine Loriot-Dramaturgie … sondern tatsächlich geschehen.
Die Kinder waren sieben und acht – und gerade aufgebrochen zur Schule.
Und die Tante kam nie mehr zurück.
Hat die Narkose nicht überlebt.
Eine von soundsoviel Hunderttausend ….
Alle waren fassungslos.
Die Familie, nahe Angehörige und Bekannte geschockt.
Da ist der Mensch plötzlich weg.
Ein Leben ausgelöscht… mit Ende dreißig.
Und so ganz ohne Abschied.
Das war wohl das Schlimmste damals.
Was hat sie sich bloß dabei gedacht, ihrem Mann nichts zu sagen?
Und Bella, die war damals auch sieben und litt mit den beiden Jungs, die ihre Mama verloren hatten, mit.
Nie wieder würde dieses glockenhelle Lachen der Tante durch die Räume wehen.
Doch es klingt noch manchmal in Bellas Erinnerungen auf.
Sie erinnert sich noch an eine Autofahrt, als sie sehr klein war … vielleicht drei oder vier.
Die Tante saß am Steuer, Bellas Mama auf dem Beifahrersitz.
Bella lag zusammengerollt auf der Rückbank und döste. Es war mitten in der Nacht.
Gesprächsfetzen durchdrangen den Schlaf … und immer wieder dieses helle Lachen und das leise Klirren der Armreifen, die die Tante in jener Nacht trug.

Da ist eine Tür, und du weißt genau … irgendwann öffnet sie sich.
Und heraus kommt der Tod.

Eine Nacht ohne Schlaf ist ja verkraftbar.
Nach einer zweiten, fällt das Denken schon schwer.
Zumindest fehlen plötzlich Worte … alles verschwimmt ein wenig.
Der Körper fühlt sich irgendwie wolkig an … ebenso das Gehirn …
es schwimmt da so im Kopf herum.
Totmüde legt sich die Bella am dritten Abend ins Bett, schafft eine Buchseite, dann klappen die Augen zu, und mit dem leichten Absinken auf die Matratze schießt ein Adrenalinstoß durch die Adern, und Bella ist hellwach. Hallo? Achtung, Achtung.
Wie paralysiert die ganze Nacht in dieser Anspannung verbringen?
Kein Drehen und Wenden, kein Autogenes Training will helfen.

Das Unterbewusstsein kriecht hervor.

Dann gestern endlich dieser Tag.
Tag X.
Und während die OP gerade anläuft, geht Bella kurz vor die Tür, macht draußen ein paar Schritte und fühlt die Tränen die Wangen herablaufen.
So ist das mit der Liebe.
Sie macht weich und verletzbar.
Da sitzt die Angst.
Und endlich löst sich die Anspannung etwas.
Das Halten und Funktionieren der letzten Tage fällt ab.
Der Kummer, die Sorge ist nun ganz körperlich …
Ein paar tiefe Atemzüge … und dann schnell zurück …
Nach 40 Minuten ist es überstanden.
Die OP ist gut verlaufen.

Die Tür hat sich nicht geöffnet.

DANKE.