April April …

Wie außen – so innen könnte ich mal wieder sagen.
Einen Tag lang beschert die Sonne uns Blauhimmel und Temperaturen von 20 Grad, dann auf einmal Kälte, richtige Eiseskälte, so dass ich schon überlege, ob es auf dem Fahrrad nicht sogar noch mal der Daunenmantel sein muss, und Wolken, Nieselpiesel, heftigen Wind.

Seit 193 Tagen male ich jeden Tag ein Bild, oder wenigstens eine kleine Skizze. Wer mir auf twitter oder Instagram folgt, hat das mitbekommen.
Also ist das Malen schon längst Gewohnheit geworden.
Frühes Aufstehen, einen Kaffee – manchmal zwei – und das Bild des Tages einstellen.
Doch im Moment habe ich keine Lust.
Quäle ich mich.
Hat mich ein wenig die Muse verlassen.
Wozu das alles … wo es doch Leute gibt – massenweise Menschen, die das viel besser können als ich selbst?
Nur die Disziplin, etwas, das ich glücklicherweise gelernt habe im Leben, lässt mich dranbleiben.
Egal … ich male jetzt dieses Bild … oder wenigstens eine Kritzelei … Schwimmen bin ich auch damals gegangen – egal, ob ich wollte oder nicht – ich hab´s getan.
60 Bahnen vor der Arbeit. 2 bis 3mal die Woche.
Doch das war vor der Depression.
Vor dem Armbruch.
Vor der Arbeitslosigkeit.
Es kostet mich einige Mühe, nicht zu jammern … positiv zu bleiben.
Jetzt scheint die Luft raus zu sein.

Erstaunt bemerke ich, dass diesem Blog immer noch Menschen folgen, dass sogar neue Follower dazukommen.
Warum?
Ich schreibe doch nur sehr sporadisch.
Keki ist stumm.
Ich habe nicht viel zu erzählen.
Ich hätte vielleicht, habe das aber mehr in den Zeichnungen oder den Fotos zum Ausdruck gebracht.
Es wäre jetzt ein guter Schritt, einen neuen Blog mit meinem Namen zu beginnen.
Raus aus der Anonymität und mit professionellerem Outfit.
Nur noch die Illustrationen und die Fotos zu zeigen.
Für den Ostermarkt hatte ich mir noch Visitenkarten machen lassen, die ich ganz schön finde.
Der Markt selbst hat gezeigt, dass die wenigsten Leute Geld für Illustrationen ausgeben wollen.
Die Postkarten sind gut gelaufen – immerhin.
Ich will das nochmal anpassen. Das Format des Marktes sollte wohl doch eher dem eines Kunst-
oder Handwerksmarktes entsprechen.

Kennt ihr das? Wenn da so ein Gedanke aufblitzt und sogleich in einem großen Knäuel in den Gehirnwindungen versinkt? Vielleicht ist die postdepressive Phase eine, die andauert. Vielleicht wird mein Gehirn nie wieder so schnell, so flexibel funktionieren wie früher?
Bleibt das jetzt so?
Dieses Müdesein?
Die Unentschlossenheit?
Dieses Sich-nicht-entscheiden-Können, egal ob es sich um das Frühstück oder um das Lebenskonzept handelt.

Meine Güte … ich eiere durch diese Zeit. Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate … ich werde auch nicht jünger – und weiß noch immer nicht, wo die Reise hingeht.

Es tröstet mich, dass es Vielen so geht … oder Einigen.
Also halte ich mich an den Gewohnheiten fest. Die Sonne geht auf und unter. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Rhythmus ist vorgegeben – mein menschlicher Wille erscheint mir unbedeutend im Großen und Ganzen.
Und dennoch kann niemand außer mir selbst dieses mein Leben leben. Ich muss es selbst tun.

Frischer Wind

Kurz vor fünf.
Die Singdrossel auf dem Haus gegenüber ist die Einzige, die mit mir wach ist.
Ich kann sie nicht sehen, es ist noch stockduster, aber ich weiß, dass sie da sitzt, weil sie jeden Morgen dort ihren Platz einnimmt.

Es ist noch etwas Zeit.
Nach dem Frühstück werde ich wieder ans Meer fahren.
Die Ostsee ist so schnell zu erreichen, und wenn immer es möglich ist, mache ich mich auf den Weg.
Vorletztes Wochenende waren der Liebste und ich schon dort und beschlossen, es möglichst sofort zu wiederholen, sobald die Zeit es zuließe.

Meine Gedanken kommen dort zur Ruhe.
Fast Augenblicklich, wenn meine Füße den Sand berühren und die Seeluft in meine Lungen einströmt, entspanne ich mich und alles fällt von mir ab.

Eine kleine Atempause.
Luft holen und Anlauf nehmen.
Mein Leben hat sich gedreht.
Dass ich meinen Job gekündigt habe, war am Ende etwas, was so leicht ging.
Ziemlich lange hatte ich den Eindruck, das Team in dem ich arbeitete, hätte mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Über die langen Monate der Krankschreibung kam von deren Seite nichts (bis auf eine Kollegin, mit der ich befreundet bin).
Doch dann … zuletzt war ich ganz ruhig und ausgesöhnt.
Ich bin noch hin und habe mich verabschiedet von allen.
Wir hatten ein kleines Nachmittagstreffen. Und es tat gut, so ausgesöhnt zu gehen.
Etwas in mir hatte sich komplett befriedet.
Ich hatte dort ja auch sehr schöne Zeiten, und am Ende flossen auch ein paar Rührungstränchen.

Die große Kiste mit meinen Sachen, die eine Kollegin aus meinem Schreibtisch geräumt hatte, wurde im Kofferraum verstaut.
Ich habe dann alles komplett weggeschmissen. So viele Ordner, Aktennotizen für mich persönlich, Protokolle, Listen, Kopien von Fortbildungen etc. Es brauchte fast 3 Stunden, bis alles in kleine Schnipsel gerissen war und ich es in den Papiermüll geben konnte.
Eine Erleichterung.
Nichts aufgehoben, bis auf ein paar Fotos und eine Tasse, die mir einmal eine Klientin schenkte.
Ein Befreiungsakt.
Adieu, altes Sozialarbeiterleben.
Ich wende mein Gesicht nun der Sonne zu.

Das amtsärztliche Gutachten hat bestätigt, dass ich noch nicht arbeitsfähig bin.
Aufgrund der Schwere der Verletzung meines Armes gilt das für das nächste halbe Jahr.
Auch ist mittlerweile anerkannt, dass ich nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann.
Ich habe Widersprüche stellen, den Rentenversicherer bemühen müssen, schlaflose Nächte verbracht … doch jetzt scheint alles erledigt zu sein.
Die Dinge laufen.
Arbeitslosengeld ist bewilligt.
Ich habe einen Antrag auf Nebenerwerb gestellt.
Bin ganz offen mit allem umgegangen und habe angemeldet, dass ich meine Bilder auf einem Kunstmarkt verkaufen möchte.
Taaadaaa !!!

Was so einfach klingt, war ein wochenlanges Ringen in mir …
Wer kauft das schon? Wer will das schon?
Die alte Leier … kusch … in dein Körbchen …

Natürlich muss ich alles zurückzahlen, was 150,00 Euro übersteigt.
Doch das ist es mir wert.
Ich habe zumindest die Möglichkeit, mich auszuprobieren und mache Erfahrungen.

Vor wenigen Tagen habe ich meine Selbständigkeit beim Finanzamt angemeldet.
Noch ein Riesenschritt.

Ich habe ja nicht vor, ewig vom Arbeitslosengeld zu leben.
Es ist jetzt eine wunderbare Absicherung, die es mir ermöglicht, wirklich zu testen, wie das mit der Freiberuflichkeit läuft.

In zwei Wochen hab ich meinen ersten Stand auf einem Ostermarkt.
Im Sommer hab ich einen auf einem Hafenfest an der Ostsee.
Drum herum wird sich weiteres ergeben.

Ich bin sehr aufgeregt und fleißig.
Male jeden Tag und tue, was ich liebe.

Deshalb ist auch dieser Blog so verwaist.
Ich schreibe wenig, noch weniger lese ich.
(Verzeiht mir also, dass ich euch so selten auf euren Blogs besuche,
ich hoffe, dass sich das wieder ändert.)
Meine ganze Zeit stecke ich in die Illustrationen oder die Federbilder.
Mein Blog darf sich wandeln.
Es wird Zeit, mich zu zeigen, meinen Namen zu verwenden.

Keki ist in mir und lächelt.

So beginnt 2017

Hallo, ihr Lieben.

Erst einmal Frohes Neues Jahr.
Ich hoffe, ihr seid alle gut reingekommen.

Ich versuche euch mal chronologisch zu schildern, was so alles los war in den letzten Tagen.

Ich bin nach meiner OP erst am 1. Weihnachtsfeiertag entlassen worden.
Die ersten Tage hatte ich Schmerzen ohne Ende. Das war ganz fürchterlich.
Ich versuchte mit der Situation klarzukommen, noch immer fast ständig Schmerzen auszuhalten, nur einen Arm zur Verfügung zu haben, denn 6 Wochen lang muss der Arm in dem Schlingenverband dicht am Körper fixiert bleiben und darf nicht belastet werden.
Der Arm hängt ansonsten so rum und darf nicht mit eigener Muskelkraft bewegt werden.

Also wartete ich auf diesen Stuhl, mit dem ich die Arm-Übungen machen muss. Der Arm wird vom Körper weg angehoben, und man muss täglich den Winkel vergrößern.
So versuchte ich mich zu schonen, überließ den Haushalt den anderen und lag viel rum.

Nach dem Krankenhaus war mir oft schlecht, ich kriegte dreimal Migräne und spürte förmlich, wie mein Körper zu tun hatte, das ganze Gift aus dem Körper zu bekommen.
Die ersten Tage ereilten mich diese Heulflashs … plötzlich … wie aus dem Nichts … und ich war nur noch reiner Kummer.

Alles wurde hochgespült, alles kam und kommt ans Licht … nichts bleibt verborgen … Ich habe keine Filter mehr …

Da war anfangs so eine blanke Verzweiflung, was denn nun aus meinem Leben wird, wenn ich nicht zurück in meine Kreativität komme … Das erste, was die Ärzte testeten nach der OP war, ob noch alle Nerven funktionieren, ob ich Gefühl im Arm habe und alle Finger bewegen kann … Klar … auch in diese Richtung können OPs verlaufen.
 Doch Gott sei Dank funktioniert alles … in 10 bis 12 Monaten wird dann die Titanplatte entfernt – ein erneuter Eingriff, und wieder wird alles heilen müssen.

Ich habe mich für drei Kunstmärkte in 2017 angemeldet, wollte dort ausstellen … und sehe das nun bedroht. 
Ich wollte meine Schneckengeschichte zu Ende bringen und mir einen Verlag suchen …
Diese aufkeimende Hoffnung, endlich das zu tun, was mich mit so viel Freude erfüllt, wurde mächtig erschüttert.
 Ich hatte schon angefangen, Nellie mit links zu zeichnen, doch da ist ein ziemlich krakeliges Würmchen bei herausgekommen …
Vielleicht ist dies genau das Geschenk dieses so heftigen Unfalls: so ABSOLUT zu spüren, was ich unbedingt tun will und den Schmerz zu fühlen, dies gerade und in absehbarer Zeit nicht zu können.
 So ging ich also in meiner Höhle auf Schatzsuche, was sich da so an Gefühlen noch auftat … und werde mich noch mehr abgeben müssen … an die Zeit, um Geduld zu haben, an meine Lieben, um mir wirklich helfen zu lassen (keine leichte Übung für mich ).
Vertrauen darauf, dass alles gut wird …

Mittlerweile bin ich in München und es geht mir besser.
Ich mache meine Übungen, ich war an der frischen Luft – täglich im Park, und einen schönen Neujahrsausflug haben wir gemacht, mein Mann und ich.
An den Isarauen und am Starnberger See war es zauberhaft.
Ein fulminanter Auftakt zu 2017.

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Und heute habe ich das erste Mal wieder etwas gemalt.
Ein bisschen kompliziert, weil ich den Arm nicht belasten darf, ihn auch nicht auf der Tischplatte ablegen kann … doch mein Mann holte mir einen Notenständer … und damit ging es.

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Prima. Mit rechts gezeichnet, mit links ausgemalt.
Alles dauert doppelt so lang wie sonst – doch es handelt sich ja schließlich um eine Schneckengeschichte. 😁
Ich passe also mein Tempo Nellies an.

Und ich bin zuversichtlich.
Alles wird heilen.
Es dauert vielleicht etwas … doch wie meinte mein Freundin H. so treffend:
„Hoffentlich kannst du trotz des Schocks und der Schmerzen daran glauben, dass alles zu deinem Besten geschieht.“
Das tue ich.

Ich habe erst mal kein Bild für euch.

Ihr Lieben, ich bin gerade total geplättet, wie viel Resonanz ich hier kriege für Nellie und ihr Geschichte.

danke euch von herzen.

Jetzt was Ernstes.
noch schlimmer kann´s nicht kommen?
2016 war schon genug?
doch.
doch.
gestern bin ich in meiner wohnung gestürzt. über eine schwelle, die ich schon tausend male überschritten habe.
bin mit dem fuß hängengeblieben und in den flur geflogen. mit dem kopf an die wand geknallt und mit der schulter gegen den türrahmen. und ich wusste sofort -jetzt ist was kaputt. (es ist auch noch der recht arm.)
lalülala … mit feuerwehr ins krankenhaus. geröntgt, ct, splitterbruch am oberarmkopf. mittwoch wird operiert.
halleluja weihnachten … das hatte ich mir anders vorgestellt.
ich bin untröstlich, denn meine schneckengeschichte
kriege ich so nicht fertig.
ein paar tage habe ich vorgemalt … na schaun wir mal.
der taxifahrer, der mich heimbrachte meinte: „na, dann lassen Sie sich mal richtig verwöhnen. sollen doch die anderen mal einkaufen, putzen, kochen, die weihnachtsgans zubereiten. und Sie ruhen sich schön aus.
mir bleibt nichts anderes übrig. 😦

mittlerweile war ich bei der orthopädin, habe die krankenhauseinweisung, die kostenübernahme der Krankenkasse, und habe heute 4 stunden im krankenhaus zugebracht mit aufnahmegsprächen.

der rechte oberarmkopf ist ziemlich gestaucht, gesplittert, ein stück knochen ist ganz abgebrochen, und die kugel sitzt nicht mehr in der gelenkpfanne.

ich tippe dies mit dem Zeigefinger der linken hand.
entschuldigt bitte etwaige fehler.

morgen früh um 8.00 werde ich operiert, kriege eine titan-platte in den arm, und muss dann erst mal alles schonen.

denkt bitte an mich und drückt mir die daumen.

ich poste mein nellie-bild für morgen daher gleich im Anschluss.
zwei weitere sind schon fertig. die zeige ich euch, wenn ich entlassen bin – hoffentlich vor weihnachten.

dann muss ich erst mal abwarten.
ich bin untröstlich, dass ich meine geschichte also wohl nicht mehr im Dezember abschließen kann.
doch sie wird fertig.
nur eben später.
verspochen.

was für zeiten.
in meinen eigenen schmerz mischt sich der Kummer und das entsetzen über die toten und verletzten auf dem Berliner Weihnachtsmarkt.
wie grauenvoll.
ich musste so weinen, als ich heute morgen davon erfuhr.

bleibt gesung.
mögen wir beschützt sein.

auf bald.

eure muschelfinderin

Gelbsehen

5.00 Uhr.
Bella wird wach mit einem komischen Gefühl.
Eine leichte Übelkeit … kaum wahrnehmbar … Also erst mal aufstehen und einen Kaffee kochen.
Als sie ins Internet schaut, wird ihr bewusst, dass da ein Klopfen in der rechten Schläfe ist …das schnell stärker wird.
Ach so … Migräne wieder … und viel zu spät für das Medikament … der Schmerz rollt schon an.
Natürlich nimmt sie die Tablette trotzdem … wenigsten die Spitze des Schmerzes kappen …
Dann lässt sie sich ein Bad ein und gleitet in das sehr heisse Wasser.

ROLLENWECHSEL

Während ich versuche, mich in der Wanne zu entspannen, spült sich ein Gedanke wie Treibgut in meinen Morgen. Ich kann danach greifen … ihn aus dem Wasser ziehen …
Da liegt er … auf meiner Hand … identifizierbar …
Mein Kopf fängt sofort an zu denken. Und mein Therapeutenverstand registriert prompt, was ich da tue … atmen jetzt … atmen … ein Gefühl kommt … Trauer … Scham … Schuldgefühl …
Dieser Gedanke darf doch nicht sein … ich erkenne das Muster … das Gelernte.
Sowas gehört sich doch nicht.
Das tut man doch nicht.
Das geht nicht … damit verletze ich Andere.

Ich weiß genau, ich werde diesem Impuls nicht nachgeben.
Ich nehme in Kauf, mich lieber selbst zu verletzten, indem ich mir versage, worauf ich Lust habe.
Das Treibholz hat sich in einen Kristall verwandelt.
Ich betrachte ihn in meiner Hand und drehe und wende ihn …
Er funkelt mich an.
Ein Schatz.
Vorsichtig lege ich ihn in eine Schale auf den Badewannenrand.

Ich denke darüber nach, was ich gelernt habe, wie ich mit Problemen umgehe, was ich mir für Bewältigungsstrategien angeeignet habe … und wie wenig sinnvoll sie noch zu sein scheinen …

Dies jetzt ist ein wichtiges Geschenk.

Ich merke, was ich tue … Wie meine Muster wirken … aber auch, wie ich sie selbst durchschaue, mich selbst maßregele, noch nicht die Hürde nehme …
Ich liege in der Wanne und blicke auf eine gelbe Lampe, die an der Decke hängt.
Auf den gelben Duschvorhang, der auf die Seite geschoben ist, weil er zum Baden nicht benötigt wird.
Gelb ist eine eigenartige Farbe. Nicht gerade meine Lieblingsfarbe. Warum habe ich sie eigentlich hier im Bad? Und immer so ein sonniges Gefühl, wenn ich den Raum betrete …
Es tut mir gut … gerade, mich mit gelben Dingen zu umgeben … mir gelbe Blumen zu kaufen, was ich sonst nie tue.
Eine virtuelle Freundin, die ich später persönlich kennenlernte, nannte mich immer „Sonnenbella“ … weil ich so viel „Sonne im Herzen“ hätte … daran erinnere ich mich gerade …
Und lächle und bin traurig zugleich.
Gelb scheint irgendwie gerade Sinn zu machen …

Dazu:

Viktor Frankl – Sinn

Und: Gestalten
Ich steige aus der Wanne und trockne mich ab.
Mein Kopf ist auf einmal sehr klar …
und die Migräne wie weggeblasen. (Ein kleines Wunder.)

Ich bereite mir mein Frühstück zu und setze mich an den Tisch mit den gelben Tulpen darauf.

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Tanz mit dem Wind

Es ist schwierig mit Bella und mir gerade …

Ich bin zwar dabei,
doch Bella trennt
in Ich und Du …
hat in ihrem Oberstübchen mal wieder die Tür zugeschmissen.
Und denkt …
denkt …
denkt …
Sucht nach einem Ausweg …
aus dem Unangenehmen,
das sogleich,
weil es so unangenehm ist,
in ein Nichtgefühl transformiert wird.
Aha.
So wie immer, ja?
Abspaltung …

Hey hey …
meine Liebe …
Du weißt es doch längst besser …
Die Beurteilung zementiert noch mehr.
Die ständige Überprüfung jeder kleinen Regung …
die Analyse …
Das wissen wir doch nun,
dass du das perfekt beherrscht.
Da geht es doch nicht weiter.
Hier stehen wir …
der Wind schmeisst mich jedes Mal um,
und du runzelst die Stirn,
bist unzufrieden,
und wieder kippe ich nach vorne,
und du lachst,
ruckelst mich erneut in die richtige Position …
Ich kriege Sand auf die Augen,
doch das macht ja nichts.
Stecke mich kopfüber in die Dünen,
wenn es dir Spaß macht.
Hauptsache, es macht dir Spaß.
Freue dich, lache …
spüre den Moment …
Wir sind doch hier …
Das wolltest du doch.
Meer geht nicht.
Atme aus dem Herzen
und lass los …
lass alles mit den Wolken ziehen …
Das brausende Wasser singt für uns …
die Möwen tanzen um uns herum
in der Melodie des Windes …
Wir sind jetzt mitten drin …
Nimm alle Geschenke an.                                                                                                                         Gib mir die Hand und lass uns tanzen.

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Über die Traurigkeit (Rilke)

„… Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.

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Ich glaube, dass fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können. Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, – ist schon im Blut.

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Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht.

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Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist: weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht.

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Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, um so tiefer und um so unbeirrter geht das Neue in uns ein, um so besser erwerben wir es, um so mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages «geschieht» (das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt), im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig. Es ist nötig und dahin wird nach und nach unsere Entwicklung gehen -, dass uns nichts Fremdes widerfahre, sondern nur das, was uns seit lange gehört.

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Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, dass das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, dass sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben. … “

aus: Briefe; An Franz Xaver Kappus
Borgeby gård, Flädie, Schweden,
am 12. August 1904

(Alle Fotos entstanden am 07.02.16 am Werbellinsee in der Schorfheide.)

Menschen verschwinden … und neue kommen hinzu.

Tag eins nach dem Geburtstag.
Und Tag fünf nach „The Journey“.
Also …
Befindlichkeit schwingt da schon im Hirn und Herzen … morgens um 4.00 Uhr.
Das ist die Zeit, in der Bella die Augen aufschlägt und sich dann eine Stunde lang hin-und-her wälzt.
Um dann einzusehen, dass es eh keinen Sinn macht, liegen zu bleiben.
Dann doch lieber gleich aufstehen.
Der Kopf ist hellwach.
Und bombardiert mit Fragen …
Und Zweifeln.
War ja klar.
Dass dieser Zustand der Beinahe-Erleuchtung nicht lange anhalten würde.
Wär ja auch zu schön gewesen.
Diese Stimme im Kopf, die immer alles hinterfragt,
alles kommentiert,
alles bewertet.
Der Morgen fühlt sich genau so dumpf an, wie er aussieht.
Graue Nebelschwaden nicht nur vor dem Fenster.
Gott sei Dank gibt es schon Frau Ka (=die Therapeutin – ihr erinnert euch?).
Und so radelt die Bella ihren 50 Minuten VT (Verhaltenstherapie) entgegen,
und Frau Ka macht ein bisschen Stuhlarbeit,
die sehr erhellend ist.
Ach so.
Aha.
Wie gut das tut, wenn da jemand ist, der mithilft,
ein bisschen mehr Durchblick zu kriegen.
Indes sich andere Menschen verkrümeln.
Jene, von denen die Bella glaubte, sie seien feste Größen in ihrem Leben.
Waren sie ja mal.
Und sind es nun nicht mehr.
„Depression“ schreckt Viele einfach ab.
Und es ist ja gut, dass diese Abspaltung geschieht.
Dann bleiben eben genau diese übrig, auf die Verlass ist; die, die bleiben wollen; mit denen es leicht ist … und schwingt.
Oder es melden sich welche, von denen man es nicht im geringsten angenommen hätte.
Eine gute Erfahrung.
Es sortiert sich neu.
Scheinbarer Zusammenhalt fließt weg wie schmelzender Schnee.
Es tut weh.
Natürlich.
Doch nur kurz.
Dann ist es vorbei.
Und dann weiß das Herz schon wieder, dass alles gut ist.
Und dann hört die Bella mich, wie ich ihr zuraune, dass Liebe wirklich überall ist.
In ihr.
Um sie herum.

Wisse:
Zuerst kommt der Schmerz und dann die Kraft.
Zuerst bricht das Herz und dann erhebt es sich.
Marianne Williamson

Reise zu den tiefsten Emotionen

Was genau geschieht, wenn Gefühle und Emotionen auftauchen?

Und wie kommt es, dass manche Menschen nur bestimmte Gefühle oder Emotionen spüren?
Oder sagen wir mal: zulassen. Denn spüren tuen sie sie alle … zumindest das Unterbewusstsein nimmt alle wahr.

Es wird jedoch oftmals eine Wahl getroffen, welche Emotionen angemessen erscheinen, und nur diese werden als akzeptabel gehalten und dürfen sich zeigen.
So gibt es Menschen, die entweder sehr tief fühlen, oder solche, die eher im mittleren Feld bleiben und sehr leidenschaftliche Gefühle „wegdrücken“.

Dies geschieht nicht immer willentlich, sondern ist vielmehr ein Prozess, den man sich im Laufe des Lebens angewöhnt hat. Ein Muster sozusagen. Und aus gutem Grund.

Weil es fast immer eine Schutzfunktion hatte, Bestimmtes nicht immer wieder neu erleben zu müssen.
So hat der Mensch eine Art eigenen Kompass, der den Hafen der innerlichen Sicherheit ansteuert. Was ist sicher? Was verunsichert? Was wird vermieden?
Oftmals ist dem Mensch das gar nicht bewusst, was er da tut – sehr wohl aber seinem Unterbewusstsein. Und das arbeitet Tag und Nacht.
Und so kommt es, dass irgendwann, wenn lange unterdrückt und abgespalten oder kompensiert wurde (zum Beispiel durch ständiges Arbeiten, Stichpunkt: workaholic), sich plötzlich das Unterbewusstsein in Form einer Depression meldet, oder, wenn zuviel gearbeitet wurde: im Ausgebranntsein / Burnout. Auch können Ängste oder ein diffuses Unwohlsein auftreten oder Krankheiten auf der Körperebene.

Vieles liegt im Dunkeln.

Vieles liegt im Dunkeln.

Nun gibt es ja unterschiedlichste Methoden, die daran ansetzen, diese abgespaltenen Gefühle wieder erlebbar zu machen.
Eine davon ist The Journey, entwickelt von der Bestsellerautorin und Seminarleiterin Brandon Bays, die nach einer diagnostizierten Krebserkrankung diese Methode für sich entwickelte, anwandte und innerhalb von sechseinhalb Wochen ihren Tumor ausheilte.

Wie es der Zu-Fall so wollte, stieß Bella im August auf die Internetseite von The Journey. Und so erfuhr sie auch von dem Seminar am Chiemsee mit Bettina Hallifax, von dem wir gerade Sonntagabend zurückgekehrt sind..

„Keki. Ich übernehme hier mal.
Lass mich berichten, wie ich es empfunden habe, an dieser besonderen Reise teilzunehmen – einer Reise ganz zu mir selbst. Zu jenen tiefen, dunklen Orten meiner Seele, wo Menschen und Situationen darauf warteten, von mir entdeckt und ins Licht geholt zu werden.
Tatsächlich habe ich es so erlebt.
Ich hing wie eine überreife, pralle Pflaume am Baum, die nur auf diesen Moment gewartet hatte und fiel in dieses vergangene Wochenende mit Menschen, die diesen Prozess begleiteten und selbst an ihm teilnahmen.

Was für eine Erfahrung.
Tiefgreifend, unendlich berührend und zutiefst heilsam war jeder dieser Prozesse, die ich da mitmachen durfte.

In jeder begleiteten Reise begegnete ich Menschen aus meiner Vergangenheit in für mich schwierigen, bislang umaufgelösten Situationen.

Im Journey-Prozess kommt man dabei tief an die daran gekoppelten Emotionen heran, durchläuft sie und macht die Erfahrung, dass sie sich auflösen und durch andere, neue Emotionen ersetzt werden. So steigen nacheinander verschiedene Emotionen auf – so lange, bis sich ein friedvoller, stiller Raum öffnet und man in tiefe Ruhe und Frieden einsinkt. So jedenfalls habe ich es erlebt.

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Langsam kommt da Licht ins Dunkle.

Die für mich wertvollste Erfahrung dabei war, zu erleben, dass die Emotion selbst viel weniger schlimm war, als die Angst davor, sie fühlen zu müssen. Denn unser Geist bewertet ja und urteilt über alles, was wir erlebt haben. Wunderbarerweise befindet man sich zwar im Wachzustand, erlebt aber auf einer tieferen inneren Ebene … ich mag das nicht weiter beschreiben, weil diese Erfahrungen wohl jedeR selbst machen muss.

Jedenfalls ist mir klar, dass das ein Anfang war.                                                                                 Bestimmt werden Situationen auftauchen, wo ich wieder mit Vermeidung reagieren will/werde.
Hier gilt es einfach, achtsam zu sein und zu üben.
Vertrauen zu üben.
Üben, zu vertrauen.
Doch etwas in mir durfte an diesem Wochenende in der Quelle baden.
Etwas in mir hat die Wahrheit gesehen.
Meine eigene Wahrheit, die wie ein Silberfaden am Horizont auftauchte.
Diesem Neuen, was ich da erleben durfte, kann ich mich nun einfach öffnen.
Das ist spannend.
Ein neuer Weg.

Jedenfalls bin ich voller Dankbarkeit.
Ein großes Danke an Bettina für ihre wunderbare, liebevolle, warme und präsente Art, die dieses Seminar zu einem großen Türöffner (für mich) gemacht hat.

Und auch das Seminarhotel Jonathan soll nicht unerwähnt bleiben.
Das Haus bietet ein umfangreiches Programm, liegt in wunderschöner Landschaft unweit des Chiemsees und verwöhnte uns drei Tage lang mit einem wirklich phantastischem, vegetarischem Buffet (auch für die Veganer war etwas dabei), einem sehr netten Team und einem tollen Service.
Sogar die Betten wurden gemacht.

Wir hatten ein schönes Zimmer, Keki und ich … sogar mit Balkon.

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Wir kommen gerne wieder.“

Annehmen, was ist

(Geschrieben am 01.08.2015)
Der Mensch, bei dem ich gerade lebe (eigentlich muss es heissen: in dem ich gerade lebe), heißt Bella.
Eigentlich hat sie einen anderen Namen … und sie runzelt auch die Stirn, wenn ich ich sie weiterhin so anspreche, wie es mir beliebt. Doch irgendwann wird sie einsehen, dass ich Recht habe.

Dass die Bella ein schöner Mensch ist, hab ich von Anfang an gewusst, schließlich hab ich mir sie ja ausgesucht.
Ich war Zeuge ihrer Sorgen und Nöte, ihrer Glückseeligkeit und ihrer guten und weniger guten Tage.
Ich kann wohl mit Verlaub behaupten, dass ich die Bella recht gut kenne.
Sie hinkt da ein bisschen hinterher … und kriegt erst jetzt wirklich eine Ahnung davon, wer ich bin.
Dennoch haben wir uns nun eine Art Zwiesprache angewöhnt.

So ein Menschenleben unterscheidet sich nicht wesentlich von dem eines Tieres. Auch der Mensch ist ein Säugetier – wird geboren und stirbt irgendwann. Die Unterscheidung zwischen Tier und Mensch liegt einzig und allein auf der Bewusstseinsebene. Der Mensch hat ein Bewusstsein über seine Existenz. Er kann erforschen, warum und wie er etwas denkt, reflektieren und entsprechend handeln. Oder es lassen.
Alles, was passiert im Leben eines Menschen wird gespeichert, kommt in den Topf der Erinnerung. Alles, was nicht so wichtig war, wird aussortiert. Manches Unangenehme wird auch „vergessen“ – abgespalten, dissoziiert, so dass der Mensch sich nicht länger damit quälen muss. Das ist auch ein Unterschied zu anderen Säuretieren. Die schütteln eine Bedrohung, die sie überlebt haben, ab. Der Mensch speichert es im Unbewussten, wo es für den Verstand nicht mehr zugänglich ist. Doch der Körper vergisst nicht. Manchmal zeigt er mit einer Krankheit, dass es da noch etwas gibt, was nicht integriert wurde. Manchmal geschieht etwas im Außen, das den Menschen so sehr aufwühlt und ihn daran erinnert, dass es in seinem Inneren noch ein Thema gibt – eine unvollständige Gestalt, die noch nicht geschlossen ist.
Nun kann man sich dieser Gestalt annehmen, oder nicht.
Wenn man es nicht tut, wird sich zu einem anderen Zeitpunkt erneut die Gelegenheit dazu bieten.

Die Bella hatte einige Gelegenheiten. Und in letzter Zeit häuften sie sich.

Ich bemerkte eine große Veränderung.
Sie wurde unwirsch.
Sie regte sich über Dinge auf.
Sie stritt sich mit dem Graubezopften (das ist der Mann an ihrer Seite).
Sie hörte auf zu lachen.
Sie wälzte sich nachts im Bett, schlief schlecht und wurde immer früher wach.
Und wenn sie das Haus verließ, dann nur noch, um zu arbeiten.
Und die Arbeit machte ihr keine Freude mehr.
Sie redete sich das schön, doch die Freude war nicht spürbar.
Sie ging weniger aus.
Und häufig ging sie nicht ans Telefon, wenn es klingelte.
Und leider kamen auch immer weniger Besucher.

Kurz: sie hatte sich verändert.
Irgendwie war sie gar nicht mehr richtig da. Zwar körperlich anwesend, aber emotional völlig abwesend.
Die Zeiten, in denen sie sich „erholen“ musste, wurden immer länger und mehrten sich.
Jetzt … zur Zeit … ist sie erst mal jeden Tag zu Hause …

„Keki?
Sprichst du über mich?“

„Ja. Ich versuche zu beschreiben, wie es dir gerade geht – bzw., was ich wahrnehme. Doch wahrscheinlich sprichst du lieber selbst?“

Bella zieht die Stirn in Falten.
„Das ist schwierig.
Ich kann nicht wirklich sagen, wie es mir gerade geht. Da ist so eine Leere in mir. Und so eine Emotionslosigkeit … eine Art allumfassendes Nichtwissen. Ich versuche irgendwie meinen Tag zu strukturieren – du siehst das ja – doch es fällt mir schwer. Ich kann mich zu nichts aufraffen, fühle mich ziemlich paralysiert … selbst mich zu waschen und Einkäufe zu erledigen, fällt mir schwer.
Ich bin rausgefallen aus den Routinen, die meinem Leben normalerweise ein Gerüst geben … Okay … mein Biorhythmus ist der gleiche geblieben … ich werde nach wie vor sehr früh wach … doch es kommt ja nun nicht mehr drauf an … Der Tag liegt vor mir… und ich weiß nichts mit ihm anzufangen.
Da ist noch immer dieser Druck, dieses Gefühl, oder sagen wir mal – die innere Stimme, die mich antreibt, etwas >Sinnvolles< zu tun, doch ich kann für mich gerade nicht so recht bestimmen, was „sinnvoll“ meint.“

„Das ist völlig okay. Alles ist neu für dich. Du musst dich erst daran gewöhnen. Du weißt ja gar nicht mehr, wie sich Freiheit anfühlt.
Weißt du, was ich meine? Die Freiheit, wirklich allein entscheiden zu können, was dir gut tut, und danach handeln zu können.
Den Bedürfnissen nachzukommen, die deine Seele hat … endlich … jetzt … ihr zuzuhören. So lange hast du sie überhört.“

„Meine Seele? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich verstehe. Ja … irgendwie schon, doch ich bin noch auf der Stufe davor … ich bin noch mit Scham und Schuld beschäftigt … höre noch immer diese Stimme, die mir zuraunt, was das eigentlich alles soll, und dass ich mich doch nicht so anstellen möge und schließlich auch nichts Besonderes sei … schließlich machen doch alle ihren Job, und warum nun ausgerechnet mir das so gehen muss, dass ich so wenig belastbar bin …“

„Bella, ich seh das so, dass jetzt eben der Zeitpunkt für dich da  ist, an dem es gilt zu erkennen, wie wenig du auf dich geachtet hast. Dieser Zeitpunkt ist für keinen Menschen der gleiche. Akzeptiere einfach, dass das Leben dir hiermit eine große Chance gibt. Tief in dir weißt du, dass jetzt der Zeitpunkt genau der richtige ist. Jetzt – wo nichts mehr geht – ist die einzige Möglichkeit zur inneren Einkehr gegeben – das weißt du selbst.
Es gibt Menschen, die merken schnell, wenn etwas nicht passt, die reagieren sofort auf ihre Unzufriedenheiten und schaffen die nötige Veränderung und Anpassung an ihre Bedürfnisse. Und dann gibt es Menschen, die versuchen immer ihr Bestes zu geben und überhören dabei die Stimme ihres Herzens. Die sind so sehr darauf bedacht, es allen Recht zu machen, dass sie sich selbst hinten anstellen. Nun … zu welcher Gruppe gehörst du?“

„Ach, Keki … woher weißt du das alles?“

„Nun ja, ich bin ein Teil von dir. Jener Teil, der im Höheren Selbst verankert ist.
Auch, wenn die Menschen alle individuell verschieden sind, so wollen die wenigsten von euch unangenehme Gefühle erleben. Fast jeder von euch neigt dazu, irgendwo eine „Schuld“ zu suchen. Doch es ist nur ein Ausweichen. Es geht darum, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen. Du kannst dich jederzeit entscheiden, ob du sie annimmst oder nicht. Wenn diese vermeintlich „schlechten, unangenehmen“ Gefühle jetzt da sind, dann soll das so sein. Es ist eine Gelegenheit mehr.
Das Leben gibt dir dadurch die Möglichkeit einer Neujustierung. Vertrau einfach. Es ist für alles gesorgt.“

Bella schaut nachdenklich. „Ja. das erinnert mich an Bert Hellinger. An diesen Ausspruch: >Annehmen, was ist. Dann wirkt alles!<“

„So ist es. Gute Nacht, Bella.“

„Gute Nacht, Keki.“