April April …

Wie außen – so innen könnte ich mal wieder sagen.
Einen Tag lang beschert die Sonne uns Blauhimmel und Temperaturen von 20 Grad, dann auf einmal Kälte, richtige Eiseskälte, so dass ich schon überlege, ob es auf dem Fahrrad nicht sogar noch mal der Daunenmantel sein muss, und Wolken, Nieselpiesel, heftigen Wind.

Seit 193 Tagen male ich jeden Tag ein Bild, oder wenigstens eine kleine Skizze. Wer mir auf twitter oder Instagram folgt, hat das mitbekommen.
Also ist das Malen schon längst Gewohnheit geworden.
Frühes Aufstehen, einen Kaffee – manchmal zwei – und das Bild des Tages einstellen.
Doch im Moment habe ich keine Lust.
Quäle ich mich.
Hat mich ein wenig die Muse verlassen.
Wozu das alles … wo es doch Leute gibt – massenweise Menschen, die das viel besser können als ich selbst?
Nur die Disziplin, etwas, das ich glücklicherweise gelernt habe im Leben, lässt mich dranbleiben.
Egal … ich male jetzt dieses Bild … oder wenigstens eine Kritzelei … Schwimmen bin ich auch damals gegangen – egal, ob ich wollte oder nicht – ich hab´s getan.
60 Bahnen vor der Arbeit. 2 bis 3mal die Woche.
Doch das war vor der Depression.
Vor dem Armbruch.
Vor der Arbeitslosigkeit.
Es kostet mich einige Mühe, nicht zu jammern … positiv zu bleiben.
Jetzt scheint die Luft raus zu sein.

Erstaunt bemerke ich, dass diesem Blog immer noch Menschen folgen, dass sogar neue Follower dazukommen.
Warum?
Ich schreibe doch nur sehr sporadisch.
Keki ist stumm.
Ich habe nicht viel zu erzählen.
Ich hätte vielleicht, habe das aber mehr in den Zeichnungen oder den Fotos zum Ausdruck gebracht.
Es wäre jetzt ein guter Schritt, einen neuen Blog mit meinem Namen zu beginnen.
Raus aus der Anonymität und mit professionellerem Outfit.
Nur noch die Illustrationen und die Fotos zu zeigen.
Für den Ostermarkt hatte ich mir noch Visitenkarten machen lassen, die ich ganz schön finde.
Der Markt selbst hat gezeigt, dass die wenigsten Leute Geld für Illustrationen ausgeben wollen.
Die Postkarten sind gut gelaufen – immerhin.
Ich will das nochmal anpassen. Das Format des Marktes sollte wohl doch eher dem eines Kunst-
oder Handwerksmarktes entsprechen.

Kennt ihr das? Wenn da so ein Gedanke aufblitzt und sogleich in einem großen Knäuel in den Gehirnwindungen versinkt? Vielleicht ist die postdepressive Phase eine, die andauert. Vielleicht wird mein Gehirn nie wieder so schnell, so flexibel funktionieren wie früher?
Bleibt das jetzt so?
Dieses Müdesein?
Die Unentschlossenheit?
Dieses Sich-nicht-entscheiden-Können, egal ob es sich um das Frühstück oder um das Lebenskonzept handelt.

Meine Güte … ich eiere durch diese Zeit. Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate … ich werde auch nicht jünger – und weiß noch immer nicht, wo die Reise hingeht.

Es tröstet mich, dass es Vielen so geht … oder Einigen.
Also halte ich mich an den Gewohnheiten fest. Die Sonne geht auf und unter. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Rhythmus ist vorgegeben – mein menschlicher Wille erscheint mir unbedeutend im Großen und Ganzen.
Und dennoch kann niemand außer mir selbst dieses mein Leben leben. Ich muss es selbst tun.

Advertisements

Ein Jahr ist rum

Bella hat unseren Blog-Geburtstag vergessen.
Ich habe sie zwar erinnert, aber sie hat so getan, als hörte sie mich nicht.
Ich steckte im grünen Beutel, verstaut im Wohnzimmerschrank – und da konnte sie natürlich gut sagen, dass meine Stimme viel zu leise war, um an ihr Ohr zu dringen.
Ha ha … sie redet sich immer noch raus.
Ihr zartes inneres Seelenstimmchen hätte nix mit mir zu tun?
Jessas … Mädchen, was hast du gelernt in dem Jahr?

Immerhin kam sie ihren anderen Impulsen nach.
Setzte sich jeden Tag hin und malte ein Bild.
Auch noch nach dem #inktober ging das weiter … so entstanden lustige, zarte kleine Tierbildchen, die in erster Linie eines gemeinsam hatten: Sie machten ihr Freude, bzw. die Anfertigung machte ihr Freude.
Während sich das Familienleben als schwer herausstellte, verhalfen die Mal-Sessions zu kleinen Auszeiten, kurze Meditationen im Alltag, in denen sich trotz der Sorgen das innere Kind rühren und zeigen durfte.

Einerseits machten sich alte, längst überwunden geglaubte Gefühlswelten bemerkbar. Regression und Rück-Erinnerungen hielten Einzug, Fassungslosigkeit und Angst legten sich über die Tage und vor allem über die Nächte.
Viel Schlaf gab es nicht.
Hallo Depression – da bist du ja wieder …
Wieder ein Rückzug. Wieder ein Nach-Geben in die Schwäche, wieder ein Abtauchen und die eigene innere Beschimpfung es nicht besser zu können …
Doch Bella macht auch gerade wieder viel Energiearbeit und vertraut auf einer Ebene ihrer inneren, göttlichen Führung.
An einem dieser Tage, es war der Tag des Supervollmondes, malte sie ihre innere Kriegerin und gestand sich damit ein, nicht scheu und hilflos und ein Opfer zu sein, sondern machtvoll und verbunden mit allem.
Eine Entscheidung.
Ein Ausdruck der Liebe zu sich selbst.
Eine Rückbesinnung in das Vertrauen hinein.
Auch ein Fallenlassen in die Angst und in den tiefsten Schmerz, denn erst das Aufgeben des Widerstandes gegen das Gefühl macht das Gefühl erlebbar … erst die Tränen, die geweint werden müssen, spülen all das hervor, was angesehen und transformiert wird.

Und dann tauchte wieder ein Wunder auf … wieder einmal zeigte sich, dass die richtigen Menschen zum rechten Zeitpunkt auftauchten. Die Dinge formierten sich, es ergaben sich diese bemerkenswerten Zu-Fälle.
Und so steht ein schamanisches Seminar an, über das Bella schon lange nachdachte, und das ihr jetzt sozusagen in den Schoß fiel.
Sterntaler lässt grüßen.
Seht ihr mich lächeln?

Mittlerweile gibt es eine neue Idee – ein neues Projekt, das wir euch in Kürze hier vorstellen werden.

Vorerst werden wir uns nun aber doch alle versammeln und den Blog-Geburtstag nachfeiern.
Der war nämlich schon am 10.11. Und Bella bekam auch eine Benachrichtigung, dass sie ihren 100sten Beitrag verfasst hatte – 100 !!! Wie toll. So viel ist hier entstanden in diesem einen Jahr.

Und dann … *Trommelwirbel an* … wollen wir natürlich auch feiern, wie ihr alle die Bella hier mit euren Likes und Kommentaren unterstützt habt, dass ihr hier mitlest und dabei bleibt.
117 Follower zeigt die Statistik an. WOW.
Jeder/m Einzelnen von euch sei ein Gläschen Sekt eingeschenkt, oder ein Lächeln oder eine Umarmung geschenkt.
Sucht euch was aus.

Ein riesengroßes
D A N K E S C H Ö N.
Ihr seit großartig.

Und nun …  fast alle Gefährten der letzten Tage und Wochen sind gekommen.

thumb_pb198851_1024-kopie

Die Party kann beginnen. Feiert ihr mit?

Zwischenstop

Zwischenstop – ich bin zurück. (Und ich auch – klick)

Ich dachte, ich hätte viel zu berichten nach 7 Wochen Reha.
Doch es ist so, dass ich zurückgekehrt bin und zu tun habe, in dieser wirbeligen Zeitqualität zurecht zu kommen.

Tatsächlich ist noch immer alles offen, scheine ich nicht mehr zu passen in diese alten Strukturen.
Der Empfehlung der Einrichtung habe ich mich widersetzt, kann ich nicht zustimmen.
Ganz schlimm, dass in einem Haus, das sich Psychosomatik auf die Fahnen schreibt, so sehr schulmedizinisch behandelt wird.
Ganz schnell wird man gefragt, ob man eine Tablette haben möchte, oder ein Beruhigungsmittel.
Verweigert man dies, gilt man als „nicht krank genug“ im Sinne der Rentenversicherung.

Mein Leben gleicht einem Faden, der sich stets auf einer Ebene bewegte, dann ein Einschnitt – doch nun mit der Tendenz nach oben. Das ist heilbar, wird gesagt. Also alles gut … zurück zum Alten.
Noch bevor ich das erste Arztgespräch hatte, war schon entschieden, wohin die Reise gehen soll.
Hallo? kann mir jemand hinter meine Stirn gucken? Hab ich schon etwas dazu gesagt?
Und als ich das tat, als ich mein Befinden schilderte, änderte das nichts.
Das Symptom stand im Vordergrund – nicht die letzten 34 Jahre meiner Berufstätigkeit, meiner Bemühung, mich anzupassen, alles zu geben, über meine Kraft hinaus.
Dass dieser Zusammenbruch ein Prozess ist, das wurde nicht gesehen.
Selbst schuld, dass ich vorher nie krankgeschrieben war, dass ich nie diagnostisch auffällig war, dass ich trotz jahrzehntelanger Migräne immer weiter gearbeitet habe.
Auch dass ich weder Psychopharmaka nehme (oder nahm), nicht in der Psychiatrie war und keine Tagesklinik besuchte, gereichte nicht zum Verständnis.
Das Bemühen, sich selbst zu helfen … wie ich das schon immer tue, zahlt sich hier nicht aus – zumindest dann nicht, wenn ein beruflicher Wechsel ansteht und man sich Unterstützung durch den Rentenversicherungsträger wünscht.

Es war nicht alles schlecht.
Ich hatte die Möglichkeit, an der Kunst- und der Tanztherapie teilzunehmen. beides hatte ich mir gewünscht – und beidem wurde entsprochen.
Reden kann ich ja – auch über Dinge hinwegreden – mir ging es ums Fühlen.
Und beide Therapien erwiesen sich als ausgesprochen hilfreich.
In der ersten Stunde Tanztherapie machte die Therapeutin die Musik an, ein Didgeridoo-Stück wurde abgespielt, und ich geriet in so etwas wie eine Trance. Anschließend ertönte Michael Jacksons „Who´s bad“, und ich erlebte einen ekstatischen Ausbruch. Ich spürte all die gehaltene Energie in meinem Körper, die so lange gezügelt worden war, ich musste mich bewegen (das Thema war Stakkato) und heulte dabei Rotz und Wasser. So sehr wollte diese meine Kraft endlich wieder aus mir herausströmen. Ein unglaubliches Erlebnis.
Was die anderen Anwesenden dachten, war mir egal.
Und so war es jedes Mal – ich bekam sofort Zugang zu meinem Inneren. Mir war vorher nicht klar gewesen, wie stark ich auf Musik reagiere, weil ich fast nie Musik höre.

In der Kunsttherapie kam ich immer an einen tiefen Punkt der Freude – mein ganzes Wesen schien sich zu zentrieren, zu be-ruhigen, und ich tat mit meinen Händen, was die Aufgabe war – töpferte, malte, wischte, rieb – eine kreative Reise jedes Mal.

Auch sonst malte ich viel.
Jeden Tag ein Kritzelbild.
Ich nahm mir dafür ca. 30 bis 40 Minuten Zeit, entspannte und fokussierte mich, setzte dann den Fineliner aufs Papier und malte Kritzeleien, ohne einmal den Stift abzusetzen.
Dann schaute ich das an, ergänzte hier und da etwas, fügte Augen ein, malte aus …
Es entstand immer ein Bild meiner jeweiligen Stimmung. Ganz oft war ich erstaunt, was sich da Ausdruck verschafft hatte.
Neben diesen Kritzelbildern malte ich noch anderes.
Ich sammelte Federn, ich ging spazieren.
Ich hatte Kontakt zu zwei Frauen, war aber sonst sehr für mich.
Auch abends.
Nie hatte ich das Bedürfnis nach einem Spieleabend oder ewig-in-der Gruppe-hocken.
Ob ich auf Andere eigenbrötlerisch wirkte, war mir egal. ich war im Reinen mit mir.
Natürlich nahm ich an ein paar Ausflügen teil.
Ich sah ein bisschen was von Thüringen, besuchte Erfurt, Fulda, Bad Hersfeld, Meiningen, Eisenach.

Keki kam kaum zum Einsatz.
Sie lag in der Schublade im grünen Beutel.
Mein Erwachsenen-Ich war präsent und recht zufrieden, und durch die therapeutisch gute Begleitung und meine kreative Gestaltungslust fühlte ich mich öfters im Flow und in Ruhe.

Die gesamten 7 Wochen nahm ich außerdem zweimal die Woche an der Meditation teil, die ein Mann aus dem benachbarten Dharma-Zentrum in Möhra hielt.
Eine große Bereicherung war das.
Bereits vor 25 Jahren hatte ich regelmäßig buddhistische Seminare in Berlin besucht, übte mich in Vipassana und war auch auf einigen Wochenend-Retreats.
Ich weiß nicht, warum ich damals damit aufhörte? Schwangerschaft? Vielleicht?
Jedenfalls konnte ich sofort daran anknüpfen, und die regelmäßige Meditation war mit das beste, was ich aus der Einrichtung mitgenommen habe.
Ich habe das Dharmazentrum dann auch noch besucht und mir angesehen – ganz abgeschieden auf einem Berghang mit wunderschöner Aussicht gelegen. Wer mal eine Auszeit braucht – dort wäre der perfekte Ort dafür.

Der Liebste holte mich dann zum Ende der Reha ab, wir kamen in Berlin an, und hier war es so laut und hektisch, dass wir ganz schnell drei Tage an die Ostsee gefahren sind.
Jetzt ein kurzer Zwischenstop.
Ich versuche, irgendwie die Wäscheberg zu bewältigen … in ein paar Tagen bin ich schon wieder unterwegs.
England.
Ich reise mit 11 anderen Frauen in mehreren Wohnmobilen nach Avalon. Es geht zu verschiedenen Kraftorten – nach Glastonbury (dem Herzchakra der Erde), nach Avebury, zum Bischofsgarten in Wells, an die Küste … zur „Großen Mutter“.

Ich freue mich riesig, kann es aber noch gar nicht glauben.

Wird dies eine Reise meines Lebens sein?
Oder bin ich danach damit durch – mit dem Thema Schamanismus?
Wer weiß?
So Vieles bewegt mich, das ich noch gar nicht in Worte fassen kann.
Wie so viele Menschen in dieser sehr speziellen Zeit fühle ich mich angebunden und gleichzeitig auf mich alleine zurückgeworfen.
Es ist, wie es ist.

Ich grüße euch, winke euch zu, wünsche allen alles Gute
und melde mich erneut, wenn ich zurück bin.

Vielen Dank für eure letzten Kommentare, die ich erst gelesen habe, als ich wieder zurück war.
Es hat mich jeder einzelne Beitrag sehr gefreut.                                                                                     Jetzt kommen noch ein paar Fotos:

thumb_P6293208_1024

thumb_P7013285_1024

thumb_P7013265_1024

thumb_P7033452_1024

thumb_P7174120_1024

thumb_P7174193_1024

thumb_P7174196_1024

thumb_P7174232_1024

thumb_P7224301_1024

thumb_P7244505_1024

thumb_P7314761_1024

thumb_P7314928_1024

thumb_P8014981_1024

thumb_P8055203_1024

thumb_P8065213_1024

See you again

So, ihr Lieben.
Noch einmal schlafen – dann sitze ich morgen früh schon im Zug … und los geht es in die Reha.

>>>klick

Nennt mich naiv, weil ich mich tatsächlich freue, dass es nun endlich losgeht.
Ich weiß ja – eigentlich dient die Reha nur der Feststellung, inwieweit ich wieder in den Arbeitsprozess integriert werden kann.
Doch da ich selbst die ganze Sache angeleiert habe, nicht auf Wunsch meiner Ärztin und auch nicht unter Druck der Krankenkasse antrete, bin ich zuversichtlich, dass ich tatsächlich nochmal mehr in die Zentrierung komme und Gutes für mich rausholen werde.

Ich bin aufgeregt, neugierig, gespannt, fühle ein kohlensäuriges Reisefieberkribbeln im Magen, hoffe auf angenehme und kompetente Therapeuten und Ärzte und nette Mit-Patienten.
Keki, Malsachen und Bücher sind verpackt.

Ich spüre eine Aufbruchstimmung, die über diese Reisevorbereitungen hinaus geht.
Ja … ich glaube, dass es langsam bergauf geht.

Die wunderbare Ulli von cafeweltenall.wordpress.com schenkte mir zu meinem Beitrag „Türen“ einen wunderbaren Spruch von William Blake, über den ich mich sehr gefreut habe, weil er gerade so gut passt:

„Es gibt Dinge, die wir kennen,
und Dinge, die uns unbekannt sind.
Dazwischen gibt es Türen.“

An dieser Stelle nochmal Dankeschön.

Ich verabschiede mich nun also für eine Weile.

Macht es gut, bleibt gesund. Genießt den Sommer und die Freuden des Lebens.

Auf bald.

Über die Traurigkeit (Rilke)

„… Wäre es uns möglich, weiter zu sehen, als unser Wissen reicht, und noch ein wenig über die Vorwerke unseres Ahnens hinaus, vielleicht würden wir dann unsere Traurigkeiten mit größerem Vertrauen ertragen als unsere Freuden. Denn sie sind die Augenblicke, da etwas Neues in uns eingetreten ist, etwas Unbekanntes; unsere Gefühle verstummen in scheuer Befangenheit, alles in uns tritt zurück, es entsteht eine Stille, und das Neue, das niemand kennt, steht mitten darin und schweigt.

thumb_P2074171_1024

Ich glaube, dass fast alle unsere Traurigkeiten Momente der Spannung sind, die wir als Lähmung empfinden, weil wir unsere befremdeten Gefühle nicht mehr leben hören. Weil wir mit dem Fremden, das bei uns eingetreten ist, allein sind, weil uns alles Vertraute und Gewohnte für einen Augenblick fortgenommen ist; weil wir mitten in einem Übergang stehen, wo wir nicht stehen bleiben können. Darum geht die Traurigkeit auch vorüber: das Neue in uns, das Hinzugekommene, ist in unser Herz eingetreten, ist in seine innerste Kammer gegangen und ist auch dort nicht mehr, – ist schon im Blut.

thumb_P2074185_1024

Und wir erfahren nicht, was es war. Man könnte uns leicht glauben machen, es sei nichts geschehen, und doch haben wir uns verwandelt, wie ein Haus sich verwandelt, in welches ein Gast eingetreten ist. Wir können nicht sagen, wer gekommen ist, wir werden es vielleicht nie wissen, aber es sprechen viele Anzeichen dafür, dass die Zukunft in solcher Weise in uns eintritt, um sich in uns zu verwandeln, lange bevor sie geschieht.

thumb_P2074081_1024

Und darum ist es so wichtig, einsam und aufmerksam zu sein, wenn man traurig ist: weil der scheinbar ereignislose und starre Augenblick, da unsere Zukunft uns betritt, dem Leben so viel näher steht als jener andere laute und zufällige Zeitpunkt, da sie uns, wie von außen her, geschieht.

thumb_P2074172_1024

Je stiller, geduldiger und offener wir als Traurige sind, um so tiefer und um so unbeirrter geht das Neue in uns ein, um so besser erwerben wir es, um so mehr wird es unser Schicksal sein, und wir werden uns ihm, wenn es eines späteren Tages «geschieht» (das heißt: aus uns heraus zu den anderen tritt), im Innersten verwandt und nahe fühlen. Und das ist nötig. Es ist nötig und dahin wird nach und nach unsere Entwicklung gehen -, dass uns nichts Fremdes widerfahre, sondern nur das, was uns seit lange gehört.

thumb_P2074290_1024

Man hat schon so viele Bewegungs-Begriffe umdenken müssen, man wird auch allmählich erkennen lernen, dass das, was wir Schicksal nennen, aus den Menschen heraustritt, nicht von außen her in sie hinein. Nur weil so viele ihre Schicksale, solange sie in ihnen lebten, nicht aufsaugten und in sich selbst verwandelten, erkannten sie nicht, was aus ihnen trat; es war ihnen so fremd, dass sie, in ihrem wirren Schrecken, meinten, es müsse gerade jetzt in sie eingegangen sein, denn sie beschworen, vorher nie Ähnliches in sich gefunden zu haben. … “

aus: Briefe; An Franz Xaver Kappus
Borgeby gård, Flädie, Schweden,
am 12. August 1904

(Alle Fotos entstanden am 07.02.16 am Werbellinsee in der Schorfheide.)

Schwarz – Weiss

Natürlich gibt es auch Fotos von mir.

Ich war ja mit dabei … auf dieser Reise in die Berge.
Die Schwierigkeit, mich fotografisch abzubilden, war in dieser Schneelandschaft noch einmal mehr gegeben.
Oft ist es diffizil, mich vernünftig darzustellen.
Durch meinen schwarzen Pelz bin ich im Gegenlicht sehr schwer zu erkennen. Wenn die Bella mich dann noch vor einem hellen Hintergrund platziert, wird es prekär.
Entweder ich bin scharf und gut zu sehen, oder das Dahinter.
Da ich das Licht schlucke und nicht reflektiere, ist es quasi um so schwieriger, meine Struktur und meinen Ausdruck auszumachen.

thumb_P2043598_1024

Meist entscheidet sich die Bella für mich, so dass die Kulisse extrem überbelichtet wirkt.
Der Gegensatz von Schwarz zu Weiss erfordert einiges Gefummel und späteres Tüfteln mit dem Fotoprogramm.

thumb_P2043715_1024

Die Divergenz beider Farben, ihr Ausdruck von Hell und Dunkel ist vergleichbar mit Innen und Außen.

Und so ist auch diese Reise begleitet worden von beiden Aspekten (und allem dazwischen.
denn Weiß ist die Farbe, die alle anderen Farben in sich birgt).

Während sich mit den Freunden ein geselliges Beisammensein im täglichen Urlaubsgeschehen kreierte, zog sich Bella manchmal innerlich zurück. Ein minutenschneller, oftmals nur Sekunden dauernder Abgleich der Überprüfung der inneren Lebendigkeit. Schmerzlich dann, wenn sie feststellte, dass das Gefühl der Leere plötzlich auftauchte, das Gefühl des Alleinseins, des Getrenntseins inmitten des Trubels.
Doch zugleich damit verbunden war auch die Gewissheit, dass es vorbei gehen werde. Geduldig mit sich selbst sein … sich in die Leere sinken lassen … umhüllt vom Kokon, der Schutz bietet.
Während es also „Draußen“ „lärmt“, der eigenen Empfindung Raum geben, so dass die Ungereimtheiten und Missempfindungen im inneren Herdfeuer verbrennen können und sich kreativ in eine Reifung umwandeln können.
Es dauert noch.
Bella spürt, dass der Prozess noch immer wirkt …
Und dass es manchmal mehr, manchmal weniger gut gelingt, damit zu sein – zu zaudern, zu trauern, zu weinen … um Vergangenes … wegen Verletzungen, die stattgefunden haben … und diese anzuerkennen und den Schmerz nicht länger zu verleugnen. Geduld haben … den Selbstheilungskräften vertrauen, auch Kontrollverlust und Verzweiflung in Kauf nehmen … ohne das Wissen, dass am Ende alles gut sein wird.
Genau das ist der Punkt: den Scherbenhaufen sehen und sich ergeben.
Sich dem Schmerz ergeben.
Die Lösung ist wohl, den Kampf aufzugeben.
Die Höhere Weisheit … das göttliche Selbst … die innere Führung … führen in den ungestalteten Raum, in dem alles möglich ist. In dem es Helles und Dunkles gibt … und es keinen Unterschied macht. Alle Schatten sind da … und alles Licht.
Schwarz und Weiss … und alles dazwischen.

Neben diesen Gedanken und Empfindungen hatten wir auch jede Menge Spaß …
Es liegt ja alles so dicht beieinander …

(Mehr Fotos von mir findet ihr in der Spielecke.)

Endlichkeit

Bella liest sich durch die vielfältige Welt der Bloggergemeinde und stößt natürlich über unzählige interessante Themen und Anregungen.
Eine Inspiration folgt der nächsten.
Und so blieb sie heute Morgen bei Isabel Bogdans´It´s a blog bei der Beschreibung ihrer Übersetzung von Jane Gardam´s „Ein untadeliger Mann“ hängen und las mit großen Interesse das dort von ihr vorgestellte Vorwort von Daniel Schreiber.

Darin heißt es an einer Stelle:

„… >Ein untadeliger Mann< ist nicht zuletzt ein Roman über das Alter, über das Gefühl einer Lebensphase, in der ein Mensch mehr Vergangenheit als Zukunft besitzt. …“

„Bella, meinst du, bei dir ist das so?“

„Aber ja, Keki. Unbedingt. Ich gehe davon aus, dass ich die Hälfte meiner Lebenszeit bereits überschritten habe … und dass es genau so ist, wie in dem zitierten Satz. Ich habe mittlerweile mehr Vergangenheit hinter mir, als Zukunft vor mir läge.
So jedenfalls fühlt es sich an.
Ich denke nicht, dass ich über hundert Jahre alt werde.“

„Das kann ja nun niemand wissen. Und wenn es so wäre – was bedeutet das für dich?“

„Da hast du Recht … wie lange ich noch leben werde, das weiß ich nicht.
Es geht vielleicht auch gar nicht um das Wie lang, eher um das Wie.
Die Frage, die mich umtreibt, ist natürlich die, wie ich die restliche Zeit verbringen möchte.
Wenn ich so nachspüre, dann dachte ich immer, das genau zu wissen, wie ich leben will.
Gerade ist aber wieder eine solche Aufbruchsstimmung in mir … so ein Sehnen nach was Neuem.
Meine innere Abenteuerin möchte ihre Wanderstiefel anziehen und loslaufen.
Ich möchte mal reisen – und nicht nur Urlaub machen …
Ich habe das Gefühl, noch nicht alles gesehen zu haben, noch nicht alles erlebt zu haben …
fühle mich zu groß in meiner Haut, die mir nicht mehr passt und an allen Stellen spannt.
Und ich habe Angst davor, was zum Vorschein kommt, wenn sie Risse bekommt und aufplatzt.“

„Was könnte passieren?“

„Ich könnte wirklich mich selbst finden …
Das ist ja genau das Tolle an diesem Lebensabschnitt.
Die Menopause ist genau jener Zeitpunkt im Leben einer Frau, der die Möglichkeit eröffnet, die alten Rollen abzulegen, aus dem Erwartungsdruck auszusteigen.
Das ist ja auch hormonell spürbar.
Nie mehr hat eine Frau eine größere Hingabefähigkeit als als ganz junges Mädchen, also in der Pubertät … Da ist der Östrogenspiegel am allerhöchsten.
Und jetzt … im Alter dann … ist er so sehr abgesunken … und macht damit auch den Weg frei in das ganz Eigene, das eigene Selbst, sozusagen.“

Bella versinkt in Schweigen.
Sie macht sich viele Gedanken.

Das Gedankenmachen verhindert manchmal das Fühlen – jedenfalls ist das bei der Bella so.
Denn sie ist sehr schnell. Hin-und-hergerissen zwischen den Polaritäten …
alt – neu … gut – schlecht … Vergangenheit – Zukunft…
Dabei geht es doch eher um ein Sowohl-als-auch.
Und eben um das Fühlen.
Doch bei den auftauchenden Bildern – der geplatzten, oder rissigen Haut, zeigt sie natürlich direkt mit ihrem Zauberstab in ihr eigenes Erleben.

Der gegenwärtige Schmerz führt direkt in die Wahrhaftigkeit.
Und natürlich in das Jetzt. Immer wieder geht es nur um das JETZT.
Ein anderes Leben ist nicht möglich … außer JETZT.
Die augenblickliche Lebenssituation zwingt zu einer eingehenden Betrachtung.
Es geht dabei um Wahrnehmung und Akzeptanz, um Verstehenlernen …
Doch die Bella rennt voraus und überlegt, was noch alles getan werden muss, was noch alles ansteht, wie denn nun dann demnächst das Geld reinkommt.
Ist der alte Beruf noch tragbar?
Geht sie zurück?
Macht sie was Neues?
Der zweite Schritt vor dem ersten …
Planung steht dem Erleben entgegen … zumindest zum aktuellen Zeitpunkt.
Das Wesen der Depression zu be-greifen, zu er-fassen …
Selbst Frau Ka sagte gestern: „Wenn Sie eine schwere Bronchitis hätten. würden Sie auch keinen Sport machen“, und die Bella lachte und meinte: “Doch, ich schon.“
Und so umkreiste Frau Ka das Thema und lieferte das Bild eines gebrochenes Beines, um zu veranschaulichen, dass die momentane Lage Ruhe erfordere und auch Verlangsamung und Freude um der Freude willen.
Denn geht es nicht genau darum?
Um die Freude?
Und die Liebe?

Wenn diese beiden fehlen, nutzen auch 50 Jahre weitere Lebenszeit nichts.
Kein einziges, weiteres Jahr sollte freudlos gelebt werden.
Doch es gibt auch hier wieder den Gegensatz – das Leid.
Das gilt es nicht auszuschließen,
denn es gehört genau so dazu.
Sowohl als auch.
Das eine steht oft in Verbindung mit dem Anderen …
Freude wäre nicht tiefe Freude, wenn das Leid nicht auch erfahren wurde.

Die verloren geglaubte Identität wird sich aufblättern …
erblühen in einem Ausmaß,
das jetzt noch gar nicht spürbar ist.
Nur ahnbar … und deshalb werde ich die Bella immer erinnern …
Lebe jetzt.
Mit den Möglichkeiten, die du hast.
Mit den Gaben, die du besitzt.
Es ist schon alles da.
Du bist vollständig.
Und komplett.

Zieh ruhig die Wanderstiefel an,
doch laufe nicht weg vor dir selbst.
Platze auf … und ergieße dich in dich selbst.

 

Die Fahne hochhalten oder: auch Psychiater kriegen Depressionen

Wir nähern uns der Echtzeit. Dem JETZT. Diesem Moment, in dem ich gerade das hier schreibe.
Beziehungsweise – die Bella schreibt und gibt mir ihre Stimme. Doch wenn ihr das lest, ist auch schon wieder Zeit vergangen … Stunden oder Tage.
Jedenfalls sind wir nun mal im November angekommen.

Mit der Depression ist das so´ne Sache. Bei jedem/r kommt ja da was anderes zum Vorschein. Keine Erkrankung ähnelt der anderen, so wie kein Mensch mit keinem anderen vergleichbar ist.
Bella funktioniert auch noch in ihrer Depression.
Da ist ein Teil in ihr, der so tüchtig seine Fahne hoch hält. Diese Fahnenträgerin hat noch immer auf der Stirn geschrieben >mich kriegt keiner unter< und marschiert tapfer mit dem schweren Ding durch die Gegend. Ich weiß nicht, wann das anfing mit dieser Maskerade. Immer schön den Kopf hoch … immer durch … immer die Ärmel aufgekrempelt … immer schön stark sein, die Dinge anpacken – vor allem aber: sich nichts anmerken lassen.
Keine Miene verziehen. Im Inneren herrscht Aufruhr … doch sehen tut man nix. Niente.
Das ist das Problem bei vielen Depressiven.
Man sieht es ihnen nicht an.
Und der Bella schon gar nicht. Die strahlt. Die sieht gut aus. Die fühlt sich auch gut, und muss schon sehr aufmerksam sein in ihrer Wahrnehmung, ob das auch stimmt.
Meist stimmt es nämlich nicht.
Doch gelernt hat sie was anderes. Das Dinges mit der Fahne eben.
Da kommt es schon noch immer vor, dass sie Sachen macht, die ihr nicht gut tun. Oder dass es ihr noch immer schwer fällt, Nein zu sagen, weil ein Anderer ein Ja erwartet.
Fühlt sich komplett unangenehm an, wenn sie darauf angesprochen wird. Zum Beispiel von ihrer Therapeutin. Die hat nämlich die sehr bemerkenswerte Tendenz, genau nachzufragen, den Finger da drauf zu legen … auf dieses >Was fühlen Sie?< . Das, was die Bella so schnell mit Worten umschiffen will … nicht, weil sie nicht reden will … sondern einfach, weil sie es so gelernt hat.
Das >Was fühlen Sie?< reicht schon für einen kleinen Schweißausbruch. Weil meistens meint die Bella, sie fühle gar nichts, doch nach längerem Insistieren von Frau K., der Therapeutin … die ich jetzt mal der Einfachheit halber Frau K. = Frau Ka nennen will … und alle wissen, wer gemeint ist – und ich muss nicht immer diesen Satzanhang (die Therapeutin) dran hängen …. also – wo endet der Satz denn nun? … Frau Ka also … blickt auf die Fassade und lässt sich nicht bluffen.
Toll. Und Bella lernt einmal mehr, wie wichtig es ist, Gesicht zu zeigen. Im wahrsten Sinne. Emotionen, nicht wegzudrücken. Und nicht nur Maske zu zeigen – das macht beim Gegenüber ganz viel Stress (die Still-face-Untersuchungen bestätigen dies) oder verhindert einfach einen authentischen Umgang miteinander.
Überhaupt ist das eine so hilfreiche Sache, einmal wöchentlich bei Frau Ka auf dem Stuhl zu sitzen und sich sortieren helfen zu lassen in diesem Wirrwarr von Gefühlen. Großartig, wenn da jemand ist, der 50 Minuten aufmerksam zuhört. Früher war die Bella immer diejenige, die zugehört hat. Was für ein Luxus also. Ein Mensch, ein Raum und 50 Minuten ungestörtes Miteinanderreden.

Immer noch hat das Wort „Depression“ einen hässlichen Klang. Bei „Burnout“ ist das schon anders. Das ist grade sehr in Mode … und impliziert eine erst mal vordergründige Erschöpfung, die am Beruf angedockt ist und scheinbar ein Anfang und ein Ende hat.
Natürlich stimmt das so nicht. Burnout betrifft bei genauer Betrachtung alle Lebensbereiche und ist gekennzeichnet durch den Verlust des Sinnes … für das eigenes Selbst – und das ist nicht auf den Beruf beschränkbar. Nicht umsonst nennt Rüdiger Dahlke den Burnout einen Seeleninfarkt.

Neulich sah die Bella einen kurzen Film über einen Arzt, der seit 30 Jahren an einem Krankenhaus gearbeitet hat und sich irgendwann im Laufe der Zeit damit konfrontiert sah, dass ihm das Gleiche widerfuhr wie seinen Patienten. Er konnte das jedoch kaum wahrnehmen, spaltete das ab und verleugnete lange seinen Zustand. Bis es nicht mehr ging. Und er sprach darüber, dass ihm in diesem Zustand seine langjährige Erfahrung als Psychiater nicht mehr zur Verfügung stand. Er war hilflos in diesem Moment. Alles, was er gelernt hatte, war für ihn selbst als Betroffener nicht mehr abrufbar.                                                                                         Bei Interesse HIER Schauen: Depression ist heilbar / Arztinterview ab Minute 04:30
Bella war sehr erleichtert, als sie den Film gesehen hatte, denn das ist es genau, was ihr widerfahren ist. Trotz der guten Ausbildung: komplett ins schwarze Loch gerutscht.

30 Prozent der Menschen machen irgendwann in ihrem Leben eine depressive Episode durch.
Wie viele das sind. Und treffen kann es wirklich jeden – egal aus welcher Gesellschaftsschicht, in welchem Alter.

Neulich machte die Bella mal diesen Test und wusste schon vorher, wie das Ergebnis ausfallen würde.
Klar.
Auch das noch.
Hochsensibel also.
Das ist, wenn der Mensch sich von den ganzen Reizen überflutet fühlt. Streicht „fühlt“ – wenn er tatsächlich überflutet wird. Das Gehirn kann nicht als wichtig und unwichtig unterscheiden … alles geht rein … Und die Erregungskurve flaut auch nicht so schnell ab, wie bei Menschen, die das nicht haben.
Okay. Das ist nun auch nur noch ein weiteres Etikett. Doch es hilft verstehen, wie schwer es ist, zu entspannen, sich nicht zu sehr von den Reizen beeinflussen zu lassen (als könne man dagegen etwas tun – das Nervensystem ist nun mal so), warum das mit dem schlechten Schlafen möglich ist, und auch, wie die Migräne das einzige Ventil zu sein scheint, und dann in einer Notreaktion den Deckel vom übervollen Kessel wegschleudert.

Wenn man sich dann mal so eine ganz normale Arbeitssituation vorstellt mit Mehreren in einem Zimmer … und drei Telefonen … und Klientinnen … usw. – alles gleichzeitig …. Kein Wunder.
Da müssen die Synapsen ja überschnappen.

Bedauerlicherweise passiert das aber auch bei Schönem. Auch bei sehr glücklichen Umständen, wenn tiefe Freude empfunden wird, ist es dem Körpersystem und Bellas Kopf manchmal zu viel.
Auch da hebelt sie schon mal eine Migräne aus.
Diese neue Erkenntnis ist interessant und durchaus stressvermindernd, denn früher nahm die Bella immer an, sie hätte irgendwelche Probleme, mache was falsch, habe das Verkehrte gegessen, wenn so eine Migräne kam. Jetzt … mit dieser Erklärung fügt sich plötzlich ein weiteres Puzzleteilchen in das große Bild ein.
Es geht also wohl darum, Entspannungsmethoden zu erlernen, die das Nervensystem auf Dauer nachhaltig beeinflussen können.

Schaun wir mal. Bella ist nicht so der Yoga-Fan. Mit einem Omhm auf dem Kissen zu sitzen, fällt ihr schwer. Vielleicht doch lieber regelmäßig schwimmen?

thumb_20150504_072343_1024 2

Helle Tage?

(Geschrieben am 17.09.2015)

Diese hellen Tage jetzt im September.
Scheinbar geht dieser Sommer nicht zu Ende.
Immer noch … oder schon wieder (okay – ein paar kurze Regenabschnitte gab es) scheint täglich die Sonne, färbt sich der Himmel in spektakulärem Pastell.
Nur der Wind und die frischere Luft lassen ahnen, dass der Herbst fast schon da ist.
Vereinzelt fallen die Blätter zu Boden, doch im Ganzen ist es noch Grün.

Bella sieht das alles.
Nimmt es auf.
Tankt die Sonne mit der Haut
und fühlt dennoch schwarz.
So ganz innen.
In sich.
Da kommt die Sonne nicht hin.
Die Verbindung zu mir ist fast abgebrochen …
Sie denkt an mich … klar …
Doch sie glaubt mir gerade nicht …
Ich stecke wieder in dem grünen Beutel und bin seit 2 Wochen nicht hervor geholt worden.

Wie ein schwarzer Tintenfleck, der sich auf schneeweißes Papier ergießt, breitet sich das Geflecht der Angst aus und bedeckt die gesamte Fläche. Bis alles schwarz ist.
Komplett.
Erst jetzt sickert die Leere so ganz und gar und so völlig dumpf in jede Pore.
Und die Bella hält still.
Dagegen anschreien, hilft nicht.

Dies ist der Moment, in dem wieder Verbindung geschieht.

„Keki?“
„Ja, Bella?“
„Ich bin so am Zweifeln … Ich misstraue so sehr meinen Wünschen … oder sagen wir mal so – ich traue mich gar nicht zu wünschen … Ich habe das Gefühl, das wird ja doch alles nichts … egal, wie ich es anpacke … keine Idee, was überhaupt … und wie überhaupt … und ich bin schon wieder so im Rückzug. Fühllos. Sprachlos.“

Ich warte.

„Diese Sprachlosigkeit ist das Schlimmste – oder nein, nicht ganz, am Schlimmsten ist die Fühllosigkeit. Was ich überhaupt fühle … das weiß ich nicht. Ich empfinde nichts …
Und auf die Frage >Wie geht es dir?< kann ich nichts antworten.
Ich weiß nicht, wie es mir geht.
Keine Ahnung.
… Neulich bei dieser Ärztin … das war ja nur die Vertretung für meine Psychiaterin, die an diesem Tag nicht in der Praxis war … also da fragt diese Ärztin mich doch glatt am Tresen vor allen Leuten – drei Sprechstundenhilfen, zwei Patienten und die Tür zum Sprechzimmer sperrangelweit auf – >Wie geht es Ihnen?“<
Halloooooo?
Die Frau hat mich noch nie vorher gesehen.
Erwartet die, das ich ihr mal eben so mein Herz ausschütte da am Tresen? Vor Allen?
Also meinte ich rotzig. >Weiß ich nicht, kann ich nicht sagen.<
>Das wissen Sie nicht?<
>Nein. Deswegen bin ich ja in Behandlung.<
Da war sie dann still. Guckte nur.
Na ja … wenigstens kam da mal ein Gefühl. Ich war wütend. Wie kann die mich so was Doofes fragen?

Ach … keine Ahnung … ich weiß nicht, was grad ist.“

Und damit schiebt mich Bella zurück in den grünen Beutel.

thumb_P9084209_1024

Warten

(Geschrieben am 13.08.2015)

Wir fahren nach München, und unterwegs sagt die Bella zu ihrem Mann, dass sie es schade fände, nicht genug Leinwände zu haben. Dann könnte sie ja wirklich mal ein Bild malen. Manchmal gäbe es ja so Sonderangebote in den Discountern – da seien die Leinwände sehr preiswert.
Wir fahren weiter. Der Graubezopfte steuert den Wagen sicher durch den Verkehr.
Schließlich wird Rast gemacht in Münchberg. Hier essen die Beiden was. Anschließend wollen sie noch zu lidl, einen Liter Milch und etwas Obst kaufen.
Und währen die Bella durch die Regalreihen läuft, sieht sie fast sofort einen großen Verkaufstisch mit Farben, Pinseln und Leinwänden.
Noch irgendwelche Fragen?
Oder Zweifel an der Synchronizität der Geschehnisse?
Die Bella kann es kaum glauben, ist glücklich … „Jetzt kann ich endlich anfangen“, sagt sie. „Das gibt es doch gar nicht. Es soll wohl so sein.“

Dann sind wir in München.

Hier lebt Bellas Mann.
Ein ruhiger Abend, den die Beiden im Garten verbringen – eine Oase der Ruhe.

Gleich am nächsten Tag wird die Bella mit einem Thema konfrontiert, das sie völlig aushebelt. Starke Emotionen sind damit verbunden, Tränen fließen.
Ans Malen ist nicht mehr zu denken.
Am Abend kommt der Graubezopfte von der Arbeit nach Hause, sieht der Bella ins Gesicht und weiß sofort, dass dies ein für sie „schlechter“ Tag ist.
Doch der vermeintlich schlechte Tag entpuppt sich als eine Quelle von Erkenntnissen.
Für Beide.
Wieder einmal geht es um Beziehungsfragen.
Und Beide, die diesen Themen gerne auch mal ausweichen, stellen sich ihren Fragen.

Es finden einfach gewaltige Umwälzungen statt in Bellas Innerem.
Jetzt kommen die Dinge ans Licht. Und zwar alle Dinge.
Jetzt wird geredet – und zwar vorbehaltlos.
Genug geschwiegen.
Genug alles Fühlbare abgekapselt und dem Verstand den Vorzug gegeben.
Genug den Kopf eingezogen.
Dieser „Konflikt“ wird begleitet von einem starken Gefühlsausbruch, der wieder eine Tür mehr öffnet – in Bellas Herzen und dem ihres Mannes.
Denn so ein Burnout beschränkt sich nicht auf das Offensichtliche.
Gerade das Verborgende wird nun wie im Scheinwerferlicht angestrahlt.

„Eigentlich“ will die Bella in München ganz was anderes machen. Nämlich malen und sich entspannen. Doch durch die Auseinandersetzung mit dem Graubezopften kommt sie dazu nicht. Das wirft sie ihm auch prompt gleich vor, merkt dann aber, dass die Störung absoluten Vorrang hat.
Und so können die Beiden ein klärendes Gespräch führen, an dessen Ende sie sich wieder in den Armen liegen. Und die Bella versteht: das ist nun wesentlich und viel wichtiger gewesen, als alles, was sie ursprünglich hatte tun wollen.

Es gibt also keine Eile.
Das, was getan werden will, wird getan.
Doch nun herrscht ein eigenes Tempo.
Diese Aus-Zeit ist notwendig.
Und die Veränderung macht nicht Halt vor der eigenen Haustür. Sie strahlt in alle anderen Bereiche in Bellas Leben mit hinein und berührt auch andere Menschen.
Ein Teil des Mobilés wird bewegt … nämlich Bella … und alle anderen Teile schwingen mit. Der Partner, die Tochter, die Familie … Freunde.

„Es passiert nichts“, meint die Bella. „Die Tage verstreichen so.“
Es ist keine Prokrastination – was für scheussliche Worte die Menschen manchmal benutzen. „Aufschieberitis“ … ja und? Manchmal darf auch das sein. Wie kann man sich nach einem vollen Arbeitstag mit vielfältigen Anforderungen und weiteren Verpflichtungen privat und in der Familie dafür verachten, dass man keine Lust mehr hat, den Papierstapel in der Küche abzutragen oder endlich mal den Wasserhahn zu reparieren? So war das immer. Erst noch schnell dieses und jenes erledigen – und wenn nicht, dann mit schlechtem Gewissen auf das Sofa.
Und das schlechte Gewissen und die Gedanken rumoren im Inneren, und der eigene Antreiber hat wieder mal mächtig Futter.
Der Graubezopfte schafft das viel besser. Der tut, worauf er Lust hat. Und wenn es ums Aufräumen geht, hat er oft gar keine Lust. Lieber raus in den Garten.
Der Seele tut das gut. In gewissem Maße. Natürlich wird es irgendwann mal zu viel mit dem Aufräumen, weil man dann nicht mehr hinterher kommt.
Und die Bella, die ein Thema mit Perfektionismus und Auch-keine-Lust-haben hat, sich dies aber nicht zugestehen kann, hat natürlich einen Partner, der ihr genau dies spiegelt. Schön.
So sorgt das Universum für alles. Das ist das Prinzip der Resonanz.
Es zeigt durch die Menschen im eigenen Leben immer auf direktem Wege, worum es geht – wo die Menschen noch ihre blinden Flecken haben und welche Themen durch sie sichtbar werden.

Dies ist die Zeit des Wartens. Die Zeit des Wandels.
Die Seele braucht Zeit.
Und der Mensch muss sie ihr geben, wenn er sie verstehen will.
Ich flüstere es der Bella nach wie vor täglich ein.
Und noch immer tut sie sich schwer, mir zu glauben.
Es ist nicht leicht, ein verlangsamtes Leben zu führen, wenn man es nicht gewohnt ist.
Sie tut es schon ganz gut.
Ihre Freude an den kleinen Dingen – beim Betrachten von Vögeln und Insekten, das tägliche Begutachten der Rosen im Garten, die Spur der Schnecken zu verfolgen oder die der Ameisen – hilft ihr dabei.

Neulich geschah es in einer geführten Meditation, dass die Bella hin fühlen sollte, wo im Körper sich eine Blockade befände.
Das war sofort sehr leicht spürbar: der Nacken.
Dort war alles hart und angespannt.
Und dann sollte die Bella da weiter dran bleiben … kommt da ein Begriff, eine Idee, wofür diese Blockade steht?
Ja … fast sofort. Dieser Bereich da im Nacken identifizierte sich als Angst.
Und während die Bella da hin spürte, rollten ihr die Tränen übers Gesicht.
Dann gab es die Empfehlung, noch mehr hineinzugehen in das Gefühl … und ob es ein Bild gäbe dazu.
Und dann geschah etwas ganz Wundervolles: Die Bella sah einen schönen Schwan.
Und wie der sich von ihrem Nacken abstieß und mit geräuschvollem Flügelschlagen langsam schwerlich erst, doch dann umso anmutiger über den Wassern davonflog.

Wer einmal einem Schwan zugesehen hat, weiß, dass das Tier ziemlich lange braucht, um in die Lüfte zu steigen.
So war es bei Bellas Schwan auch.
Doch er schaffte es.
Und die Bella saß da und ließ die Tränen weiter laufen.

Und gestern nahm sie nach Langem wieder ihre Farben hervor, malte zwei Bilder und dann noch mich. Draußen im grünen Wohnzimmer.

thumb_P8263361_1024 Kopie

Von wegen – es passiert nichts.

Es passiert ganz viel.