Zwischenstop

Zwischenstop – ich bin zurück. (Und ich auch – klick)

Ich dachte, ich hätte viel zu berichten nach 7 Wochen Reha.
Doch es ist so, dass ich zurückgekehrt bin und zu tun habe, in dieser wirbeligen Zeitqualität zurecht zu kommen.

Tatsächlich ist noch immer alles offen, scheine ich nicht mehr zu passen in diese alten Strukturen.
Der Empfehlung der Einrichtung habe ich mich widersetzt, kann ich nicht zustimmen.
Ganz schlimm, dass in einem Haus, das sich Psychosomatik auf die Fahnen schreibt, so sehr schulmedizinisch behandelt wird.
Ganz schnell wird man gefragt, ob man eine Tablette haben möchte, oder ein Beruhigungsmittel.
Verweigert man dies, gilt man als „nicht krank genug“ im Sinne der Rentenversicherung.

Mein Leben gleicht einem Faden, der sich stets auf einer Ebene bewegte, dann ein Einschnitt – doch nun mit der Tendenz nach oben. Das ist heilbar, wird gesagt. Also alles gut … zurück zum Alten.
Noch bevor ich das erste Arztgespräch hatte, war schon entschieden, wohin die Reise gehen soll.
Hallo? kann mir jemand hinter meine Stirn gucken? Hab ich schon etwas dazu gesagt?
Und als ich das tat, als ich mein Befinden schilderte, änderte das nichts.
Das Symptom stand im Vordergrund – nicht die letzten 34 Jahre meiner Berufstätigkeit, meiner Bemühung, mich anzupassen, alles zu geben, über meine Kraft hinaus.
Dass dieser Zusammenbruch ein Prozess ist, das wurde nicht gesehen.
Selbst schuld, dass ich vorher nie krankgeschrieben war, dass ich nie diagnostisch auffällig war, dass ich trotz jahrzehntelanger Migräne immer weiter gearbeitet habe.
Auch dass ich weder Psychopharmaka nehme (oder nahm), nicht in der Psychiatrie war und keine Tagesklinik besuchte, gereichte nicht zum Verständnis.
Das Bemühen, sich selbst zu helfen … wie ich das schon immer tue, zahlt sich hier nicht aus – zumindest dann nicht, wenn ein beruflicher Wechsel ansteht und man sich Unterstützung durch den Rentenversicherungsträger wünscht.

Es war nicht alles schlecht.
Ich hatte die Möglichkeit, an der Kunst- und der Tanztherapie teilzunehmen. beides hatte ich mir gewünscht – und beidem wurde entsprochen.
Reden kann ich ja – auch über Dinge hinwegreden – mir ging es ums Fühlen.
Und beide Therapien erwiesen sich als ausgesprochen hilfreich.
In der ersten Stunde Tanztherapie machte die Therapeutin die Musik an, ein Didgeridoo-Stück wurde abgespielt, und ich geriet in so etwas wie eine Trance. Anschließend ertönte Michael Jacksons „Who´s bad“, und ich erlebte einen ekstatischen Ausbruch. Ich spürte all die gehaltene Energie in meinem Körper, die so lange gezügelt worden war, ich musste mich bewegen (das Thema war Stakkato) und heulte dabei Rotz und Wasser. So sehr wollte diese meine Kraft endlich wieder aus mir herausströmen. Ein unglaubliches Erlebnis.
Was die anderen Anwesenden dachten, war mir egal.
Und so war es jedes Mal – ich bekam sofort Zugang zu meinem Inneren. Mir war vorher nicht klar gewesen, wie stark ich auf Musik reagiere, weil ich fast nie Musik höre.

In der Kunsttherapie kam ich immer an einen tiefen Punkt der Freude – mein ganzes Wesen schien sich zu zentrieren, zu be-ruhigen, und ich tat mit meinen Händen, was die Aufgabe war – töpferte, malte, wischte, rieb – eine kreative Reise jedes Mal.

Auch sonst malte ich viel.
Jeden Tag ein Kritzelbild.
Ich nahm mir dafür ca. 30 bis 40 Minuten Zeit, entspannte und fokussierte mich, setzte dann den Fineliner aufs Papier und malte Kritzeleien, ohne einmal den Stift abzusetzen.
Dann schaute ich das an, ergänzte hier und da etwas, fügte Augen ein, malte aus …
Es entstand immer ein Bild meiner jeweiligen Stimmung. Ganz oft war ich erstaunt, was sich da Ausdruck verschafft hatte.
Neben diesen Kritzelbildern malte ich noch anderes.
Ich sammelte Federn, ich ging spazieren.
Ich hatte Kontakt zu zwei Frauen, war aber sonst sehr für mich.
Auch abends.
Nie hatte ich das Bedürfnis nach einem Spieleabend oder ewig-in-der Gruppe-hocken.
Ob ich auf Andere eigenbrötlerisch wirkte, war mir egal. ich war im Reinen mit mir.
Natürlich nahm ich an ein paar Ausflügen teil.
Ich sah ein bisschen was von Thüringen, besuchte Erfurt, Fulda, Bad Hersfeld, Meiningen, Eisenach.

Keki kam kaum zum Einsatz.
Sie lag in der Schublade im grünen Beutel.
Mein Erwachsenen-Ich war präsent und recht zufrieden, und durch die therapeutisch gute Begleitung und meine kreative Gestaltungslust fühlte ich mich öfters im Flow und in Ruhe.

Die gesamten 7 Wochen nahm ich außerdem zweimal die Woche an der Meditation teil, die ein Mann aus dem benachbarten Dharma-Zentrum in Möhra hielt.
Eine große Bereicherung war das.
Bereits vor 25 Jahren hatte ich regelmäßig buddhistische Seminare in Berlin besucht, übte mich in Vipassana und war auch auf einigen Wochenend-Retreats.
Ich weiß nicht, warum ich damals damit aufhörte? Schwangerschaft? Vielleicht?
Jedenfalls konnte ich sofort daran anknüpfen, und die regelmäßige Meditation war mit das beste, was ich aus der Einrichtung mitgenommen habe.
Ich habe das Dharmazentrum dann auch noch besucht und mir angesehen – ganz abgeschieden auf einem Berghang mit wunderschöner Aussicht gelegen. Wer mal eine Auszeit braucht – dort wäre der perfekte Ort dafür.

Der Liebste holte mich dann zum Ende der Reha ab, wir kamen in Berlin an, und hier war es so laut und hektisch, dass wir ganz schnell drei Tage an die Ostsee gefahren sind.
Jetzt ein kurzer Zwischenstop.
Ich versuche, irgendwie die Wäscheberg zu bewältigen … in ein paar Tagen bin ich schon wieder unterwegs.
England.
Ich reise mit 11 anderen Frauen in mehreren Wohnmobilen nach Avalon. Es geht zu verschiedenen Kraftorten – nach Glastonbury (dem Herzchakra der Erde), nach Avebury, zum Bischofsgarten in Wells, an die Küste … zur „Großen Mutter“.

Ich freue mich riesig, kann es aber noch gar nicht glauben.

Wird dies eine Reise meines Lebens sein?
Oder bin ich danach damit durch – mit dem Thema Schamanismus?
Wer weiß?
So Vieles bewegt mich, das ich noch gar nicht in Worte fassen kann.
Wie so viele Menschen in dieser sehr speziellen Zeit fühle ich mich angebunden und gleichzeitig auf mich alleine zurückgeworfen.
Es ist, wie es ist.

Ich grüße euch, winke euch zu, wünsche allen alles Gute
und melde mich erneut, wenn ich zurück bin.

Vielen Dank für eure letzten Kommentare, die ich erst gelesen habe, als ich wieder zurück war.
Es hat mich jeder einzelne Beitrag sehr gefreut.                                                                                     Jetzt kommen noch ein paar Fotos:

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(K)eine Angst

Bella hat Migräne heute.

Zur Zeit wieder öfter.

Natürlich beutelt es sie. Sie hat Schmerzen.
Und so nimmt sie ein Medikament und geht in die Wanne.
Lässt sich sehr heißes Wasser ein und kippt drei Esslöffel basisches Badesalz mit hinzu.
Das Wasser ist sehr heiss.
Doch es hilft ihr.
Diese Hitze begegnet der Hitze im Kopf … das funktioniert nach dem homöopathischen Prinzip:
Gleiches heilt Gleiches.
Auch sich mit dem Kopf auf eine kochend heiße Wärmflasche zu legen, hilft in der Regel.
Dann sind zwar hinterher leichte Verbrennungen auf der Haut zu sehen (die gehen aber nach ein, zwei Stunden wieder weg), der Schmerz indes wird übertönt … und so unwahrscheinlich es klingt, wenn die Migräne im vollen Gange ist – etwa nachts, und Bella davon wach wird – wenn dann auch die Medikamente nicht mehr helfen, ist die heiße Wärmflasche das Einzige, was diesem Schmerz die höchste Spitze nimmt. Manchmal schläft sie dann auf der heißen Unterlage sogar noch einmal ein.

In der Wanne ist es ähnlich.
Der Nacken schmerzt.
Der ganze Hinterkopf dröhnt.
Also schnell untergetaucht, die Ohren unter Wasser … und erst mal versucht, zu entspannen.
Und da Wasser einfach Bellas Element ist, kommen sehr schnell Gedanken und Gefühle.
Zuerst Gefühle.
Jene, die im normalen Alltag einfach nicht auftauchen.
Im Wasser hat Bella einfach keine Chance.
Irgendwie bahnt sich da das Unterbewusstsein immer seinen Weg.
Und Bella fühlt … und spürt … und weint ein bisschen.

„Keki?“

„Ja, Bella?“

„Ich kann doch eigentlich meiner Migräne dankbar sein.“

„Ach …“

„Ja. Der Gedanke kam mir vorhin. Die Migräne ist doch eigentlich so was wie eine unliebsame Freundin. Sie macht mich darauf aufmerksam, dass etwas nicht im Gleichgewicht ist. Und so sehr ich versuche, das zu übersehen, es zu übertünchen … es nutzt nix … Letztendlich zeigt mir der Körper doch, dass etwas nicht stimmt.“

„Und was stimmt nicht, Bella?“

„Na ja … ich bemerke, wie sehr ich mich gerade wieder abschotte. Wie ungern ich unter Menschen bin. Vor allem: wie sehr ich mich selbst nicht leiden kann. Ich tue alles, um das nicht zu merken … doch ich beobachte mich ja … ich esse zu viel … ich trinke zu viel … ich konsumiere, um mich nicht spüren zu müssen. Ich will am liebsten weg sein. …
Das ist mir vorhin klar geworden.
Da liegt so ein ungeheurer Selbsthass auf mir.
Ich las diesen Satz: >Liebe den nächsten, wie dich selbst< …
Und ich weiß, es ist so gemeint, dass man sich zuallererst erst mal selbst lieben muss, um dann andere lieben zu können …
Und ich frage mich, wie das geht.
Ich kann mich nicht selbst lieben.
Ich habe mich noch nie selbst geliebt.
Ich sitze hier und heule, weil ich mich so elend fühle …
und ich weiß, ich mache das selbst …“

„Bist du sicher, Bella?“

„Ja. Ich lasse zu, dass ich das noch immer von mir glaube.
Dass ich noch immer denke, ich kann nichts, ich bin nicht gut genug … ich mag diesen Körper nicht … obwohl es doch der einzige ist, den ich habe. Wie will ich das Leben meistern, wenn ich diesen Köper so ablehne? Wie kann das alles gehen, wenn ich mich noch immer nicht akzeptiere – so, wie ich bin … mit all meinen Schwächen … und vor allem: mit all meinen Fähigkeiten?
Diese verleugne ich ständig … es macht mir Angst, sie im Geiste durchzuspielen und mir die Vision zu erlauben, ich könnte meine Fähigkeiten wirklich einsetzen.
… Ich bin noch immer so verdammt darauf ausgerichtet, alles richtig zu machen, dass ich mich total starr verhalte, aus Angst, das Falsche zu tun.
Ich merke selber, wie sehr ich mich damit blockiere. Wie sehr ich dadurch den Stillstand forciere.
Ich merke, wie ich Andere verurteile, mich von ihnen nicht gesehen fühle, weil ich mich selbst nicht akzeptieren kann …“

„Bella … es ist so gut, dass du das aussprechen kannst. Dass du eine Idee davon hast … auch, dass du hier in der Wanne sitzt und weinst, und nicht genau weißt, warum eigentlich …
Aber das ist der erste Schritt: Immer wieder: mit dem Gefühl fängt es an. Lass es einfach zu.
Lass jedes Gefühl zu.
In dem Maße, wo du dir bestimmte Gefühle nicht erlaubst, verlierst du die Lebendigkeit – du sagst es selbst.
Du kannst all deine Schönheit in dir nur erkennen (und in anderen), wenn du auch alle Hässlichkeit in dir akzeptierst … sie ist da. Nimm sie wahr. Du musst sie nicht gutheißen, doch nimm sie wahr … Sie zu leugnen, bedeutet, dich von deinem göttlichen Energiefluss abzuschneiden …
Denke an Yin und Yang … alles ist gleichzeitig da.
Mit der Leugnung der negativen Gefühle kippst du in eine destruktive innere Spaltung.
Alles Destruktive kann sich wandeln, wenn ihm Raum gegeben wird. Erst indem du es wegsperrst und einem Ideal hinterher jagst, das du niemals erreichen kannst, zahlst du den Preis von Schuld, Scham, Selbsthass und Selbstbehinderung.
Lass dich frei …
Wenn du alles annimmst … kann sich alles wandeln.
Du wirst dann einfach fühlen, wie die Selbstverantwortung zurückkommt, wie die Kraft zu dir zurückströmt.
Die Schönheit ist erkennbar in dem Maße, wie die Schatten integriert werden.
Erlaube dir Fehler … denke nicht soviel nach … los … spring …“

„Das sagst du so einfach. Doch ich habe Angst.
Ich hatte früher nie Angst … vor nichts …
Und nun machen mir die kleinsten Entscheidungen, die an mich herangetragen werden Angst.“

„Das ist normal in deiner Situation.
Alles hat sich verändert. Nichts ist, wie du es kennst … die Zukunft liegt noch im Nebel.
Vertraue darauf, dass deine innere Verwurzelung dich hält.
Glaube mir … Ich bin jener vitale Teil in dir, der schon alles weiß …
Es gibt unendliche Möglichkeiten im Universum … folge einfach deiner Lust … deiner Freude …
So lange du glaubst, dass du reifen musst, irgendetwas überwinden musst, wirst du weiterhin in diesem falschen Glaubenssystem festhängen.
Es stimmt nicht.
Wenn du daran glaubst, dass jedwede Veränderung möglich ist … dann ist es so …
Es ist ganz einfach.“

Über die Langsamkeit

Wieder zurück in Berlin.

Bella hat zwei schwierige Tage hinter sich.

Plötzlich hatte sich die Stimmung verändert.
Langsam schleichend legte sich wieder so eine bleierne Schwere auf sie … eine Ausweglosigkeit … dieses Nichtgefühl … und sogleich wurde sie mutlos.
„Jetzt ist 2016“, dachte sie … „jetzt muss doch mal was losgehen“.

Immer noch ist die berufliche Situation ungeklärt.
Sie hat den Eindruck, dass sie auf der Stelle tritt.

Am Abend dann drehte sie die letzten beiden Kalenderblätter um.
Am 4.1.16 stand darauf:

Fürchte nicht langsames Wachstum. Fürchte den Stillstand.
Chinesische Weisheit

Nun ist Geduld nicht gerade ihre Stärke …
Doch es gilt wohl einzusehen, dass es noch nicht soweit ist.
In der Psychologie heute gibt es gerade einen interessanten Fachartikel zum Thema Burnout.
Experten meinen nämlich, die Burnoutsymptome seien keineswegs als individuelles Versagen zu deuten, sondern wiesen vielmehr auf ein Zeichen von Kompetenz hin. Die erzwungene Pause „sei eine angemessene Antwort des biologischen und emotionalen Systems auf die dauerhafte Überlastung“ erklärt einer der Fachleute.

Heute dann der Blick aus dem Fenster.
Es hatte über Nacht geschneit. So richtig. Mindestens 10 Zentimeter …
Und Bella hatte ein paar Termine, musste raus an die frische Luft, hin-und-herfahren, war dann noch im Park, hatte mich dabei, holte die Kamera heraus … und entspannte sich ein bisschen.

Und ich?

Ich habe eine neue Mütze und einen neuen Schal.

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Und als ich da so hockte auf der Bank, und der Wind von einem Baum den Schnee verwehte und mich einnebelte, da musste Bella ein wenig lächeln.

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Und so verbrachten wir den Nachmittag im Park, sahen Kinder mit Schlitten, kleine Hunde, eingepackt in lustige Überwürfe, entdeckten schöne Fotomotive und staunten gemeinsam über die Ruhe, die der Schnee immer über alles deckt.
Auch die Verlangsamung war spürbar … die Menschen stapfen durch den Schnee … und die übliche Betriebsamkeit wird gebremst.

Tatsächlich … scheint an dem Sprichwort was dran zu sein … und es gibt ja auch noch jenes andere:

„Wenn du es eilig hast, gehe langsam. Wenn du es noch eiliger hast, mach einen Umweg“

Ein Aphorismus aus Japan, der besagt, dass man manchmal erst durch die Umwege auf die richtige Spur kommt.
Und seien wir doch mal ehrlich – ist es nicht genau so auch beim Reisen? Entdeckt man nicht erst da „zufällig“ die allerschönsten Dinge, macht die interessantesten Bekanntschaften?
Wieso sollte das restliche Leben davon ausgenommen sein?

Gerade in der Langsamkeit liegt eine so große Qualität, weil sie von großer Achtsamkeit begleitet wird.
Das weiß jeder, der einen Garten hat.
Die Dinge habe ihre Zeit, es kann nichts beschleunigt werden … man hegt und pflegt die Pflanzen die darin wachsen … und sie haben ihr eigenes Tempo. Man lernt zu warten und sich zu freuen auf die Blüten … auf das, was die Ernte hervorbringen wird …

So ist es auch mit dem menschlichen Geist. Mit dem Leben an sich …
Die Jahreszeiten lehren den Menschen ebenso, dass alles einem Rhythmus und einer eigenen Zeit unterliegt.

Jetzt also … genießen wir doch den Winter.

Endlich ist er da.

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Wasser ist Leben

(Geschrieben am 02.08.2015)                                                                                                        Heute ist ein guter Tag.

Ich merkte es gleich.
Schon als die Bella aufstand.
Noch im Nachthemd griff sie nach ihren Stiften und fing an zu zeichnen. Mich.
Ich bin ihr gut gelungen, finde ich.
Der Tag ging dann angenehm weiter.
Die Bella zog ihre Shorts an – tatsächlich ist es sehr warm heute – packte ihren Rucksack
und stopfte auch mich mit hinein.
Ich freute mich: ein Ausflug.
Tatsächlich durfte ich dann recht schnell raus aus dem Rucksack und auf der Lenkerstange des Fahrrades sitzen.

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Nun sitzen wir im Park.
Der blaue Himmel spannt sich über dem üppigen Grün.
Es ist sehr still und ziemlich leer hier.

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Gedämpft hören wir das Rauschen entfernt vorbeifahrender Autos.

„Keki?“

„Ja, Bella?“

„Glaubst du an Vorsehung?“

„Glauben?
Ich weiß, dass die Dinge sich ab einem bestimmten Punkt auf ihre Erfüllung hin bewegen.“

„Woher weißt du das?“

„Ich habe es oft genug mit erleben  können.“

„Hm“, Bella verzieht nachdenklich das Gesicht. „ … Das ist aber nicht die Vorsehung, die ich meine …“

„Nun ja, was ist denn Vor-Sehung anderes, als all das, was du tief im Inneren fühlst? Dieses, von dem du weißt, dass es dich erfüllt und glücklich macht. Deine Seele weiß das immer. Nur neigt ihr Menschen dazu, so um eure Vorstellungen und Verpflichtungen zu kreisen, dass ihr den Ruf nicht wahrnehmen könnt.
Ihr seid so in Eile, dass ihr an der Vorsehung sozusagen vorbei lauft.
Doch das Leben sorgt immer für euch!“

Bella runzelt schon wieder die Stirn. „Na toll. Wie pathetisch. Das ist ja nun bei mir grad wirklich nicht so.
Alles ist zusammengebrochen. Im Augenblick geht ja fast nix mehr. Ich kann meinen Job nicht ausüben, ich bin total geschwächt und komplett orientierungslos. Ich weiß nicht, was „das Leben“ mit mir vorhat … Ob das alles war … ob da noch was kommt.“

Ich nicke. „Ja. Genau so soll es sein.
Für dich ist dies der Zeitpunkt, der dir geschenkt wird.
Jetzt erst kommst du notgedrungen zur Ruhe. Oder? Was meinst du selbst?“

Bella schaut in den Himmel und räuspert sich.
„In gewisser Weise schon. Du hast Recht.
Ich hab alles versucht zu verdrängen. Ich hab gar nicht wahrhaben wollen, wie unglücklich ich war. Weil ich eben nicht wusste, warum. Das weiß ich immer noch nicht. Ich habe alle möglichen körperliche Symptome bekommen, und als der Rheumatologe vor zwei Jahren sagte „chronic fatigue syndrome“, da hab ich irgendwie auch nicht richtig geschaltet. Na gut … ja … Chronisches Erschöpfungssyndrom … okay. Hab ich erst mal diese Tabletten genommen, weil ich ja fast nicht mehr schlief.
Aber begriffen, dass das schon ein Burnout war, hab ich es nicht. Das wird mir erst heute klar … jetzt, wo sich nun auch noch diese „schwere depressive Episode“ da drauf gesetzt hat. Wie lange dauert so was? Wann ist eine Episode beendet?“

„Du musst Geduld haben, Bella.
Es dauert so lange, wie es eben nötig ist. Du brauchst diese Zeit eben jetzt.
Hör dir einfach zu. Lerne wieder, nach innen zu hören, dir selbst zu vertrauen. Lerne dich nochmal neu kennen.“

Bella insistiert: „Ich dachte eigentlich, ich würde mich recht gut kennen.“

„Offensichtlich nicht. Meinst du nicht? Hättest du sonst nicht viel eher die Notbremse gezogen?
Alles verändert sich, jeden Augenblick. Nichts bleibt, wie es ist. Das mag abgedroschen klingen, doch es ist tatsächlich so. Auch du veränderst dich ständig.
Du wirst erkennen, was ist. Du erlebst genau das, was du erleben sollst. Es ist eben dein Tempo – deine Erfahrung.
Es gibt eben Umwege oder Abkürzungen und lange Pausen … du meisterst das Leben auf deine Art und Weise.“

„Und dazu gehören Kummer und Schmerz … diese Leere und Leid?“

„Ach komm. Das weißt du doch. Das gehört dazu. In dem Maße, in dem du es akzeptierst …  du also auch deine unangenehmen Gefühle akzeptierst, wird Veränderung stattfinden. Es ist deine Aufgabe, jetzt hinzusehen. Wenn du die Aufgabe annimmst, wirst du erleben, wie die Gefühle dich auch wieder verlassen. Die Energie, die du aufwendest, um sie zu unterdrücken,  kostet dich unendlich viel  Kraft. Du bist nicht im Fluss, sozusagen. Doch Wasser hat die Kraft, überall durchzudringen … selbst in die allerkleinsten Ritzen. So ist das auch mit deinen Gefühlen. Du kannst sie versuchen zu umgehen … doch sie arbeiten im Unterbewussten weiter …
Apropos … wollen wir da hinten mal zum Springbrunnen gehen? Ja?“

Das tun wir.
Es ist herrlich erfrischend hier.
Die Bella macht ein paar Fotos von mir und steckt mich anschließend schnell wieder in ihren Rucksack.
Das ist der Bella immer noch ein bisschen peinlich – so mit mir unterwegs. Doch ich bin zuversichtlich.
Der Anfang ist ja jetzt gemacht. Ich bin jetzt in aller Öffentlichkeit und eine Bloggerin. Yeaahhh. Na gut … noch nicht offiziell … noch eher so in Gedanken.
Die Bella braucht noch ein wenig. Die ist ja so gewissenhaft. Will alles richtig machen, hat Angst vor dem Scheitern, davor, immer noch, was Andere sagen … Wie soll sie denn von mir erzählen, ohne schief angesehen zu werden – so denkt sie.
Doch es kommt schon noch …. ich bin mir sicher.

Annehmen, was ist

(Geschrieben am 01.08.2015)
Der Mensch, bei dem ich gerade lebe (eigentlich muss es heissen: in dem ich gerade lebe), heißt Bella.
Eigentlich hat sie einen anderen Namen … und sie runzelt auch die Stirn, wenn ich ich sie weiterhin so anspreche, wie es mir beliebt. Doch irgendwann wird sie einsehen, dass ich Recht habe.

Dass die Bella ein schöner Mensch ist, hab ich von Anfang an gewusst, schließlich hab ich mir sie ja ausgesucht.
Ich war Zeuge ihrer Sorgen und Nöte, ihrer Glückseeligkeit und ihrer guten und weniger guten Tage.
Ich kann wohl mit Verlaub behaupten, dass ich die Bella recht gut kenne.
Sie hinkt da ein bisschen hinterher … und kriegt erst jetzt wirklich eine Ahnung davon, wer ich bin.
Dennoch haben wir uns nun eine Art Zwiesprache angewöhnt.

So ein Menschenleben unterscheidet sich nicht wesentlich von dem eines Tieres. Auch der Mensch ist ein Säugetier – wird geboren und stirbt irgendwann. Die Unterscheidung zwischen Tier und Mensch liegt einzig und allein auf der Bewusstseinsebene. Der Mensch hat ein Bewusstsein über seine Existenz. Er kann erforschen, warum und wie er etwas denkt, reflektieren und entsprechend handeln. Oder es lassen.
Alles, was passiert im Leben eines Menschen wird gespeichert, kommt in den Topf der Erinnerung. Alles, was nicht so wichtig war, wird aussortiert. Manches Unangenehme wird auch „vergessen“ – abgespalten, dissoziiert, so dass der Mensch sich nicht länger damit quälen muss. Das ist auch ein Unterschied zu anderen Säuretieren. Die schütteln eine Bedrohung, die sie überlebt haben, ab. Der Mensch speichert es im Unbewussten, wo es für den Verstand nicht mehr zugänglich ist. Doch der Körper vergisst nicht. Manchmal zeigt er mit einer Krankheit, dass es da noch etwas gibt, was nicht integriert wurde. Manchmal geschieht etwas im Außen, das den Menschen so sehr aufwühlt und ihn daran erinnert, dass es in seinem Inneren noch ein Thema gibt – eine unvollständige Gestalt, die noch nicht geschlossen ist.
Nun kann man sich dieser Gestalt annehmen, oder nicht.
Wenn man es nicht tut, wird sich zu einem anderen Zeitpunkt erneut die Gelegenheit dazu bieten.

Die Bella hatte einige Gelegenheiten. Und in letzter Zeit häuften sie sich.

Ich bemerkte eine große Veränderung.
Sie wurde unwirsch.
Sie regte sich über Dinge auf.
Sie stritt sich mit dem Graubezopften (das ist der Mann an ihrer Seite).
Sie hörte auf zu lachen.
Sie wälzte sich nachts im Bett, schlief schlecht und wurde immer früher wach.
Und wenn sie das Haus verließ, dann nur noch, um zu arbeiten.
Und die Arbeit machte ihr keine Freude mehr.
Sie redete sich das schön, doch die Freude war nicht spürbar.
Sie ging weniger aus.
Und häufig ging sie nicht ans Telefon, wenn es klingelte.
Und leider kamen auch immer weniger Besucher.

Kurz: sie hatte sich verändert.
Irgendwie war sie gar nicht mehr richtig da. Zwar körperlich anwesend, aber emotional völlig abwesend.
Die Zeiten, in denen sie sich „erholen“ musste, wurden immer länger und mehrten sich.
Jetzt … zur Zeit … ist sie erst mal jeden Tag zu Hause …

„Keki?
Sprichst du über mich?“

„Ja. Ich versuche zu beschreiben, wie es dir gerade geht – bzw., was ich wahrnehme. Doch wahrscheinlich sprichst du lieber selbst?“

Bella zieht die Stirn in Falten.
„Das ist schwierig.
Ich kann nicht wirklich sagen, wie es mir gerade geht. Da ist so eine Leere in mir. Und so eine Emotionslosigkeit … eine Art allumfassendes Nichtwissen. Ich versuche irgendwie meinen Tag zu strukturieren – du siehst das ja – doch es fällt mir schwer. Ich kann mich zu nichts aufraffen, fühle mich ziemlich paralysiert … selbst mich zu waschen und Einkäufe zu erledigen, fällt mir schwer.
Ich bin rausgefallen aus den Routinen, die meinem Leben normalerweise ein Gerüst geben … Okay … mein Biorhythmus ist der gleiche geblieben … ich werde nach wie vor sehr früh wach … doch es kommt ja nun nicht mehr drauf an … Der Tag liegt vor mir… und ich weiß nichts mit ihm anzufangen.
Da ist noch immer dieser Druck, dieses Gefühl, oder sagen wir mal – die innere Stimme, die mich antreibt, etwas >Sinnvolles< zu tun, doch ich kann für mich gerade nicht so recht bestimmen, was „sinnvoll“ meint.“

„Das ist völlig okay. Alles ist neu für dich. Du musst dich erst daran gewöhnen. Du weißt ja gar nicht mehr, wie sich Freiheit anfühlt.
Weißt du, was ich meine? Die Freiheit, wirklich allein entscheiden zu können, was dir gut tut, und danach handeln zu können.
Den Bedürfnissen nachzukommen, die deine Seele hat … endlich … jetzt … ihr zuzuhören. So lange hast du sie überhört.“

„Meine Seele? Ich bin mir nicht sicher, ob ich dich verstehe. Ja … irgendwie schon, doch ich bin noch auf der Stufe davor … ich bin noch mit Scham und Schuld beschäftigt … höre noch immer diese Stimme, die mir zuraunt, was das eigentlich alles soll, und dass ich mich doch nicht so anstellen möge und schließlich auch nichts Besonderes sei … schließlich machen doch alle ihren Job, und warum nun ausgerechnet mir das so gehen muss, dass ich so wenig belastbar bin …“

„Bella, ich seh das so, dass jetzt eben der Zeitpunkt für dich da  ist, an dem es gilt zu erkennen, wie wenig du auf dich geachtet hast. Dieser Zeitpunkt ist für keinen Menschen der gleiche. Akzeptiere einfach, dass das Leben dir hiermit eine große Chance gibt. Tief in dir weißt du, dass jetzt der Zeitpunkt genau der richtige ist. Jetzt – wo nichts mehr geht – ist die einzige Möglichkeit zur inneren Einkehr gegeben – das weißt du selbst.
Es gibt Menschen, die merken schnell, wenn etwas nicht passt, die reagieren sofort auf ihre Unzufriedenheiten und schaffen die nötige Veränderung und Anpassung an ihre Bedürfnisse. Und dann gibt es Menschen, die versuchen immer ihr Bestes zu geben und überhören dabei die Stimme ihres Herzens. Die sind so sehr darauf bedacht, es allen Recht zu machen, dass sie sich selbst hinten anstellen. Nun … zu welcher Gruppe gehörst du?“

„Ach, Keki … woher weißt du das alles?“

„Nun ja, ich bin ein Teil von dir. Jener Teil, der im Höheren Selbst verankert ist.
Auch, wenn die Menschen alle individuell verschieden sind, so wollen die wenigsten von euch unangenehme Gefühle erleben. Fast jeder von euch neigt dazu, irgendwo eine „Schuld“ zu suchen. Doch es ist nur ein Ausweichen. Es geht darum, die eigenen Gefühle wahrzunehmen und anzuerkennen. Du kannst dich jederzeit entscheiden, ob du sie annimmst oder nicht. Wenn diese vermeintlich „schlechten, unangenehmen“ Gefühle jetzt da sind, dann soll das so sein. Es ist eine Gelegenheit mehr.
Das Leben gibt dir dadurch die Möglichkeit einer Neujustierung. Vertrau einfach. Es ist für alles gesorgt.“

Bella schaut nachdenklich. „Ja. das erinnert mich an Bert Hellinger. An diesen Ausspruch: >Annehmen, was ist. Dann wirkt alles!<“

„So ist es. Gute Nacht, Bella.“

„Gute Nacht, Keki.“