Welle rauf, Welle runter

Ich war sehr fleißig in den letzten Wochen.
Obwohl ich mit einigen technischen Problemen zu tun hatte, die teilweise verheerende Auswirkungen hatten (Laptop kaputt, nicht reparabel, alle Daten weg …), habe ich es geschafft, fristgemäß meine Schneckengeschichte bei einem Wettbewerb einzureichen.
Prämiert wird das erste unveröffentlichte Kinderbuch – und bitte, drückt mir die Daumen.

Nach dem Urlaub werde ich außerdem auf Verlagssuche gehen.

Eine Freundin hatte mich angefragt für die Illustrationen für ein Umweltprojekt.
Da bin ich gerne eingestiegen und konnte schon mal testen, wie sich das anfühlt, etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig zu kriegen.

Neben den täglichen Illustrationen habe ich weiter an meinen Feder-Collagen gearbeitet, die ich bald mal zeigen werde, vorerst jedoch werde ich die hoffentlich zahlreich auf einem Hafenfest an der Ostsee verkaufen. Am Wochenende geht es los.
Da ich viele Möwenfeder-Bilder angefertigt habe, passt das ganz gut.

Ich erlebe diese Zeit gerade als eine sehr angenehme.
Dieses in-Ruhe-vor-mich-Hintüffteln, die eigene Zeiteinteilung und -gestaltung und vor allem die Stille, in die ich dabei eintauche, tun mir unwahrscheinlich gut.
Ich könnte jeden Tag auf der Wiese sitzen und mit den Zehen wackeln, wenn ich denn wollte, doch tatsächlich habe ich sehr viel gearbeitet. Dass diese Art der „Arbeit“ mir so viel Freude macht und ich so produktiv und kreativ sein kann, erlebe ich als Riesengeschenk.

Von der Stimmung her bin ich über den Berg.
Die Depression ist überwunden. Es hat dann doch fast zwei Jahre gedauert, und tatsächlich ist etwas anders als zuvor – ich bin langsamer, schneller erschöpft, Menschen strengen mich mitunter an – oder vielleicht spüre ich das einfach nur intensiver jetzt. Meine Antennen sind ausgefahren, ich weiß mehr über meine Feinfühligkeit und achte darauf, genügend Pausen einzubauen.
Jahrzehntelang habe ich in Teams gearbeitet, und nun erlebe ich, wie fein das ist, ganz allein mein eigenes Ding zu machen. Mich niemandem verantwortlich zu fühlen, nur mir selbst.
Ich bin wie meine Schnecke: ein bisschen (ziemlich viel) Einsiedelei und Rückzug in mein Schneckenhaus sind nötig, damit ich mich wohl fühle, damit meine Psychohygiene und mein Seelenhaushalt in Einklang sind.

Keki, mein kleines Kellerkind hat mir sehr geholfen, und ich ihr.
Wir sind aneinander gewachsen, haben uns gegenseitig Halt gegeben und uns getröstet.
Wir haben die alten Geschichten von damals angeguckt, geweint und getrauert. Ich habe mein Kellerkind auf den Arm genommen, es gewiegt und getröstet, und dann haben wir das Erinnerungsbuch zugeschlagen und waren uns einig – nun ist es genug.

Das Leben hat so viel zu bieten … und wir wissen darum. Täglich wird mir das bewusst, wenn ich meine Skizzen und Zeichnungen anfertige, immer bunt, immer mit einem inneren Schmunzeln. Mein Stil ist wohl ein bisschen naiv – und ich kann nicht anders malen, als so, wie ich es tue.
Da ist so viel Lebensbejahung drin und so viel Ehrfurcht und Liebe zur Natur und seinen Geschöpfen, dass ich dankbar bin, dass ich das abbilden darf.
Und auch froh bin, dass mir immer auch was einfällt, ich teilweise nicht hinterher komme, weil die Fantasie mit mir durchgeht und eine Idee die andere jagt.

Als meine Ärzte damals zu mir sagten, „Es geht vorbei“, konnte ich es fast nicht glauben.
Dieses schwarze Loch, das mich zu verschlingen drohte, erschien mir endlos und von magnetischer Kraft.
Ich hatte Menschen an meiner Seite, die halfen und Anstöße gaben, eine super Psychiaterin, die immer akzeptierte, dass ich nie ein einziges Psychopharmaka schluckte, eine Psychotherapeutin, die mich immer wieder auf mein Fühlen und mein eigenes Erleben zurückführte und konstant an meiner Seite war, eine tolle Kunst- und eine bemerkenswerte Musiktherapeutin während meiner Reha im vergangenen Jahr. Ich machte eine Familienaufstellung, ich unternahm eine schamanische Reise, ich wurde homöopathisch unterstützt – und nicht zuletzt war meine Familie mein sicherer Hafen.
Meine Tochter, mein Lebensgefährte, meine Eltern sie waren einfach DA – alle auf ihre Art und Weise.
Es war bestimmt nicht leicht für sie, mich in diesem veränderten Zustand zu nehmen, mich zu lassen, etwas hilflos daneben zu stehen.

DANKE euch, meine Liebsten.

Und dass ich also in ein paar Tagen an der Ostsee sein werde mit einer großen Auswahl meiner Bilder, macht mir einfach nochmal sehr deutlich, welche verschlungenen Wege es manchmal zu gehen gilt, dass man um den Schmerz nicht immer rum kommt, und wie er auch sein Gutes hat. Manchmal gelangt die Seele wohl an diesen tiefsten Punkt, um von dort aus zu transformieren und sich ins Licht zu erheben. Sie lässt uns die Erfahrung machen, dass die Welt nicht untergeht, dass wir dennoch gehalten sind und vertrauen dürfen (bei mir war das jedenfalls so).

>Welle rauf, Welle runter< entwickelte sich in meiner Therapie als eine Art Bonmot für meine emotionalen Gemütszustände – heftige Erregung und tiefe Verzweiflung. Und dann auch wieder Phasen, wo das Wasser stiller und ruhiger wird. Auf diese Phasen will ich warten und vertrauen – da bin ich handlungsfähig. Und nebenbei kann man ja auch surfen lernen. Die Welle zu reiten – so wie sie kommt und Möglichkeiten wahrzunehmen.
Es besteht keine Eile – alles kommt zur rechten Zeit.

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6 Gedanken zu “Welle rauf, Welle runter

  1. Wie gerne ich das jetzt alles gelesen habe, liebe Muschelfinderin, du bist durchs Dunekltal gegangen und bist nun wieder auf der lichten Seite angekommen und hast deine kreativen Seiten entdeckt (?) und leben gelernt, ein wunderbares Beispiel dafür, dass es gehen kann!
    herzliche Sonntagsgrüße
    Ulli

    Gefällt 1 Person

    • Guten Morgen, liebe Ulli.
      Herzliche Sonntagsgrüße auch zu dir.
      Meine kreativen Seiten waren schon immer da, ich war nur zu erschöpft, zu beschäftigt, mich ihnen zu widmen. Nun merke ich, wie sehr sie schon immer mein ganz Wesen beeinflusst haben. Und jetzt kann ich ihnen genügend Raum einräumen.
      Danke, dass du mein Schreiben immer verfolgst.

      Gefällt 2 Personen

      • Das freut mich sehr. Schade ist es, dass ich zur Zeit eher weniger in den Blogs von anderen lese, weil das Zeichnen und die Collagen doch auch viel Raum einnehmen. Ist jedenfalls schön, dich ein wenig virtuell kennengelernt zu haben. Und ich hoffe, dass ich bald wieder mehr zum Lesen komme.

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  2. Du bist ein weiteres, lebendiges Beispiel für manche universelle Wahrheit. Bist durch deinen Schmerz gegangen, hast ihn angenommen als deines und ihn langsam, aber sicher umgewandelt. Bist verändert wieder aufgetaucht.

    Ich freue mich, von Dir zu lesen, freue mich, dass es Dir gut geht und wünsche Dir von Herzen Erfolg!

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