Spiele das Spiel

Es gibt kaum einen (deutschsprachigen) Schriftsteller, den ich so sehr verehre wie Peter Handke.
Seit ich mit seinen ersten Texten in Berührung kam, die mich anfangs sogar abgestoßen haben, nimmt er mich gefangen. Das ist es wohl … seine Sprache fesselt mich, lässt mich aufhören und berührt mich auf eine Art und Weise, die etwas in mir atmen lässt, mich in Freiheit entlässt.

Der Ausstieg aus gängigen Beschreibungen etwa.
Damals in der Oberstufe hatten wir zuerst „Kaspar Hauser oder die Trägheit des Herzens“ von Jakob Wassermann gelesen. Und direkt daran im Anschluss „Kaspar“ von Peter Handke.
Ein Bühnenstück, in dem einem verwahrlosten Wilden Sprache eingetrichtert werden soll, indem sie ständig monoton wiederholt wird.
„Ein Tisch ist ein Tisch“ …
Unsere Klasse spaltete sich in zwei Lager: jene, die diese Lektüre hassten und jene, die sich nach und nach in sie einfühlten, die mit diesem bis dahin experimentell neuen Umgang von Sprache ein bisschen was anfangen konnten.
Ich gehörte zu Letzteren und hatte heftige Diskussionen mit meinen Freundinnen und Klassenkameraden. Bewegt hatte uns die Lektüre irgendwie alle.

Dann kamen die Jahre in denen man „Die linkshändige Frau“ las und anschließend auch den Film ansah, mit dem Handke seine erste Regiearbeit ablieferte.

1987 entstand zusammen mit Wim Wenders das Drehbuch zu „Der Himmel über Berlin“, der bis heute zu meinen Lieblingsfilmen gehört. Bruno Ganz und Otto Sander in ihren Glanzrollen. Tief eingeprägt hat sich mir die Filmszene, in der beide als Engel oben auf der Siegessäule sitzen oder auch diese, in der sie die Staatsbibliothek besuchen und die Gedanken der dort sitzenden Menschen hören.
Auch die Szene, in der ein Radfahrer tödlich auf der Czeminski-Brücke verunglückt … und der Engel ist da und gibt ein letztes Geleit und hilft hinüber.
Mein alter Kiez, dort bin ich aufgewachsen, mein Vater hat in der Straße lange Jahre gearbeitet, und viele Jahre später führte mich mein täglicher Arbeitsweg über diese Brücke.
Nie konnte oder kann ich da entlang fahren, ohne an den Film zu denken … an diese Szene, in der der Mann stirbt.

Eine der für mich eindrücklichsten Aussagen des Filmes ist diese:
Als das Kind Kind war.
(Kann sein, dass ich es schon mal verlinkt habe).

Mein Lieblingsgedicht von Handke ist:
 Spiele das Spiel

Ich habe es an meiner Wand hängen. Ich hatte mir extra ein Bild gemalt und das Gedicht eingefügt. Weil ich es liebe. Weil ich täglich darauf schaue und mich darin finde.
„Gehe über die Dörfer …“

Was es genau ist, dass dieser Mann mich so sehr berührt, kann ich gar nicht sagen.
Es muss so eine Art Seelenverwandschaft sein … die Angehörigkeit zur selben Sippe … die Schönheit der Sprache und ihre Scheu davor.
Auch Roger Willemsen hat viele Jahre später mein Herz erreicht.
Doch Handke bleibt da in meinem Schatzkästchen.

Nun ist ein Fimporträt über ihn herausgekommen. Schon am 10. November …

Bin im Wald. kann sein, dass ich mich verspäte
Und ich werde mich sputen, dass ich mir das noch rechtzeitig ansehen kann.

Ein Jahr ist rum

Bella hat unseren Blog-Geburtstag vergessen.
Ich habe sie zwar erinnert, aber sie hat so getan, als hörte sie mich nicht.
Ich steckte im grünen Beutel, verstaut im Wohnzimmerschrank – und da konnte sie natürlich gut sagen, dass meine Stimme viel zu leise war, um an ihr Ohr zu dringen.
Ha ha … sie redet sich immer noch raus.
Ihr zartes inneres Seelenstimmchen hätte nix mit mir zu tun?
Jessas … Mädchen, was hast du gelernt in dem Jahr?

Immerhin kam sie ihren anderen Impulsen nach.
Setzte sich jeden Tag hin und malte ein Bild.
Auch noch nach dem #inktober ging das weiter … so entstanden lustige, zarte kleine Tierbildchen, die in erster Linie eines gemeinsam hatten: Sie machten ihr Freude, bzw. die Anfertigung machte ihr Freude.
Während sich das Familienleben als schwer herausstellte, verhalfen die Mal-Sessions zu kleinen Auszeiten, kurze Meditationen im Alltag, in denen sich trotz der Sorgen das innere Kind rühren und zeigen durfte.

Einerseits machten sich alte, längst überwunden geglaubte Gefühlswelten bemerkbar. Regression und Rück-Erinnerungen hielten Einzug, Fassungslosigkeit und Angst legten sich über die Tage und vor allem über die Nächte.
Viel Schlaf gab es nicht.
Hallo Depression – da bist du ja wieder …
Wieder ein Rückzug. Wieder ein Nach-Geben in die Schwäche, wieder ein Abtauchen und die eigene innere Beschimpfung es nicht besser zu können …
Doch Bella macht auch gerade wieder viel Energiearbeit und vertraut auf einer Ebene ihrer inneren, göttlichen Führung.
An einem dieser Tage, es war der Tag des Supervollmondes, malte sie ihre innere Kriegerin und gestand sich damit ein, nicht scheu und hilflos und ein Opfer zu sein, sondern machtvoll und verbunden mit allem.
Eine Entscheidung.
Ein Ausdruck der Liebe zu sich selbst.
Eine Rückbesinnung in das Vertrauen hinein.
Auch ein Fallenlassen in die Angst und in den tiefsten Schmerz, denn erst das Aufgeben des Widerstandes gegen das Gefühl macht das Gefühl erlebbar … erst die Tränen, die geweint werden müssen, spülen all das hervor, was angesehen und transformiert wird.

Und dann tauchte wieder ein Wunder auf … wieder einmal zeigte sich, dass die richtigen Menschen zum rechten Zeitpunkt auftauchten. Die Dinge formierten sich, es ergaben sich diese bemerkenswerten Zu-Fälle.
Und so steht ein schamanisches Seminar an, über das Bella schon lange nachdachte, und das ihr jetzt sozusagen in den Schoß fiel.
Sterntaler lässt grüßen.
Seht ihr mich lächeln?

Mittlerweile gibt es eine neue Idee – ein neues Projekt, das wir euch in Kürze hier vorstellen werden.

Vorerst werden wir uns nun aber doch alle versammeln und den Blog-Geburtstag nachfeiern.
Der war nämlich schon am 10.11. Und Bella bekam auch eine Benachrichtigung, dass sie ihren 100sten Beitrag verfasst hatte – 100 !!! Wie toll. So viel ist hier entstanden in diesem einen Jahr.

Und dann … *Trommelwirbel an* … wollen wir natürlich auch feiern, wie ihr alle die Bella hier mit euren Likes und Kommentaren unterstützt habt, dass ihr hier mitlest und dabei bleibt.
117 Follower zeigt die Statistik an. WOW.
Jeder/m Einzelnen von euch sei ein Gläschen Sekt eingeschenkt, oder ein Lächeln oder eine Umarmung geschenkt.
Sucht euch was aus.

Ein riesengroßes
D A N K E S C H Ö N.
Ihr seit großartig.

Und nun …  fast alle Gefährten der letzten Tage und Wochen sind gekommen.

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Die Party kann beginnen. Feiert ihr mit?

Parallelwelt

Mein Leben spielt sich im Krankenhaus ab.
Gerade.
Ein geliebter Mensch meiner Familie, von dem ich irgendwie glaubte, nichts könne ihn je umwerfen, ist plötzlich krank.
So aus heiterem Himmel …
Wo er doch vorher nie krank war …
Einmal in 55 Jahren eine heftige Grippe mit Halluzinationen … ansonsten erinnere ich nichts …
Nichts …
Und damit rückt auf einmal das Thema von Stephan, der mich mit einem „Liebsten Award“ nominiert hat (vielen herzlichen Dank dafür), ganz nah an mich heran …

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„Stell dir vor, du wüsstest, dass du im nächsten Moment sterben wirst. Was wären deine letzten Worte an die Welt, was wäre deine Botschaft für die Menschen?“

Die Endlichkeit des Lebens ist uns wohl allen bewusst …
Wir wissen das …Irgendwann werden wir gehen müssen.
Doch ist uns wirklich bewusst, was das für eine Gnade ist, dass wir wirklich hier sein dürfen?

Jetzt, wo mein Vater im Krankenhaus liegt und der Krebs sich in unserer Familie eingenistet hat, registriere ich, wie viel Gnade ich bereits erfahren durfte.
Bislang war er immer da … Meine ganze Kindheit hindurch hat er mich begleitet – und weiter durch die Pubertät bis hinein in mein fortgeschrittenes Erwachsenenalter.
Meine Eltern sind nächstes Jahr 60 Jahre miteinander verheiratet.
Werden sie das noch erleben können? Gemeinsam?
Es ist ein schwieriges Jahr – dieses 2016.
So Viele mussten gehen …
JedeR, die/der jemanden verloren hat, wird wissen, wie schmerzlich das ist.
Ich und meine Familie … wir befinden uns noch im Stadion von Zittern, Bangen und Hoffen …
von Nicht-Wahrhaben-Wollen, Verleugnung, Optimismus und Festhalten … Beten und Glauben.
Alles, was vorher schwierig war, ist auf einmal unwichtig.
Problematisches erscheint vergessen und vergeben …
Die Liebe hat auf einmal alle Kanten ausradiert und milder schraffiert…
Da sind nur die Herzen, die klopfen …
Die Augen, die sich betrachten, Hände, die einander berühren …
Und Gedanken, die man fast spüren kann.
Ich sehe meinen Vater an, und weiß, dass er sich mehr um meine Mutter sorgt, als um sich selbst.
Und ich sehe meine Mutter an, und weiß, dass sie vor Kummer keine Nacht schläft.
Bemerke, wie sie immer schmaler wird, und die Müdigkeit ihr Gesicht zeichnet …

Ich schrieb diese ersten Absätze vor fast zwei Wochen, und daran anschließend kamen dann weitere Belastungen dazu.
Meine Mutter brach zusammen und kam ebenfalls ins Krankenhaus, und ich wanderte eine Woche lang zwischen den Stationen hin und her.
Jetzt ist sie wieder zu Hause, fragil, kaum fähig, sich um sich selbst zu kümmern.
Ich bin in Sorge …
In mir ist eine Ohnmacht, dass diese Situation nicht kontrollierbar ist … wir sie alle nur irgendwie hinnehmen müssen und hoffentlich einigermaßen da durch kommen.

Ich reagiere stark. Auch körperlich … mit Symptomen.
Versuche, Ruhe in die Situation zu bringen, doch erinnere so vieler Dinge aus meiner Kindheit, die plötzlich in einem Maße angetriggert werden, die meinem erwachsenen Handeln nicht zuträglich sind.
Daneben setze ich mich hin und versuche, wann immer es geht, ein kleines Bildchen zu malen.
Schlüpfe in eine Parallelwelt – ähnlich, wie ich das als Kind getan habe.
Doch ich merke, wie ich dort zur Ruhe komme, der Spannungsbogen nachlässt und ich das Malen fast wie eine Meditation empfinde.

Ich verlasse jetzt diesen Schauplatz
und komme zur eigentlichen Frage zurück:
Wie würde es mir selbst gehen, wenn ich gehen müsste? Jetzt …
Mein eingestelltes Bild trifft es wohl ganz gut.
Ich habe noch Träume.
Visionen.
Mein Pa möchte noch eine Reise machen …
Ich auch …
Ich möchte noch viele Reisen machen.
Ich habe den Eindruck, noch nicht genug von der Welt gesehen zu haben.
Ich kann nicht sagen, dass das nun ein erfülltes Leben gewesen wäre.
… Also so in Gänze. Dass es wirklich abgeschlossen wäre. Und ich vollständig in mir ruhend und zufrieden …Da ist noch etwas, immer wieder, was ich wissen will, wo ich weiter möchte.
Was ich lernen mag.
Erkunden, entdecken, neu erfahren, den Blickwinkel weiten.

Mein letzter Satz wäre wohl:
„Ach … schade … Jetzt schon?“

(Ich lese gerade aus Gründen recht wenig in anderen Blogs. Verbringe einen Großteil meiner Zeit mit meiner Familie. Daher werde ich keine 10 weiteren Blogger vorschlagen – wie die Spielregeln es  vorsehen – und bitte um euer Verständnis.)

Die letzten Illustrationen

Der Oktober war ein schwieriger Monat. Ich berichte in Kürze mehr. Vorab allerdings stelle ich die noch ausstehenden Inktober-Zeichnungen ein.

Day 19, FLIGHT („Anschauungsunterricht“)thumb_pa199431_1024

Day 20, SQUEEZE („Aua, doch nicht so doll… „)thumb_pa199433_1024

Day 21, BIG („Manchmal muss man seine Gewohnheiten überdenken“.)thumb_pa209446_1024

Day 22, LITTLE (Mein Ausflug ins Elfenland)thumb_pa209448_1024

Und noch ein #Birdoberthumb_pa209451_1024

Day 23, SLOW („G a a a n z langsam schleicht sich das Chamäleon an. Die Fliege sollte tunlichst verschwinden.“)thumb_pa239459_1024

Und der entsprechende Vogel („Langsam ist er nur an Land.“)thumb_pa239456_1024

Day 24, ONE DOZEN („Eins … zwei … drei … vier …“)thumb_pa259474_1024

Day 25, TIRED („Müdigkeit steckt an“)thumb_pa259478_1024

Day 26, BOX („Ich fress dann mal was anderes.“)thumb_pa319725_1024

Day 27, CREEPY („Der Vogel lacht sich schlapp.“)thumb_pa279487_1024

Day 28, BURNthumb_pa309717_1024

Day 29, SUPRISEthumb_pa309714_1024

Day 30, WRECKthumb_pa319729_1024

Day 31, FRIEND („Freunde kann man wirklich überall finden. >> Oben: Titelbild