Habseligkeiten

Heute beteilige ich mich mal wieder mit einem Beitrag bei txt von Dominik Leitner.

Ich wünschte, ich hätte nur ein paar Habseligkeiten – Schätze, die mir wirklich etwas bedeuteten, die – da ist die deutsche Sprache einfach großartig, ein Hab meiner Seele widerspiegelten.
(Ich übersetze diese Begrifflichkeit für mich anders als der Duden.)
Doch ich habe Dinge.
Viele Dinge.
Eine ganze Wohnung voll.
Vier Zimmer, Küche, Bad, Toilette, Flur – und alle bestückt mit Möbeln, in deren Innenleben sich Zeugs befindet, das ich natürlich unbedingt brauche.
Na gut – so ist das eben in Familien.
Mit den Jahren wird das immer mehr.
Stimmt – einen Keller gibt es auch noch.
Dort lagern seit vielen Jahren noch Sachen meiner Tochter, die ich mal verkaufen wollte – ganz schöne Kinderbücher, Spielsachen, Plüschtiere … alte Schlittschuhe, die nicht mehr passen, ein paar Jacken, zwei Kisten Weihnachtsdeko.
Ich wohne in einem Altbau – in einem Berliner Altbau, und das Haus, bzw. der Keller ist schlecht isoliert – und total gruselig.
An manchen Stellen muss man den Kopf einziehen, weil Rohre die Decke kreuzen, mehrmals muss man um die Ecke biegen; bei funzligem Licht, das dann auch noch flackert, darf man um Gottes Willen nicht die Taschenlampe vergessen, denn wenn jemand zufällig ebenfalls im Keller unterwegs ist und das Licht ausmacht, steht man plötzlich im muffigen Dunkel und sieht die Hand vor Augen nicht.
Dem Liebsten ist das mal passiert. Der hat sich dann mit den Händen an der Wand entlang getastet und sich gehörig den Kopf angeschlagen …
Ich habe einen der letzten Keller, ganz am Ende eines verschachtelten Ganges – und alles, was ich aufgehoben habe, ist modrig und schimmelig. Alles für die Tonne.
Das gehört alles weggeschmissen. Die Bücher stinken und sind nicht mehr nutzbar. Natürlich will ich das endlich mal machen – alles wegschmeissen, aber irgendwie stören die Dinge ja nicht, sagt sich der innere Schweinehund.

Weil der Keller also so schrecklich ist, gibt es noch im Flur die Möglichkeit, Einiges auf dem Hängeboden zu verstauen. Dort finden sich Koffer in verschiedenen Größen, Reisetaschen, eine Kiste mit Osterdeko (von der ich keinen Gebrauch mehr mache), alte Zeitschriften – ein ziemlicher Stapel, so dies und das.

Ich weiß es natürlich besser.
Es ist ein ganz mieses FengShui, wenn Keller und Hängeboden so voll sind mit Zeugs, das man gar nicht mehr benutzt. Schon klar. Das Chi will ja fließen oder kreisen oder so.

Und natürlich hab ich so viel Geschirr, Küchenmaschinen, Klamotten, Werkzeug, kreative Materialien (!!!), dass locker nochmal drei oder vier Leute mehr davon Gebrauch machen könnten.

Vor Jahrzehnten, als ich Anfang Zwanzig war, zog mal eine Bekannte um.
Die hatte, sage und schreibe, fünf Umzugskisten, ein Bett und ein kleines Sofa. Mehr nicht.
Das hat mir sehr imponiert – wie man mit so wenig auskommen kann.
Vor allem, wie schnell man mit seinen Habseligkeiten einfach mal den Ort wechseln kann.
Ganz problemlos.
Eine Freundin hat durch äußerst schwierige Lebensumstände mal ihr ganzes Hab und Gut verloren. Zuerst war sie komplett paralysiert und geschockt, doch dann, so vertraute sie mir an, fühlte sie sich so frei, wie niemals zuvor.

Das, was wir horten, gibt uns keine Sicherheit.
Es schützt uns nicht vor Krisen und macht uns nicht reicher, wenn der innere Reichtum fehlt.
Es sind nur Dinge, die wir angehäuft haben, und die wir verwalten müssen, säubern, aufbewahren … es macht Arbeit und kostet Zeit, die für anderes vielleicht viel besser verwendet wäre.
Und nichts davon können wir mitnehmen, wenn wir diese Welt wieder verlassen.

Nicht auszudenken, wie bei mir der nächste Umzug ablaufen wird.
Das steht irgendwann an – wenn meine Tochter ausgezogen ist, wird sich wahrscheinlich meine Wohnsituation auch verändern.

Und woran hänge ich? Was muss ich unbedingt mitnehmen?
Und wie blockiert bin ich, wie schwerfällig, dass ich so gebunden bin an diesen Ort mit diesen scheinbar wichtigen Besitztümern?

Minimalistischer zu leben, erscheint mir zum jetzigen Zeitpunkt ziemlich attraktiv.
In der Familie sind wir dazu übergegangen, dass wir uns nichts Materielles mehr schenken, sondern eher Zeit, die wir gemeinsam miteinander irgendwo verbringen.

Denn darauf kommt es doch an – was zählt, sind die Stunden, in denen wir gelacht und geliebt haben.

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12 Gedanken zu “Habseligkeiten

  1. Hallo.

    Wesentlich ist es, anzufangen mit dem Entrümpeln. Und gut ist es, das nicht alleine zu tun. Fang am besten mit dem Keller an; da brauchst Du nicht zu überlegen.

    – Jeden Tag eine Tüte voll; nur eine. 😉

    – Und für alles, was neu kommt, was Du an Sachen kaufst, müssen zwei Sachen gehen. 😉

    Und laß Dich dabei von Deiner Tochter unterstützen und von Deinem Liebsten auch.

    Liebe Grüße,
    Frank

    Gefällt 6 Personen

  2. Wie ich das kenne. Selbst habe ich schon zweimal (besagte schwierige Lebensumstände…) mit wenigen Kartons und ein paar Müllsäcken da gestanden, bin heute eher minmalistisch veranlagt (wenn ich vom Werkzeug mal absehe). Frauen, speziell Mütter sind da wohl anders, das erlebe ich bei der Liebsten ebenso 😉

    Zeit schenken ist wichtiger, ja…

    Lieben Gruß!

    Gefällt 3 Personen

    • Na ja … ab einem bestimmten Alter hat man einfach auch Vieles. Alleine die Unmengen an Büchern. Vor ein paar Jahren habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen, Bücher weg zu geben und nicht ewig aufzuheben – wirklich nur die Lieblingsbücher – doch mehr als zwei volle Regale mag ich einfach nicht mehr an der Wand haben.

      Gefällt 5 Personen

  3. Ich könnte auch mit 5 Kartons umziehen. In den Meisten wären Dvd’s 🙂 Achja und die 5 Bananen Kartons CD’s im Keller die ich nicht mehr haben will. Können die nicht von ner Ratte aufgefressen werden, dann bekomme ich richtig viele Taler von der Versicherung 🙂

    Gefällt 2 Personen

  4. sehr löblich 🙂 Zeit statt Sachen zu schenken. Denn auch „Sachen“ wollen mit Zeit bedacht werden, darüber habe ich mir schon viele Gedanken gemacht. „Dinge“ leben und im besten Fall – mit uns. Viel ERfolg und gutes Gelingen auf dem Weg zum „minimalen Sein“ – wir werden immer mehr 🙂

    Gefällt 2 Personen

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