Den Schalter umgelegt

Irgend etwas ist anders heute.
Schon die ganze Woche über.

Wir haben jeden Morgen mit Meditation begonnen.
Wenn ich wir sage, meine ich natürlich Bella und mich.
Ich bin ja nicht nur ein Plüschtier.
Im eigentlichen Sinne bin ich ja ein Teil von ihr, ein Aspekt ihrer Seele.
Jener Teil, der verspielt ist und frei von Bewertungen und Zuschreibungen.
Wir meditierten also eine halbe Stunde – jeden Morgen.

Dann waren wir zweimal schwimmen, und Bella schaffte ihre 60 Bahnen in 40 Minuten.
Jau. Great.

Und eben waren wir sogar laufen, also joggen.

Unglaublich, wie schön es morgens im Park ist.
Die Sonne, die Frisches des jungen Tages, nur wenig Menschen – meist ebenfalls Läufer oder Hundemenschen mit ihren Lieblingen.
Vögel, Eichhörnchen … und sogar ein kleines Kaninchen lief uns mitten vor die Füße und blieb keine 2 Meter entfernt auf einer Wiese sitzen, um dort gemütlich frisches, grünes Gras zu mümmeln.

Bella merkte nach den ersten 100 Metern schon ihre Waden, doch das gab sich, und so schaffte sie den ganzen Weg von Wilmersdorf bis zum Rathaus Schöneberg – eine Strecke von 7,5 Kilometern hin und zurück.
Also alle Achtung. So von 0 auf Gleich: eine prima Leistung.
Dann gab es zu Hause noch ein bisschen Stretching, und sogar die Hanteln wurden noch hervor geholt.

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Seit fast 2 Wochen kein Fleisch (nur zu Ostern), keine Süßigkeiten, kein Alkohol.
Jeden Morgen ein Grüner Smoothie.

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Und der wunderbare Nebeneffekt: anderthalb Kilo an Gewicht verloren.

Was ist passiert?
Was hat sich verändert?

Irgendwie hat sie den Schalter umgelegt, hat begriffen, dass sie sich auf das zubewegen muss, was sie sich wünscht: Gesundheit, Zufriedenheit, Glück und Liebe.

Fing es mit dem Körper an? Oder in der Psyche? Was wirkte in der Seele?
War da zuerst das Huhn oder das Ei?

Wahrscheinlich kommt alles zusammen.
Die lange lange Zeit des inneren Rückzuges.
Erst die Erstarrung, dann in den letzten Wochen sehr viel Traurigkeit.
So viel kam da ins Bewusstsein … längst Vergessenes zeigte sich und wurde beweint.
Die große Angst vor der Überflutung … nun ja … die Angst ist halt immer größer als das Geschehen selbst.
Die Angst zelebriert die Vergangenheit, hält sie fest … oder bindet an die Zukunft, an etwas, das noch gar nicht ist.
Was tatsächlich geschieht – jetzt – wenn dann Trauer zugelassen wird, wenn dann Tränen fließen, ist ein tiefes Empfinden, ein tiefes Einsinken, eine große Woge, die mitnimmt und wieder an Land spült, ist etwas völlig anderes. Es ist nicht angenehm, aber es reinigt und putzt alle verstaubten, dreckigen Ecken sauber.
Und dann ist da Ruhe und Atmen und Friede.

So unzählige Male geschehen.

Auch eine andere Sache hat Bella noch ausprobiert: die sogenannten Trauma release exercises (TRE).
Über eine Münchner Psychologin ist sie darauf aufmerksam geworden.
Man macht bestimmte Übungen, die ein unkontrolliertes Zittern im Körper auslösen. Dieses Zittern verhilft dem Körper, sich von traumatischen Erlebnissen zu befreien – ähnlich wie bei Tieren, die sich nach einem großen Schreck ordentlich schütteln und weitermachen wie vorher. 
Der Mensch hat dieses Abschütteln nicht gelernt, und viele Erfahrungen sind im Körper gespeichert. Interessant bei der Methode ist, dass die Prozesse einfach wie von selbst ablaufen, man muss gar nicht wissen, um was es geht. Das Körperbewusstsein vergisst nie, und so werden die Muskeln geschüttelt, die das brauchen. Das Ganze geschieht wie gesagt unwillkürlich – nicht vom Willen steuerbar. Manchmal passiert gar nichts, dann kommen Zittern und Zuckungen, die sich bis in den Bauch, die Schulter, die Arme fortsetzen können. Es können Emotionen hochkommen, das ist dann gut und erwünscht, es kann aber auch sein, dass diese sich nicht zeigen. Auch das ist in Ordnung.
TRE hat sich aus der Bio-Energetik von Alexander Lowen, einem Schüler Wilhelm Reichs, weiterentwickelt.
Ob man das nun in einer Gruppe macht, unter Anleitung, nach Buch – für sich alleine, muss man für sich klären.
Ansehen kann man sich das natürlich im Netz – es gibt genügend Videomaterial dazu.

Menschen funktionieren auf ihre Art und Weise.
Man muss rausfinden, was richtig ist für einen selbst.
Bella kommt am besten in die Entspannung, wenn sie sich vorher verausgabt hat – deswegen sind Schwimmen und Laufen einfach ideal für sie – noch dazu ist es unabhängig von anderen durchführbar, ganz nach eigenem Tagesrhythmus.
Und so startet Bella schon morgens, sie ist ja früh wach. Und da sie gerne in der Natur unterwegs ist, ist die Runde durch den Park sozusagen der Frischluftkick schlechthin.

Yoga und QiGong bringen nicht die gewünschten Ergebnisse. Bella quält sich da eher hin, den begonnenen QiGong-Kurs hatte sie aus diesem Grunde abgebrochen.

Und so ist jetzt kaum merklich … eigentlich erst heute Morgen so ein leichter, noch nicht fassbarer Hoffnungsschimmer aufgetaucht.
Die Sonne scheint, die Tochter kommt aus den USA zurück, der Graubezopfte trudelt auch am Wochenende ein … schöne Aussichten.

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15 Gedanken zu “Den Schalter umgelegt

  1. Super anregender Text…soviel Gutes…. ab und zu, manchmal mehr machmal weniger erhellt es, mich und ich kenne viele andere, den Schalter umzulegen… gut für die, die darum wissen….

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  2. Radikal richtig und ehrlich, wie ich empfinde… steckt schon in dem Wort De-pression…
    Weg-drücken… vom Zustandswort zum Bewegungswort… ein Prozess bis zum Schalter umlegen… in eine andere Richtung drücken… deshalb gefällt mir dein Titel sooooooo…. 🙂

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    • Klasse … so hab ich es noch gar nicht gesehen. Immer wieder gut, die Kommentare zu lesen, in den Austausch zu kommen. Ja … du hast völlig recht. Kevin Bildet (der Ehemann von Brandon Bays – The Journey) sagt: „Depression ist eine Wahl“. Natürlich ist uns das nicht immer klar, doch es tut gut, sich zu erforschen und sich auf die Schliche zu kommen, zu erleben, wie man sich den Käfig selbst gebaut hat.

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  3. Danke für diesen tollen Bericht.

    Besonders beeindruckt haben mich die Worte
    „Die Angst zelebriert die Vergangenheit, hält sie fest … oder bindet an die Zukunft, an etwas, das noch gar nicht ist.“

    In der Tat bewundere ich bei meinem Hund, dass er sich schütteln kann. Und alles ist (wieder) gut.

    Danke für den Tipp zu TRE. Gibt es da Videos, die besonders empfehlswert sind?

    Es ist schön, den Tag zu beginnen mit dem Lesen eines so kraftvollen Berichtes.
    Liebe Grüße nach Berlin,
    Ulf

    Gefällt 1 Person

    • Lieber Ulf, danke für deinen Besuch hier bei mir.
      Die Münchner Psychologin, die ich mir angesehen habe, ist nur in einer geschlossenen Gruppe anzusehen. Es findet sich aber so einiges im Netz … in englischer als auch in deutscher Sprache. Schau dich einfach mal um. Gibt natürlich auch Literatur und Therapeuten, die das anbieten. Ich mag jetzt niemanden speziell empfehlen, da ich mich auf diesem Gebiet nicht auskenne – kann aber nur sagen, dass ich selbst diese Übungen jetzt dreimal gemacht habe – jedes Mal schüttelte sich was anderes … Unglaublich, dass ich das nicht mit dem Willen tat – wie von Zauberhand geschieht es einfach. Nach Tag drei hatte ich sogar Muskelkater.

      Gefällt 2 Personen

  4. Hallo!

    Ich traue mich wieder einmal in einen Blog meine Meinung reinzuschreiben.
    Habe gestern darin rumgestöbert und entdeckte die Info-TRE-. Habe gleich mal gegoogelt. Das könnte auch für mich etwas sein. Bin Enkelin des 1.Weltkrieges und Tochter des 2. Weltkrieges. Bei mir gibt es da sehr viel aufzuräumen. Bin schon über eine längeren Zeitraum dabei, das alles zu machen und es konnten bereits Traumata gelöst werden (sehr schwere). Mit dem Zittern habe ich kein Problem, weil ich es von der intensiven meditativen Arbeit her kenne. In meiner Nähe gibt es eine HP, die die Ausbildung hat. Werde im Spätsommer das mal ausprobieren. Zur Zeit stehen mir wieder sehr intensive Meditationstage bevor – mal sehen was da wieder alles zum Vorschein kommt und dann muß der Körper dies erst verarbeitet haben, bis ich etwas Neues mache. Mein Osteopath hat auch körperliche Trauma herausgeholt.
    Vielen Dank, das Du darüber berichtet hast. Man lernt nie aus.

    Viele Grüße Sybilla

    Gefällt 1 Person

    • Liebe Sybilla, warum solltest du auch nicht deine Meinung schreiben? Freut mich immer, wenn ich hier feedback kriege.
      Weißt du, seit ich nun vor einiger Zeit auf TRE gestoßen bin, lese ich überall was darüber, finde Infos oder Kurse.
      Der Körper kann sich wieder holen, was er braucht, um zurück in seine natürliche Balance zu kommen.
      Ich wünsche dir gute Meditationstage und, solltest du mit TRE beginnen, da auch viel gute Ergebnisse.
      Herzliche Grüße, die Muschelfinderin.

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