Eine Frage der Zeit

(Geschrieben am 07.10.2015)

Jetzt hat sich das Wetter verändert.
Die Sonne hat sich erst mal verabschiedet, und Kühle und eine graue Wolkendecke haben Einzug gehalten.

Auch im Inneren hat sich ein Wandel vollzogen.

Bella malt.
Jeden Tag.
16 Bilder sind schon fertig geworden.
Große und kleine. Und mit jedem Bild wächst die Übung, verändert sich der Ausdruck, kommen neue Ideen dazu.
Das, was mit Sprache nicht zum Ausdruck kommt, findet ein Ventil im kreativen Prozess.

Auch zu mir hatte die Bella einen neuen Einfall.
Das war in der Wanne.
Wenn die Bella badet, dann scheint sie so zu entspannen, dass ihr die verrücktesten Gedanken kommen. Dann fällt das Fühlen auf einmal wieder leichter.
Baden ist also eine gute Therapie.
Also jedenfalls fiel der Bella zu, dass ich ein Tattoo kriegen soll – so viel kann ich schon mal verraten.
Und sie fühlte sich ganz euphorisch. Und hatte eine Geschichte im Kopf, die sie erzählen wollte.

Doch schon zwei Tage später zweifelte sie wieder, horchte in sich hinein, ob dieses Gefühl denn echt sei. Ob denn das nicht alles Quatsch wäre. Wieder ganz im Zweifel.
In diesen Situationen steht sie nicht zu mir.
Die Idee mit der eigenen Website wird wieder und wieder verworfen, und sie sucht Gründe dafür, warum das alles nicht geht – dass das sowieso niemanden interessieren wird – wer will das schon lesen? So eine Selbstschau?

Oh je ….

Die Bella hat Angst.
Angst vor Kritik von außen.
Doch am meisten vor sich selbst.
Vor dem Schritt in das Unbekannte.
Vor dem Neuen, das sich noch nicht vor ihr auffächert, sondern sich im Verborgenen hält.
Angst vor dem Kontrollverlust, der damit einher geht.
Denn bisher lag der Weg klar vor ihr.
Sich zuzugestehen, dass Schreiben etwas ist, was ihr hilft. Und was sein darf.
Egal, wer was darüber sagt.
Sich zuzugestehen, endlich zu malen. Das zu tun, was sie schon immer wollte.
Doch was schlummert da am Boden der Kreativität?
Eine unbekannte Größe. Die Erkenntnis, dass die Freude uns mitreißen könnte – weg vom Alltäglichen, das uns so vertraut ist. Eine große Kraft, die vielleicht nicht mehr zu bändigen ist?
Doch die Stimme der eigenen Dämonen zischt. Und hält Bella häufig noch gefangen in einem Raum, der sich leblos anfühlt. Kalt und unbewohnt. Von den dunklen, kahlen Wänden schallt der Schrei der Stille in Bellas Kopf, während sich das Herz verkrampft. Atmen in dieser feuchten Höhlenluft fällt nicht leicht.
Und doch geschieht es. Der Mensch kann nicht nicht atmen. Auch das Herz schlägt weiter. Zuverlässig Takt um Takt.

Es ist nur eine Frage der Zeit.
Das weiß ich.
Einige Impulse hat die Bella verstreichen lassen.
Das ist okay. Manchmal braucht es eben mehrere Anläufe.

Ich bin zuversichtlich.
Ich hatte ja viel Freude in den letzten Tagen.
Ich strahlte und hüpfte bei jedem neuen Bild.
Und ich fühlte mich rund und genährt. Denn wir waren ja eins in diesen Momenten – die Bella und ich. Ganz und gar verbunden.
Denn meine Freude ist auch ihre Freude und umgekehrt.
Und so bin ich eben zuversichtlich, dass in diesem kreativen Schaffensprozess das Wunder der Entwicklung liegt.

Es ist ja schon alles da.
Das Universum wartet nur darauf.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Ausdruck, seinen eigenen Fingerabdruck, den er der Welt aufzudrücken vermag.
Sich da zu zügeln, heißt, sich den eigenen Lebensatem abzuschnüren.
Die enormen Selbstheilungskräfte wirken indes.

Und ich flüstere der Bella weiterhin jeden Tag zu: „Nur Mut. Alles ist gut. Für alles ist gesorgt. Der rechte Zeitpunkt wird kommen“.

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