Wasser ist Leben

(Geschrieben am 02.08.2015)                                                                                                        Heute ist ein guter Tag.

Ich merkte es gleich.
Schon als die Bella aufstand.
Noch im Nachthemd griff sie nach ihren Stiften und fing an zu zeichnen. Mich.
Ich bin ihr gut gelungen, finde ich.
Der Tag ging dann angenehm weiter.
Die Bella zog ihre Shorts an – tatsächlich ist es sehr warm heute – packte ihren Rucksack
und stopfte auch mich mit hinein.
Ich freute mich: ein Ausflug.
Tatsächlich durfte ich dann recht schnell raus aus dem Rucksack und auf der Lenkerstange des Fahrrades sitzen.

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Nun sitzen wir im Park.
Der blaue Himmel spannt sich über dem üppigen Grün.
Es ist sehr still und ziemlich leer hier.

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Gedämpft hören wir das Rauschen entfernt vorbeifahrender Autos.

„Keki?“

„Ja, Bella?“

„Glaubst du an Vorsehung?“

„Glauben?
Ich weiß, dass die Dinge sich ab einem bestimmten Punkt auf ihre Erfüllung hin bewegen.“

„Woher weißt du das?“

„Ich habe es oft genug mit erleben  können.“

„Hm“, Bella verzieht nachdenklich das Gesicht. „ … Das ist aber nicht die Vorsehung, die ich meine …“

„Nun ja, was ist denn Vor-Sehung anderes, als all das, was du tief im Inneren fühlst? Dieses, von dem du weißt, dass es dich erfüllt und glücklich macht. Deine Seele weiß das immer. Nur neigt ihr Menschen dazu, so um eure Vorstellungen und Verpflichtungen zu kreisen, dass ihr den Ruf nicht wahrnehmen könnt.
Ihr seid so in Eile, dass ihr an der Vorsehung sozusagen vorbei lauft.
Doch das Leben sorgt immer für euch!“

Bella runzelt schon wieder die Stirn. „Na toll. Wie pathetisch. Das ist ja nun bei mir grad wirklich nicht so.
Alles ist zusammengebrochen. Im Augenblick geht ja fast nix mehr. Ich kann meinen Job nicht ausüben, ich bin total geschwächt und komplett orientierungslos. Ich weiß nicht, was „das Leben“ mit mir vorhat … Ob das alles war … ob da noch was kommt.“

Ich nicke. „Ja. Genau so soll es sein.
Für dich ist dies der Zeitpunkt, der dir geschenkt wird.
Jetzt erst kommst du notgedrungen zur Ruhe. Oder? Was meinst du selbst?“

Bella schaut in den Himmel und räuspert sich.
„In gewisser Weise schon. Du hast Recht.
Ich hab alles versucht zu verdrängen. Ich hab gar nicht wahrhaben wollen, wie unglücklich ich war. Weil ich eben nicht wusste, warum. Das weiß ich immer noch nicht. Ich habe alle möglichen körperliche Symptome bekommen, und als der Rheumatologe vor zwei Jahren sagte „chronic fatigue syndrome“, da hab ich irgendwie auch nicht richtig geschaltet. Na gut … ja … Chronisches Erschöpfungssyndrom … okay. Hab ich erst mal diese Tabletten genommen, weil ich ja fast nicht mehr schlief.
Aber begriffen, dass das schon ein Burnout war, hab ich es nicht. Das wird mir erst heute klar … jetzt, wo sich nun auch noch diese „schwere depressive Episode“ da drauf gesetzt hat. Wie lange dauert so was? Wann ist eine Episode beendet?“

„Du musst Geduld haben, Bella.
Es dauert so lange, wie es eben nötig ist. Du brauchst diese Zeit eben jetzt.
Hör dir einfach zu. Lerne wieder, nach innen zu hören, dir selbst zu vertrauen. Lerne dich nochmal neu kennen.“

Bella insistiert: „Ich dachte eigentlich, ich würde mich recht gut kennen.“

„Offensichtlich nicht. Meinst du nicht? Hättest du sonst nicht viel eher die Notbremse gezogen?
Alles verändert sich, jeden Augenblick. Nichts bleibt, wie es ist. Das mag abgedroschen klingen, doch es ist tatsächlich so. Auch du veränderst dich ständig.
Du wirst erkennen, was ist. Du erlebst genau das, was du erleben sollst. Es ist eben dein Tempo – deine Erfahrung.
Es gibt eben Umwege oder Abkürzungen und lange Pausen … du meisterst das Leben auf deine Art und Weise.“

„Und dazu gehören Kummer und Schmerz … diese Leere und Leid?“

„Ach komm. Das weißt du doch. Das gehört dazu. In dem Maße, in dem du es akzeptierst …  du also auch deine unangenehmen Gefühle akzeptierst, wird Veränderung stattfinden. Es ist deine Aufgabe, jetzt hinzusehen. Wenn du die Aufgabe annimmst, wirst du erleben, wie die Gefühle dich auch wieder verlassen. Die Energie, die du aufwendest, um sie zu unterdrücken,  kostet dich unendlich viel  Kraft. Du bist nicht im Fluss, sozusagen. Doch Wasser hat die Kraft, überall durchzudringen … selbst in die allerkleinsten Ritzen. So ist das auch mit deinen Gefühlen. Du kannst sie versuchen zu umgehen … doch sie arbeiten im Unterbewussten weiter …
Apropos … wollen wir da hinten mal zum Springbrunnen gehen? Ja?“

Das tun wir.
Es ist herrlich erfrischend hier.
Die Bella macht ein paar Fotos von mir und steckt mich anschließend schnell wieder in ihren Rucksack.
Das ist der Bella immer noch ein bisschen peinlich – so mit mir unterwegs. Doch ich bin zuversichtlich.
Der Anfang ist ja jetzt gemacht. Ich bin jetzt in aller Öffentlichkeit und eine Bloggerin. Yeaahhh. Na gut … noch nicht offiziell … noch eher so in Gedanken.
Die Bella braucht noch ein wenig. Die ist ja so gewissenhaft. Will alles richtig machen, hat Angst vor dem Scheitern, davor, immer noch, was Andere sagen … Wie soll sie denn von mir erzählen, ohne schief angesehen zu werden – so denkt sie.
Doch es kommt schon noch …. ich bin mir sicher.

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