Wie ihr mit einfachen Mitteln euer eigenes Adventsgesteck herstellt

Es ist natürlich Geschmacksache, aber uns gefallen sehr selten diese fertig zu kaufenden Gestecke oder Adventskränze.

Deshalb macht die Bella ihre Gestecke seit Jahren selbst.

Dieses Jahr ist ein farblich reduziertes grün/weiß entstanden.

Ihr braucht nur eine schöne Schale (rund oder länglich, oder auch quadratisch … wie ihr wollt – auch ein großer Teller geht).

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Dann besorgt euch Tannen- oder Kiefernäste – in unserem Fall handelt es sich um eine bestimmte Zypressenart, die der Bella so gefiel.

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Nun einfach die Äste zurechtschneiden und auf der Platte arrangieren.

 

 

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Wir haben dieses Jahr weiße Kerzen ausgewählt und noch eine hübsche, künstliche Pflanzengirlande aus der Gärtnerei dazu gesteckt. Die kann man viele Jahre lang weiterverwenden.

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Natürlich kann man aber auch so richtig dem Kitsch frönen … in der Weihnachtszeit darf das durchaus sein.

Und so hat die Bella für die Küche ebenso ein kleines Adventskerzen-Ensemble kreiert – einfach auf einer kleinen Tortenplatte vier große Teelichter aufstellen.

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In die Zwischenräume kleine Kugeln und Glitzersternchen oder Perlen einfüllen.

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Ein paar Blätter hineingesteckt (hier sind es kleine Eukalytusblätter).

Fertig.

Also dann.

Viel Spaß beim Selberbasteln und Dekorieren

und

einen schönen 1. Advent.

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Muscheln im Alltag

Natürlich ist der Mensch mehr als die Summe seiner Teile.
Mehr als seine Gefühle und Emotionen … mehr, als seine Erinnerungen und Wünsche. Mehr als seine Depression.

Wenn es gut ist, dann lebt der Mensch im JETZT.

Im tatsächlich gegenwärtigen Moment.

Und wenn er in Gewahrsamkeit die Schönheit des Augenblicks erhaschen kann, dann sind das heilsame Muscheln im Alltag.

Vor allem, wenn getan wird, was ansteht – und dies etwas ist, das Freude macht, kreatives Potential hat und die eigene Schöpferkraft entfacht.
So geschieht es beim Musizieren, beim Malen, Schreiben oder Fotografieren. Auch können solche kleinen Glücksempfindungen aufsteigen, wenn man einen guten Kuchen gebacken hat oder ein leckeres Essen gezaubert hat.

Alles, was von Innen nach Außen drängt, hat die Chance wahrgenommen und ins Leben gebracht zu werden.
Da sind nicht ausschließlich graue Wolken am Himmel … da ist auch das Bunte zu sehen, das Kleine, das vermeintlich Unbedeutende.

Und deshalb auch noch diese Kategorie.

Denn es ist ja immer beides vorhanden: Licht und Schatten.

Menschen verschwinden … und neue kommen hinzu.

Tag eins nach dem Geburtstag.
Und Tag fünf nach „The Journey“.
Also …
Befindlichkeit schwingt da schon im Hirn und Herzen … morgens um 4.00 Uhr.
Das ist die Zeit, in der Bella die Augen aufschlägt und sich dann eine Stunde lang hin-und-her wälzt.
Um dann einzusehen, dass es eh keinen Sinn macht, liegen zu bleiben.
Dann doch lieber gleich aufstehen.
Der Kopf ist hellwach.
Und bombardiert mit Fragen …
Und Zweifeln.
War ja klar.
Dass dieser Zustand der Beinahe-Erleuchtung nicht lange anhalten würde.
Wär ja auch zu schön gewesen.
Diese Stimme im Kopf, die immer alles hinterfragt,
alles kommentiert,
alles bewertet.
Der Morgen fühlt sich genau so dumpf an, wie er aussieht.
Graue Nebelschwaden nicht nur vor dem Fenster.
Gott sei Dank gibt es schon Frau Ka (=die Therapeutin – ihr erinnert euch?).
Und so radelt die Bella ihren 50 Minuten VT (Verhaltenstherapie) entgegen,
und Frau Ka macht ein bisschen Stuhlarbeit,
die sehr erhellend ist.
Ach so.
Aha.
Wie gut das tut, wenn da jemand ist, der mithilft,
ein bisschen mehr Durchblick zu kriegen.
Indes sich andere Menschen verkrümeln.
Jene, von denen die Bella glaubte, sie seien feste Größen in ihrem Leben.
Waren sie ja mal.
Und sind es nun nicht mehr.
„Depression“ schreckt Viele einfach ab.
Und es ist ja gut, dass diese Abspaltung geschieht.
Dann bleiben eben genau diese übrig, auf die Verlass ist; die, die bleiben wollen; mit denen es leicht ist … und schwingt.
Oder es melden sich welche, von denen man es nicht im geringsten angenommen hätte.
Eine gute Erfahrung.
Es sortiert sich neu.
Scheinbarer Zusammenhalt fließt weg wie schmelzender Schnee.
Es tut weh.
Natürlich.
Doch nur kurz.
Dann ist es vorbei.
Und dann weiß das Herz schon wieder, dass alles gut ist.
Und dann hört die Bella mich, wie ich ihr zuraune, dass Liebe wirklich überall ist.
In ihr.
Um sie herum.

Wisse:
Zuerst kommt der Schmerz und dann die Kraft.
Zuerst bricht das Herz und dann erhebt es sich.
Marianne Williamson

„An solchem Tag …“

„An solchem Tag erklettert man die Leiter, die von der Erde in den Himmel führt. Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben, weil er sich selber liebt, den Nächsten lieben.“

Mascha Kaleko

Heute ist Bellas Geburtstag.

Und während noch alles schläft, sitzt sie hier im Wohnzimmer und fühlt, dass dies ein Tag zum Freuen ist.
Dass dieser Tag auch gefeiert werden soll.
Wie großartig, dass sie da IST.
Wie großartig, dass sie geboren wurde, um all das zu erleben, wozu ein Menschenleben gedacht ist: Hören, riechen, schmecken, fühlen, staunen, lieben – das ganz sicher ….
Eintauchen in das Bunt der Welt.
Für heute wird alles Graue ausgesperrt.
Morgen darf es wiederkommen.
Heute ist ein Tag, an dem voller Dankbarkeit auch mal zurückgeschaut werden darf auf das,
was schon alles gelebt werden durfte.
So viel!
So reich an Erlebtem fühlt sich das an.

Hat sich die Seele dies Menschenleben ausgesucht?
Ganz gewiss.
Ich weiß es ja …
Und Bella weiß es auch …
Ist noch dicht dran am letzten Wochenende
und ganz weichgespült.
Und so richtet sie ihre Aufmerksamkeit auf diesen Moment:
Stille.
Und auf den nächsten:
Der Liebste steht auf.
Und auf den nächsten:
Frühstück in der Küche.
Und Geschenk auspacken.
Freude.
Und wieder allein.
Stille.
Sie hat angefangen, sich selbst zuzuhören.
Nicht mehr nur den Anderen.
Die Regeln, die die Welt erklären,
können sie heute mal.
Nicht nur heute!
Überhaupt! … beschließt die Bella.

Von Mark Twain gibt es diesen schönen Spruch:

Die zwei wichtigsten Tage im Leben sind der Tag, an dem du geboren wurdest
und der Tag,
an dem du herausfindest, wofür.

Da haben wir es wieder:
Wesentlich ist, dem Leben Sinn zu geben.
Und das geht nicht ohne das Ringen um Wahrheit und Verwirklichung.

Und so gibt sich die Bella an diesem Tag einmal mehr das Versprechen um Gelassenheit
und Bemühung um Bewusstwerdung.
Mein Geschenk an Bella ist natürlich meine ungeteilte Aufmerksamkeit.
Ich bin mir sicher, heute hört sie jedes meiner Worte.

Und erfreulicherweise schenkt die Bella auch sich selbst was:
Ein Gedicht von Mascha Kaleko.

Sozusagen grundlos vergnügt

So ist´s recht. Genauso ist das mit der Selbstliebe.
Sich selbst beschenken …
und damit auch alle anderen.

Herzlichen Glückwunsch, liebe Bella

Reise zu den tiefsten Emotionen

Was genau geschieht, wenn Gefühle und Emotionen auftauchen?

Und wie kommt es, dass manche Menschen nur bestimmte Gefühle oder Emotionen spüren?
Oder sagen wir mal: zulassen. Denn spüren tuen sie sie alle … zumindest das Unterbewusstsein nimmt alle wahr.

Es wird jedoch oftmals eine Wahl getroffen, welche Emotionen angemessen erscheinen, und nur diese werden als akzeptabel gehalten und dürfen sich zeigen.
So gibt es Menschen, die entweder sehr tief fühlen, oder solche, die eher im mittleren Feld bleiben und sehr leidenschaftliche Gefühle „wegdrücken“.

Dies geschieht nicht immer willentlich, sondern ist vielmehr ein Prozess, den man sich im Laufe des Lebens angewöhnt hat. Ein Muster sozusagen. Und aus gutem Grund.

Weil es fast immer eine Schutzfunktion hatte, Bestimmtes nicht immer wieder neu erleben zu müssen.
So hat der Mensch eine Art eigenen Kompass, der den Hafen der innerlichen Sicherheit ansteuert. Was ist sicher? Was verunsichert? Was wird vermieden?
Oftmals ist dem Mensch das gar nicht bewusst, was er da tut – sehr wohl aber seinem Unterbewusstsein. Und das arbeitet Tag und Nacht.
Und so kommt es, dass irgendwann, wenn lange unterdrückt und abgespalten oder kompensiert wurde (zum Beispiel durch ständiges Arbeiten, Stichpunkt: workaholic), sich plötzlich das Unterbewusstsein in Form einer Depression meldet, oder, wenn zuviel gearbeitet wurde: im Ausgebranntsein / Burnout. Auch können Ängste oder ein diffuses Unwohlsein auftreten oder Krankheiten auf der Körperebene.

Vieles liegt im Dunkeln.

Vieles liegt im Dunkeln.

Nun gibt es ja unterschiedlichste Methoden, die daran ansetzen, diese abgespaltenen Gefühle wieder erlebbar zu machen.
Eine davon ist The Journey, entwickelt von der Bestsellerautorin und Seminarleiterin Brandon Bays, die nach einer diagnostizierten Krebserkrankung diese Methode für sich entwickelte, anwandte und innerhalb von sechseinhalb Wochen ihren Tumor ausheilte.

Wie es der Zu-Fall so wollte, stieß Bella im August auf die Internetseite von The Journey. Und so erfuhr sie auch von dem Seminar am Chiemsee mit Bettina Hallifax, von dem wir gerade Sonntagabend zurückgekehrt sind..

„Keki. Ich übernehme hier mal.
Lass mich berichten, wie ich es empfunden habe, an dieser besonderen Reise teilzunehmen – einer Reise ganz zu mir selbst. Zu jenen tiefen, dunklen Orten meiner Seele, wo Menschen und Situationen darauf warteten, von mir entdeckt und ins Licht geholt zu werden.
Tatsächlich habe ich es so erlebt.
Ich hing wie eine überreife, pralle Pflaume am Baum, die nur auf diesen Moment gewartet hatte und fiel in dieses vergangene Wochenende mit Menschen, die diesen Prozess begleiteten und selbst an ihm teilnahmen.

Was für eine Erfahrung.
Tiefgreifend, unendlich berührend und zutiefst heilsam war jeder dieser Prozesse, die ich da mitmachen durfte.

In jeder begleiteten Reise begegnete ich Menschen aus meiner Vergangenheit in für mich schwierigen, bislang umaufgelösten Situationen.

Im Journey-Prozess kommt man dabei tief an die daran gekoppelten Emotionen heran, durchläuft sie und macht die Erfahrung, dass sie sich auflösen und durch andere, neue Emotionen ersetzt werden. So steigen nacheinander verschiedene Emotionen auf – so lange, bis sich ein friedvoller, stiller Raum öffnet und man in tiefe Ruhe und Frieden einsinkt. So jedenfalls habe ich es erlebt.

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Langsam kommt da Licht ins Dunkle.

Die für mich wertvollste Erfahrung dabei war, zu erleben, dass die Emotion selbst viel weniger schlimm war, als die Angst davor, sie fühlen zu müssen. Denn unser Geist bewertet ja und urteilt über alles, was wir erlebt haben. Wunderbarerweise befindet man sich zwar im Wachzustand, erlebt aber auf einer tieferen inneren Ebene … ich mag das nicht weiter beschreiben, weil diese Erfahrungen wohl jedeR selbst machen muss.

Jedenfalls ist mir klar, dass das ein Anfang war.                                                                                 Bestimmt werden Situationen auftauchen, wo ich wieder mit Vermeidung reagieren will/werde.
Hier gilt es einfach, achtsam zu sein und zu üben.
Vertrauen zu üben.
Üben, zu vertrauen.
Doch etwas in mir durfte an diesem Wochenende in der Quelle baden.
Etwas in mir hat die Wahrheit gesehen.
Meine eigene Wahrheit, die wie ein Silberfaden am Horizont auftauchte.
Diesem Neuen, was ich da erleben durfte, kann ich mich nun einfach öffnen.
Das ist spannend.
Ein neuer Weg.

Jedenfalls bin ich voller Dankbarkeit.
Ein großes Danke an Bettina für ihre wunderbare, liebevolle, warme und präsente Art, die dieses Seminar zu einem großen Türöffner (für mich) gemacht hat.

Und auch das Seminarhotel Jonathan soll nicht unerwähnt bleiben.
Das Haus bietet ein umfangreiches Programm, liegt in wunderschöner Landschaft unweit des Chiemsees und verwöhnte uns drei Tage lang mit einem wirklich phantastischem, vegetarischem Buffet (auch für die Veganer war etwas dabei), einem sehr netten Team und einem tollen Service.
Sogar die Betten wurden gemacht.

Wir hatten ein schönes Zimmer, Keki und ich … sogar mit Balkon.

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Wir kommen gerne wieder.“

Die Fahne hochhalten oder: auch Psychiater kriegen Depressionen

Wir nähern uns der Echtzeit. Dem JETZT. Diesem Moment, in dem ich gerade das hier schreibe.
Beziehungsweise – die Bella schreibt und gibt mir ihre Stimme. Doch wenn ihr das lest, ist auch schon wieder Zeit vergangen … Stunden oder Tage.
Jedenfalls sind wir nun mal im November angekommen.

Mit der Depression ist das so´ne Sache. Bei jedem/r kommt ja da was anderes zum Vorschein. Keine Erkrankung ähnelt der anderen, so wie kein Mensch mit keinem anderen vergleichbar ist.
Bella funktioniert auch noch in ihrer Depression.
Da ist ein Teil in ihr, der so tüchtig seine Fahne hoch hält. Diese Fahnenträgerin hat noch immer auf der Stirn geschrieben >mich kriegt keiner unter< und marschiert tapfer mit dem schweren Ding durch die Gegend. Ich weiß nicht, wann das anfing mit dieser Maskerade. Immer schön den Kopf hoch … immer durch … immer die Ärmel aufgekrempelt … immer schön stark sein, die Dinge anpacken – vor allem aber: sich nichts anmerken lassen.
Keine Miene verziehen. Im Inneren herrscht Aufruhr … doch sehen tut man nix. Niente.
Das ist das Problem bei vielen Depressiven.
Man sieht es ihnen nicht an.
Und der Bella schon gar nicht. Die strahlt. Die sieht gut aus. Die fühlt sich auch gut, und muss schon sehr aufmerksam sein in ihrer Wahrnehmung, ob das auch stimmt.
Meist stimmt es nämlich nicht.
Doch gelernt hat sie was anderes. Das Dinges mit der Fahne eben.
Da kommt es schon noch immer vor, dass sie Sachen macht, die ihr nicht gut tun. Oder dass es ihr noch immer schwer fällt, Nein zu sagen, weil ein Anderer ein Ja erwartet.
Fühlt sich komplett unangenehm an, wenn sie darauf angesprochen wird. Zum Beispiel von ihrer Therapeutin. Die hat nämlich die sehr bemerkenswerte Tendenz, genau nachzufragen, den Finger da drauf zu legen … auf dieses >Was fühlen Sie?< . Das, was die Bella so schnell mit Worten umschiffen will … nicht, weil sie nicht reden will … sondern einfach, weil sie es so gelernt hat.
Das >Was fühlen Sie?< reicht schon für einen kleinen Schweißausbruch. Weil meistens meint die Bella, sie fühle gar nichts, doch nach längerem Insistieren von Frau K., der Therapeutin … die ich jetzt mal der Einfachheit halber Frau K. = Frau Ka nennen will … und alle wissen, wer gemeint ist – und ich muss nicht immer diesen Satzanhang (die Therapeutin) dran hängen …. also – wo endet der Satz denn nun? … Frau Ka also … blickt auf die Fassade und lässt sich nicht bluffen.
Toll. Und Bella lernt einmal mehr, wie wichtig es ist, Gesicht zu zeigen. Im wahrsten Sinne. Emotionen, nicht wegzudrücken. Und nicht nur Maske zu zeigen – das macht beim Gegenüber ganz viel Stress (die Still-face-Untersuchungen bestätigen dies) oder verhindert einfach einen authentischen Umgang miteinander.
Überhaupt ist das eine so hilfreiche Sache, einmal wöchentlich bei Frau Ka auf dem Stuhl zu sitzen und sich sortieren helfen zu lassen in diesem Wirrwarr von Gefühlen. Großartig, wenn da jemand ist, der 50 Minuten aufmerksam zuhört. Früher war die Bella immer diejenige, die zugehört hat. Was für ein Luxus also. Ein Mensch, ein Raum und 50 Minuten ungestörtes Miteinanderreden.

Immer noch hat das Wort „Depression“ einen hässlichen Klang. Bei „Burnout“ ist das schon anders. Das ist grade sehr in Mode … und impliziert eine erst mal vordergründige Erschöpfung, die am Beruf angedockt ist und scheinbar ein Anfang und ein Ende hat.
Natürlich stimmt das so nicht. Burnout betrifft bei genauer Betrachtung alle Lebensbereiche und ist gekennzeichnet durch den Verlust des Sinnes … für das eigenes Selbst – und das ist nicht auf den Beruf beschränkbar. Nicht umsonst nennt Rüdiger Dahlke den Burnout einen Seeleninfarkt.

Neulich sah die Bella einen kurzen Film über einen Arzt, der seit 30 Jahren an einem Krankenhaus gearbeitet hat und sich irgendwann im Laufe der Zeit damit konfrontiert sah, dass ihm das Gleiche widerfuhr wie seinen Patienten. Er konnte das jedoch kaum wahrnehmen, spaltete das ab und verleugnete lange seinen Zustand. Bis es nicht mehr ging. Und er sprach darüber, dass ihm in diesem Zustand seine langjährige Erfahrung als Psychiater nicht mehr zur Verfügung stand. Er war hilflos in diesem Moment. Alles, was er gelernt hatte, war für ihn selbst als Betroffener nicht mehr abrufbar.                                                                                         Bei Interesse HIER Schauen: Depression ist heilbar / Arztinterview ab Minute 04:30
Bella war sehr erleichtert, als sie den Film gesehen hatte, denn das ist es genau, was ihr widerfahren ist. Trotz der guten Ausbildung: komplett ins schwarze Loch gerutscht.

30 Prozent der Menschen machen irgendwann in ihrem Leben eine depressive Episode durch.
Wie viele das sind. Und treffen kann es wirklich jeden – egal aus welcher Gesellschaftsschicht, in welchem Alter.

Neulich machte die Bella mal diesen Test und wusste schon vorher, wie das Ergebnis ausfallen würde.
Klar.
Auch das noch.
Hochsensibel also.
Das ist, wenn der Mensch sich von den ganzen Reizen überflutet fühlt. Streicht „fühlt“ – wenn er tatsächlich überflutet wird. Das Gehirn kann nicht als wichtig und unwichtig unterscheiden … alles geht rein … Und die Erregungskurve flaut auch nicht so schnell ab, wie bei Menschen, die das nicht haben.
Okay. Das ist nun auch nur noch ein weiteres Etikett. Doch es hilft verstehen, wie schwer es ist, zu entspannen, sich nicht zu sehr von den Reizen beeinflussen zu lassen (als könne man dagegen etwas tun – das Nervensystem ist nun mal so), warum das mit dem schlechten Schlafen möglich ist, und auch, wie die Migräne das einzige Ventil zu sein scheint, und dann in einer Notreaktion den Deckel vom übervollen Kessel wegschleudert.

Wenn man sich dann mal so eine ganz normale Arbeitssituation vorstellt mit Mehreren in einem Zimmer … und drei Telefonen … und Klientinnen … usw. – alles gleichzeitig …. Kein Wunder.
Da müssen die Synapsen ja überschnappen.

Bedauerlicherweise passiert das aber auch bei Schönem. Auch bei sehr glücklichen Umständen, wenn tiefe Freude empfunden wird, ist es dem Körpersystem und Bellas Kopf manchmal zu viel.
Auch da hebelt sie schon mal eine Migräne aus.
Diese neue Erkenntnis ist interessant und durchaus stressvermindernd, denn früher nahm die Bella immer an, sie hätte irgendwelche Probleme, mache was falsch, habe das Verkehrte gegessen, wenn so eine Migräne kam. Jetzt … mit dieser Erklärung fügt sich plötzlich ein weiteres Puzzleteilchen in das große Bild ein.
Es geht also wohl darum, Entspannungsmethoden zu erlernen, die das Nervensystem auf Dauer nachhaltig beeinflussen können.

Schaun wir mal. Bella ist nicht so der Yoga-Fan. Mit einem Omhm auf dem Kissen zu sitzen, fällt ihr schwer. Vielleicht doch lieber regelmäßig schwimmen?

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Vögel und Wölfe

(Geschrieben am 18.10.2015)

Wir sind im Bayerischen Wald.
Der Graubezopfte wollte da unbedingt hin, ein paar Tage Urlaub machen, und hat der Bella vorgeschwärmt, wie toll es sei.
Und das ist es wirklich.
Wir sind jeden Tag stundenlang im Wald.
Ich bin ständig dabei. Wie immer geschützt im grünen Beutel in Bellas Rucksack.
Ganz und gar wundersam, wie sich der Wald erholt, wenn der Mensch nicht eingreift.
Im Nationalpark dürfen die alten Bäume umfallen und werden auch liegen gelassen, um Nahrung für alle anderen Pflanzen und Lebewesen zu sein. Der Kreislauf der Natur kommt ins Gleichgewicht, die Vegetation verändert sich. Und seltene Tierarten siedeln sich wieder an.

Die Bella ist verzaubert von diesem bunten Herbstlaub, von den wilden Farnen und den samtig bemoosten Baumstämmen oder Felsbrocken, die hier herumliegen.
Sie hat die Kamera dabei und knipst, was ihr vor die Linse kommt.
Ein Tierfreigehege gibt es, und so viel zu sehen.
Adler, Milane, Uhus und verschiedene Käuze, Auerhühner, eine lustige Otterfamilie, Luchse, die erst abends in der Dämmerung auftauchen, und einen großen Braunbär, der sich genau vor uns platziert und beeindruckend in seiner Größe ist.
Von den Wölfen sehen wir die ersten zwei Tage keine.
Erst am Freitag zur Fütterung tauchen sie aus dem Nebel auf.
Beeindruckend schöne Tiere.
Bella kann sich nicht satt sehen, ist sehr berührt von diesen scheuen Tieren, die ihren Ruf als gefährliches Tier und Bösewicht der Sagen- und Märchenwelt zu verdanken haben.
Die Frage ist wohl – wer gefährdet hier wen?
Der Mensch hat den Wolf fast ausgerottet. In Deutschland galt er Anfang des 20. Jahrhunderts als ausgestorben.
Wir stehen lange vor dem großen Gehege, und ich kann Bellas Freude gut wahrnehmen.
Wie überhaupt hier im Nationalpark.
Die Gedanken sind wieder zur Ruhe gekommen.
Bella ist beschäftigt mit eindrücklichen Sinnesempfindungen, hat einen anstrengenden Aufstieg auf einen Berg hinter sich gebracht. Auch da war Konzentration auf den Weg nötig. Und Stehenbleiben immer wieder, und Wahrnehmen, wie sich bei jedem Schritt die Temperatur veränderte und mit jedem Höhenmeter mehr gefrorene Äste, Eiskristalle und Schneeverwehungen ins Blickfeld schoben. Verzauberung auch dort oben.

Wir sehen auch am Nachmittag noch einmal Wölfe, als wir zu einer anderen Stelle des Nationalparks fahren.
Auch hier gibt es ein großes Tierfreigehege. Und die Wölfe, die dort leben, sind jünger. Teenager sozusagen.
Wir sehen eine trächtige Wölfin, die schwer zu tragen hat an ihrem Bauch, und sechs übermütige verspielte Jungwölfe, die sich die ganze Zeit balgen und miteinander schmusen.
Wunderbare Momente sind das.
Selten, dass die Bella so im Augenblick verweilen kann. Ganz im Hier und Jetzt sozusagen.

Am letzten Tag im Nationalpark machen wir uns auf den Weg auf den Baumwipfelpfad, und die Bella fotografiert den Wald noch mal von oben.
Auch mich, was nicht so einfach ist, denn den Baumturm hinauf bis ganz nach oben auf die Aussichtsplattform, schaffen wir zwar mühelos, nur hat die Bella Angst, mich ungesichert auf die Brüstung zu stellen.thumb_PA179163_1024
Ein Windzug – und das wär´s gewesen. Wenn ich hier hinunterfalle, verschwinde ich im dichten Dickicht des Waldes, und die Bella ist in Sorge, mich zu verlieren.
Also hält sich mich beim Fotografieren mit einer Hand am Drahtbein fest – und so wird es eben ein Fastganzkörperbild.

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Am nächsten Tag fahren wir zufällig an einem Plakat vorbei, auf dem eine Vogelschau angekündigt wird.
Die Bella will da hin, und so besuchen wir diese.
Sofort in der Halle hört man ein Durcheinander von Geschilpe, Gepiepe und Vogelgesängen.
Beim Näherkommen ist es fast nicht zum Aushalten, weil viele der kleinen Vögel in kleinen Käfigen stecken und aufgeregt hin-und-herflattern.
Gimpel, Zeisige, Kanarienvögel, Wellensittiche, kleine Minipapageien, Sittiche, Zebrafinken, Rußköpfchen, aber auch größere Papageienarten sind dort zu sehen.
Bella und auch der Graubezopfte sind ziemlich erschüttert.
Ein Vogel im Käfig ist fast das Schlimmste, was es gibt.
Bella möchte am liebsten die Käfige öffnen und alle Vögel freilassen.
Wir schauen in jeden Käfig, bestaunen die bunten, teilweise prämierten gefiederten Geschöpfe und müssen danach schnell raus an die frische Luft.
Traurig, dieses Eingesperrtsein.
Und Bella flüstert mir zu. „So wie ich … in mir selbst“.
Ich verstehe sofort, was sie meint.
Bella ist mit Vögeln aufgewachsen. Immer waren es Wellensittiche, die die Familie hatte. Und alle waren sie extrem zahm, lustig und konnten teilweise sprechen.
Und sie durften immer in der Wohnung herumflattern. Einer ist zweimal aus dem Fenster geflogen, und die Bella hat ihn draußen auf der Straße gefunden und ihn mit Hilfe seines kleinen Lieblingsspiegels wieder einfangen können.
Die Liebe zu diesen Tieren begleitet sie schon ihr ganzes Leben. Deswegen macht es ihr so viel Freude, sie zu beobachten, sie zu filmen, sie zu malen.
Sie solle doch nicht ständig den Vögeln zusehen, sagte neulich mal jemand zu ihr. Sie solle endlich selbst fliegen.
Da war die Bella empört. Warum wohl?
Wahrheit tut manchmal weh.

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Eine Frage der Zeit

(Geschrieben am 07.10.2015)

Jetzt hat sich das Wetter verändert.
Die Sonne hat sich erst mal verabschiedet, und Kühle und eine graue Wolkendecke haben Einzug gehalten.

Auch im Inneren hat sich ein Wandel vollzogen.

Bella malt.
Jeden Tag.
16 Bilder sind schon fertig geworden.
Große und kleine. Und mit jedem Bild wächst die Übung, verändert sich der Ausdruck, kommen neue Ideen dazu.
Das, was mit Sprache nicht zum Ausdruck kommt, findet ein Ventil im kreativen Prozess.

Auch zu mir hatte die Bella einen neuen Einfall.
Das war in der Wanne.
Wenn die Bella badet, dann scheint sie so zu entspannen, dass ihr die verrücktesten Gedanken kommen. Dann fällt das Fühlen auf einmal wieder leichter.
Baden ist also eine gute Therapie.
Also jedenfalls fiel der Bella zu, dass ich ein Tattoo kriegen soll – so viel kann ich schon mal verraten.
Und sie fühlte sich ganz euphorisch. Und hatte eine Geschichte im Kopf, die sie erzählen wollte.

Doch schon zwei Tage später zweifelte sie wieder, horchte in sich hinein, ob dieses Gefühl denn echt sei. Ob denn das nicht alles Quatsch wäre. Wieder ganz im Zweifel.
In diesen Situationen steht sie nicht zu mir.
Die Idee mit der eigenen Website wird wieder und wieder verworfen, und sie sucht Gründe dafür, warum das alles nicht geht – dass das sowieso niemanden interessieren wird – wer will das schon lesen? So eine Selbstschau?

Oh je ….

Die Bella hat Angst.
Angst vor Kritik von außen.
Doch am meisten vor sich selbst.
Vor dem Schritt in das Unbekannte.
Vor dem Neuen, das sich noch nicht vor ihr auffächert, sondern sich im Verborgenen hält.
Angst vor dem Kontrollverlust, der damit einher geht.
Denn bisher lag der Weg klar vor ihr.
Sich zuzugestehen, dass Schreiben etwas ist, was ihr hilft. Und was sein darf.
Egal, wer was darüber sagt.
Sich zuzugestehen, endlich zu malen. Das zu tun, was sie schon immer wollte.
Doch was schlummert da am Boden der Kreativität?
Eine unbekannte Größe. Die Erkenntnis, dass die Freude uns mitreißen könnte – weg vom Alltäglichen, das uns so vertraut ist. Eine große Kraft, die vielleicht nicht mehr zu bändigen ist?
Doch die Stimme der eigenen Dämonen zischt. Und hält Bella häufig noch gefangen in einem Raum, der sich leblos anfühlt. Kalt und unbewohnt. Von den dunklen, kahlen Wänden schallt der Schrei der Stille in Bellas Kopf, während sich das Herz verkrampft. Atmen in dieser feuchten Höhlenluft fällt nicht leicht.
Und doch geschieht es. Der Mensch kann nicht nicht atmen. Auch das Herz schlägt weiter. Zuverlässig Takt um Takt.

Es ist nur eine Frage der Zeit.
Das weiß ich.
Einige Impulse hat die Bella verstreichen lassen.
Das ist okay. Manchmal braucht es eben mehrere Anläufe.

Ich bin zuversichtlich.
Ich hatte ja viel Freude in den letzten Tagen.
Ich strahlte und hüpfte bei jedem neuen Bild.
Und ich fühlte mich rund und genährt. Denn wir waren ja eins in diesen Momenten – die Bella und ich. Ganz und gar verbunden.
Denn meine Freude ist auch ihre Freude und umgekehrt.
Und so bin ich eben zuversichtlich, dass in diesem kreativen Schaffensprozess das Wunder der Entwicklung liegt.

Es ist ja schon alles da.
Das Universum wartet nur darauf.
Jeder Mensch hat seinen eigenen Ausdruck, seinen eigenen Fingerabdruck, den er der Welt aufzudrücken vermag.
Sich da zu zügeln, heißt, sich den eigenen Lebensatem abzuschnüren.
Die enormen Selbstheilungskräfte wirken indes.

Und ich flüstere der Bella weiterhin jeden Tag zu: „Nur Mut. Alles ist gut. Für alles ist gesorgt. Der rechte Zeitpunkt wird kommen“.

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Helle Tage?

(Geschrieben am 17.09.2015)

Diese hellen Tage jetzt im September.
Scheinbar geht dieser Sommer nicht zu Ende.
Immer noch … oder schon wieder (okay – ein paar kurze Regenabschnitte gab es) scheint täglich die Sonne, färbt sich der Himmel in spektakulärem Pastell.
Nur der Wind und die frischere Luft lassen ahnen, dass der Herbst fast schon da ist.
Vereinzelt fallen die Blätter zu Boden, doch im Ganzen ist es noch Grün.

Bella sieht das alles.
Nimmt es auf.
Tankt die Sonne mit der Haut
und fühlt dennoch schwarz.
So ganz innen.
In sich.
Da kommt die Sonne nicht hin.
Die Verbindung zu mir ist fast abgebrochen …
Sie denkt an mich … klar …
Doch sie glaubt mir gerade nicht …
Ich stecke wieder in dem grünen Beutel und bin seit 2 Wochen nicht hervor geholt worden.

Wie ein schwarzer Tintenfleck, der sich auf schneeweißes Papier ergießt, breitet sich das Geflecht der Angst aus und bedeckt die gesamte Fläche. Bis alles schwarz ist.
Komplett.
Erst jetzt sickert die Leere so ganz und gar und so völlig dumpf in jede Pore.
Und die Bella hält still.
Dagegen anschreien, hilft nicht.

Dies ist der Moment, in dem wieder Verbindung geschieht.

„Keki?“
„Ja, Bella?“
„Ich bin so am Zweifeln … Ich misstraue so sehr meinen Wünschen … oder sagen wir mal so – ich traue mich gar nicht zu wünschen … Ich habe das Gefühl, das wird ja doch alles nichts … egal, wie ich es anpacke … keine Idee, was überhaupt … und wie überhaupt … und ich bin schon wieder so im Rückzug. Fühllos. Sprachlos.“

Ich warte.

„Diese Sprachlosigkeit ist das Schlimmste – oder nein, nicht ganz, am Schlimmsten ist die Fühllosigkeit. Was ich überhaupt fühle … das weiß ich nicht. Ich empfinde nichts …
Und auf die Frage >Wie geht es dir?< kann ich nichts antworten.
Ich weiß nicht, wie es mir geht.
Keine Ahnung.
… Neulich bei dieser Ärztin … das war ja nur die Vertretung für meine Psychiaterin, die an diesem Tag nicht in der Praxis war … also da fragt diese Ärztin mich doch glatt am Tresen vor allen Leuten – drei Sprechstundenhilfen, zwei Patienten und die Tür zum Sprechzimmer sperrangelweit auf – >Wie geht es Ihnen?“<
Halloooooo?
Die Frau hat mich noch nie vorher gesehen.
Erwartet die, das ich ihr mal eben so mein Herz ausschütte da am Tresen? Vor Allen?
Also meinte ich rotzig. >Weiß ich nicht, kann ich nicht sagen.<
>Das wissen Sie nicht?<
>Nein. Deswegen bin ich ja in Behandlung.<
Da war sie dann still. Guckte nur.
Na ja … wenigstens kam da mal ein Gefühl. Ich war wütend. Wie kann die mich so was Doofes fragen?

Ach … keine Ahnung … ich weiß nicht, was grad ist.“

Und damit schiebt mich Bella zurück in den grünen Beutel.

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Halt finden

(Geschrieben am 02.09.2015)

Gedanken ziehen wie Wolken.

Wieder in Berlin.
Es ist der 2. September.
Gestern noch schwitzte alles und jeder bei über 30 Grad im Schatten, dann gab es Regen und Abkühlung.
Nun sitzt die Bella im Wohnzimmer und schaut den vorbei ziehenden Wolken nach.

Der Herbst hält Einzug.
Der Ahornbaum vor dem Fenster hat bereits einen Großteil seiner gelben Blätter abgeworfen.
Und allzu gerne möchte die Bella auch alles Schwere von sich abwerfen.
Dabei ist das gar nicht notwendig.
Dass etwas „schwer“ sei, wird nur gedacht. Etwas wird bewertet und in „gut“ und „weniger gut“ eingeordnet.
Der Kopf darf mal Pause haben.
Der Job ist nun mal gerade kein Thema. Da hat das Müssen aufgehört. Und sofort ist ein neues Müssen da.
Natürlich versteht die Bella die Zusammenhänge. Es ist sie selbst, die so denkt, dass die Welt sei.
Jetzt „muss“ sie doch vielleicht so langsam mal tätig werden? So langsam mal eine Idee kriegen?
Gesund werden? Heil werden?
Eine neue Spirale nach oben. Wieder angekommen in Gedanken und Gefühlen, die schon längst überwunden geglaubt waren.
Mit jedem neuen Auftauchen spürt sie dennoch gleichzeitig auch ihre Absurdität, weiß um ihre Konzepte und spürt, wie sie sich wieder einschleichen. Und wie sie sie dennoch denkt.
Okayyy … egal …
Wieder und wieder.
So ist es halt.
Kein Grund, sich zu verurteilen.
Wenn … dann …
Im Grunde weiß die Bella, dass nicht irgendwann alles besser sein wird … dass sie erst dieses oder jenes tun muss, und dann endlich wird sie glücklich sein … geliebt werden … endlich selbst lieben können.
Wenn … dann …
Das fieseste aller Konzepte.

Immer auf der Suche nach etwas, das die Schwere nimmt, die Ursache des Schmerzes erklärt, mehr Ausgewogenheit und Freude bringt.
Fischen im Ur-Meer der eigenen Befindlichkeit. In dem Wissen darum, es zu tun, ist es kein großes Drama mehr, doch es genügt, um noch reichlich Energie zu binden. Und erst recht in Zeiten, da es unbewusst geschieht. Und immer taucht irgendwas Neues auf, das erst behoben werden „muss“. Ein neues Problem, eine Störung, ein unangenehmes Gefühl.
Doch all das kann die Bella nicht wegmachen … es gehört dazu – zum Menschsein.
Nur die Annahme dessen, was ist, bringt wirkliche Freiheit.
Jedes sich dagegen Wehren und Ankämpfen manifestiert umso mehr ein neues Konzept.
Erst das Mitfließen und die Annahme des jetzigen Zustands bringt den Kontakt zum eigenen Erleben.
Zu dem, was ist. Und nicht zu dem, was gedacht wird, was ist.
Realität ist tricky.
Die Ärztin hat die Krankschreibung verlängert.
Zeit ist gerade kein Thema. Zeit ist gerade genügend da.
„Jetzt ist die Zeit, in der Sie bemerken, wie Sie ticken und verarbeiten … später kommt dann die Phase, in der Sie das neu Gewonnene neu umsetzen zu lernen … und anzuwenden“, meinte die Ärztin gestern. Eine sehr nette Frau mit schönen, lebhaften Augen.
Danke, Frau Doktor.

Vor ein paar Tagen waren wir in den Bergen.
Auf dem Panoramaweg rings um den Wendelstein herum, war es notwendig, die Aufmerksamkeit auf die eigenen Füße zu lenken. Auf dem schmalen Weg ohne Befestigung war der Bella anfangs ziemlich schwindelig, wenn sie hinunter in die Tiefe blickte. Also schaute sie erst mal nur unmittelbar auf den sich vor ihr hinschlängelnden Pfad und war damit beschäftigt, genügend Halt zu finden. Währenddessen beruhigte sich der Atem, die Gedanken kamen zur Ruhe, der Kopf wurde ganz leer.
Nach und nach verschwand der Schwindel und die Schönheit der Natur offenbarte sich in ihrer ganzen Grandiosität. Die Berge – in mehreren Schichten hintereinander aufgereiht – schimmerten blau im Sonnenlicht, schwarze Vögel kreisten, und sogar ein paar Gamsböcke sahen wir.
Einer dieser Bergdohlen schiss der Bella beim Gehen auf den Kopf. „Das bringt ja bekanntlich Glück“, meinte der Graubezopfte.
Und mich setzte die Bella an mehreren Stellen vor ein wunderschönes Panorama und machte ihre Fotos.

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Überhaupt haben die Tage in Bayern gut getan. Auch wenn „nicht wirklich viel passiert ist“, wie die Bella meint, so hat doch im Inneren eine Menge an Verstehen und Verarbeitung stattgefunden. Und an Annahme. Denn angenommen werden kann nur, was grundsätzlich verstanden wurde – danach kann es losgelassen werden.
Die Spur der Schnecken zu verfolgen, die Vögel in den Bäumen zu beobachten und ihrem Gezwitscher zu lauschen, die Katze zu streicheln, Freunde einzuladen und lange zu sitzen und von Herz zu Herz zu sprechen, hat eben eine ganz andere Qualität, als sich Sorgen zu machen.

Ich saß in der Sonne mit meiner neuen Mütze und sah der Bella beim Malen und Fotografieren zu.

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Friedfertige, ruhige Tage.
Tage zum Halt finden.
Tage zum Üben.