April April …

Wie außen – so innen könnte ich mal wieder sagen.
Einen Tag lang beschert die Sonne uns Blauhimmel und Temperaturen von 20 Grad, dann auf einmal Kälte, richtige Eiseskälte, so dass ich schon überlege, ob es auf dem Fahrrad nicht sogar noch mal der Daunenmantel sein muss, und Wolken, Nieselpiesel, heftigen Wind.

Seit 193 Tagen male ich jeden Tag ein Bild, oder wenigstens eine kleine Skizze. Wer mir auf twitter oder Instagram folgt, hat das mitbekommen.
Also ist das Malen schon längst Gewohnheit geworden.
Frühes Aufstehen, einen Kaffee – manchmal zwei – und das Bild des Tages einstellen.
Doch im Moment habe ich keine Lust.
Quäle ich mich.
Hat mich ein wenig die Muse verlassen.
Wozu das alles … wo es doch Leute gibt – massenweise Menschen, die das viel besser können als ich selbst?
Nur die Disziplin, etwas, das ich glücklicherweise gelernt habe im Leben, lässt mich dranbleiben.
Egal … ich male jetzt dieses Bild … oder wenigstens eine Kritzelei … Schwimmen bin ich auch damals gegangen – egal, ob ich wollte oder nicht – ich hab´s getan.
60 Bahnen vor der Arbeit. 2 bis 3mal die Woche.
Doch das war vor der Depression.
Vor dem Armbruch.
Vor der Arbeitslosigkeit.
Es kostet mich einige Mühe, nicht zu jammern … positiv zu bleiben.
Jetzt scheint die Luft raus zu sein.

Erstaunt bemerke ich, dass diesem Blog immer noch Menschen folgen, dass sogar neue Follower dazukommen.
Warum?
Ich schreibe doch nur sehr sporadisch.
Keki ist stumm.
Ich habe nicht viel zu erzählen.
Ich hätte vielleicht, habe das aber mehr in den Zeichnungen oder den Fotos zum Ausdruck gebracht.
Es wäre jetzt ein guter Schritt, einen neuen Blog mit meinem Namen zu beginnen.
Raus aus der Anonymität und mit professionellerem Outfit.
Nur noch die Illustrationen und die Fotos zu zeigen.
Für den Ostermarkt hatte ich mir noch Visitenkarten machen lassen, die ich ganz schön finde.
Der Markt selbst hat gezeigt, dass die wenigsten Leute Geld für Illustrationen ausgeben wollen.
Die Postkarten sind gut gelaufen – immerhin.
Ich will das nochmal anpassen. Das Format des Marktes sollte wohl doch eher dem eines Kunst-
oder Handwerksmarktes entsprechen.

Kennt ihr das? Wenn da so ein Gedanke aufblitzt und sogleich in einem großen Knäuel in den Gehirnwindungen versinkt? Vielleicht ist die postdepressive Phase eine, die andauert. Vielleicht wird mein Gehirn nie wieder so schnell, so flexibel funktionieren wie früher?
Bleibt das jetzt so?
Dieses Müdesein?
Die Unentschlossenheit?
Dieses Sich-nicht-entscheiden-Können, egal ob es sich um das Frühstück oder um das Lebenskonzept handelt.

Meine Güte … ich eiere durch diese Zeit. Die Tage vergehen, die Wochen, die Monate … ich werde auch nicht jünger – und weiß noch immer nicht, wo die Reise hingeht.

Es tröstet mich, dass es Vielen so geht … oder Einigen.
Also halte ich mich an den Gewohnheiten fest. Die Sonne geht auf und unter. Die Jahreszeiten kommen und gehen. Der Rhythmus ist vorgegeben – mein menschlicher Wille erscheint mir unbedeutend im Großen und Ganzen.
Und dennoch kann niemand außer mir selbst dieses mein Leben leben. Ich muss es selbst tun.

Frischer Wind

Kurz vor fünf.
Die Singdrossel auf dem Haus gegenüber ist die Einzige, die mit mir wach ist.
Ich kann sie nicht sehen, es ist noch stockduster, aber ich weiß, dass sie da sitzt, weil sie jeden Morgen dort ihren Platz einnimmt.

Es ist noch etwas Zeit.
Nach dem Frühstück werde ich wieder ans Meer fahren.
Die Ostsee ist so schnell zu erreichen, und wenn immer es möglich ist, mache ich mich auf den Weg.
Vorletztes Wochenende waren der Liebste und ich schon dort und beschlossen, es möglichst sofort zu wiederholen, sobald die Zeit es zuließe.

Meine Gedanken kommen dort zur Ruhe.
Fast Augenblicklich, wenn meine Füße den Sand berühren und die Seeluft in meine Lungen einströmt, entspanne ich mich und alles fällt von mir ab.

Eine kleine Atempause.
Luft holen und Anlauf nehmen.
Mein Leben hat sich gedreht.
Dass ich meinen Job gekündigt habe, war am Ende etwas, was so leicht ging.
Ziemlich lange hatte ich den Eindruck, das Team in dem ich arbeitete, hätte mich fallen lassen wie eine heiße Kartoffel. Über die langen Monate der Krankschreibung kam von deren Seite nichts (bis auf eine Kollegin, mit der ich befreundet bin).
Doch dann … zuletzt war ich ganz ruhig und ausgesöhnt.
Ich bin noch hin und habe mich verabschiedet von allen.
Wir hatten ein kleines Nachmittagstreffen. Und es tat gut, so ausgesöhnt zu gehen.
Etwas in mir hatte sich komplett befriedet.
Ich hatte dort ja auch sehr schöne Zeiten, und am Ende flossen auch ein paar Rührungstränchen.

Die große Kiste mit meinen Sachen, die eine Kollegin aus meinem Schreibtisch geräumt hatte, wurde im Kofferraum verstaut.
Ich habe dann alles komplett weggeschmissen. So viele Ordner, Aktennotizen für mich persönlich, Protokolle, Listen, Kopien von Fortbildungen etc. Es brauchte fast 3 Stunden, bis alles in kleine Schnipsel gerissen war und ich es in den Papiermüll geben konnte.
Eine Erleichterung.
Nichts aufgehoben, bis auf ein paar Fotos und eine Tasse, die mir einmal eine Klientin schenkte.
Ein Befreiungsakt.
Adieu, altes Sozialarbeiterleben.
Ich wende mein Gesicht nun der Sonne zu.

Das amtsärztliche Gutachten hat bestätigt, dass ich noch nicht arbeitsfähig bin.
Aufgrund der Schwere der Verletzung meines Armes gilt das für das nächste halbe Jahr.
Auch ist mittlerweile anerkannt, dass ich nicht mehr im alten Beruf arbeiten kann.
Ich habe Widersprüche stellen, den Rentenversicherer bemühen müssen, schlaflose Nächte verbracht … doch jetzt scheint alles erledigt zu sein.
Die Dinge laufen.
Arbeitslosengeld ist bewilligt.
Ich habe einen Antrag auf Nebenerwerb gestellt.
Bin ganz offen mit allem umgegangen und habe angemeldet, dass ich meine Bilder auf einem Kunstmarkt verkaufen möchte.
Taaadaaa !!!

Was so einfach klingt, war ein wochenlanges Ringen in mir …
Wer kauft das schon? Wer will das schon?
Die alte Leier … kusch … in dein Körbchen …

Natürlich muss ich alles zurückzahlen, was 150,00 Euro übersteigt.
Doch das ist es mir wert.
Ich habe zumindest die Möglichkeit, mich auszuprobieren und mache Erfahrungen.

Vor wenigen Tagen habe ich meine Selbständigkeit beim Finanzamt angemeldet.
Noch ein Riesenschritt.

Ich habe ja nicht vor, ewig vom Arbeitslosengeld zu leben.
Es ist jetzt eine wunderbare Absicherung, die es mir ermöglicht, wirklich zu testen, wie das mit der Freiberuflichkeit läuft.

In zwei Wochen hab ich meinen ersten Stand auf einem Ostermarkt.
Im Sommer hab ich einen auf einem Hafenfest an der Ostsee.
Drum herum wird sich weiteres ergeben.

Ich bin sehr aufgeregt und fleißig.
Male jeden Tag und tue, was ich liebe.

Deshalb ist auch dieser Blog so verwaist.
Ich schreibe wenig, noch weniger lese ich.
(Verzeiht mir also, dass ich euch so selten auf euren Blogs besuche,
ich hoffe, dass sich das wieder ändert.)
Meine ganze Zeit stecke ich in die Illustrationen oder die Federbilder.
Mein Blog darf sich wandeln.
Es wird Zeit, mich zu zeigen, meinen Namen zu verwenden.

Keki ist in mir und lächelt.

Schneckzember 31

(31)
Fritz war ganz begeistert von Nellies langer Reise und bot sich sofort an, ihr alles zu zeigen und ihr die wichtigsten Strand- und Meeresbewohner vorzustellen.
Er erzählte von seinen Freunden, den Taschenkrebsen, von den Fischen und einem verbitterten Tintenfisch, vor dem man sich in Acht nehmen sollte.
Fritz war sehr unterhaltsam und erzählte eine Geschichte nach der anderen.
Während er und Nellie über den Strand krochen, folgte ihnen am Himmel still eine Möwe.
„Muss ich mir Sorgen machen?“, fragte Nellie. „Will sie uns fressen?“
„ Die ist nur neugierig“, meinte Fritz. „Wahrscheinlich ist sie auch interessiert an deinem Häuschen.“
Und so setzten die Zwei ihren Weg fort.
Nellie hatte den Eindruck, ihr Abenteuer würde erst jetzt richtig beginnen … sie hatte ein leichtes Kribbeln im Bauch.
Und sie ahnte, dass sich ihr Leben bald auch mit dem der schweigsamen Möwe kreuzen würde – doch das ist eine andere Geschichte. 😉

Vorerst lauschte sie Fritz´ amüsanten Erzählungen und saugte alles in sich auf.
Das Meer rauschte dazu melodiös, und der Wind spielte sein  Lied mit dem Strandgras.
Was war die Welt schön.

 

—– Ende —–

Schneckzember 30

(30)
Als das Feuer heruntergebrannt war und nur noch die Glut schwelte, machten sich die Freunde auf den Rückweg.
Nellie kroch in ihr neues Häuschen und schlief tief und fest bis die Möwen sie mit ihrem Geschrei weckten. Und noch ein anderes Geräusch war zu hören. „Klong, klong“ schepperte es auf dem Dach … was war das?
Nellie guckte erschrocken zum Fenster hinaus.
Draußen bewegte ein merkwürdiges Geschöpf mit 6 Beinen eine Art Schere, und als Nellie genau guckte, entdeckte sie, dass das Wesen sogar 2 Scheren hatte, da, wo andere Tiere normalerweise Füße oder Pfoten hatten.
Doch zwei freundliche Augen trafen Nellies hinter dem Fenster, und eine Stimme sagte: „Nur keine Angst. Ich bin Fritz, der Einsiedlerkrebs … ich wollte mir mal dein Häuschen ansehen. So eines habe ich nämlich noch nie gesehen.“
Da schlüpfte Nellie beherzt nach draußen und Beide machten sich miteinander bekannt.

Schneckzember 29

(29)

Als die Schatten länger wurden, suchten die Freunde etwas Feuerholz zusammen und ließen den Abend mit Gesprächen ausklingen.
Alle waren glücklich. So viele Wünsche hatten sich erfüllt.
Als die Sonne glutrot im Meer versank, wurde Nellie ganz still.
Sie blickte auf die Anderen, die ebenfalls lächelten, und das Herz wurde ihr ganz weit.
So außergewöhnliche Geschöpfe unter diesem einen Himmel.

Schneckzember 28

(28)

… „Ich weiß ja nicht, wer in Umlauf gebracht hat, Hühner seien dumm“, sprach der Dachs. „Unsere Freundin hat jedenfalls eine super Bauzeichnung angefertigt. Wir haben altes, abgelagertes Eichenholz genommen, das das Eichhörnchen von überall zusammensammelte.“
„Und unser lieber Dachs“, gackerte das Huhn, „hat sich als begnadeter Handwerker herausgestellt … Wir haben aus der Scheune eine Säge, Nägel und Schrauben stibitzt – und dann ging es auch schon los.“
„Wie wunderbar“, meinte Nellie, „dass ihr so gut zusammen arbeiten konntet. Jeder von euch hat mit seinen besonderen Stärken dazu beigetragen, dass das Häuschen perfekt wird.
Ich danke euch wirklich sehr.
Es ist wunderschön geworden. Und so geräumig. Und Licht habe ich auch, sah ich vorhin, oder?“
„So ist es“, bestätigte das Huhn. „Wir haben eine kleine Solarzelle angebracht, du musst nie wieder im Dunkeln sitzen, wenn du nicht willst.“
„Ihr seid großartig“, schniefte Nellie ganz gerührt.

Schneckzember 27

(27)

Huhn, Eichhörnchenmama und Dachs begrüßten Nellie aufs Herzlichste und umarmten sie.
Dann stellte der Dachs das Häuschen vor Nellie in den Sand und meinte:

„Schlüpf hinein. Es ist für dich. Hoffentlich passt es.“
Nellie kroch in die beeindruckende Konstruktion und konnte sich nicht genug wundern. Es passte wie angegossen.
„Wie habt ihr das nur gemacht?
„Wie seid ihr nur zusammengekommen?“
„Nun ja“, erwiderte die Eichhörnchenmama, „weißt du, deine Geschichte hat sich schnell herum gesprochen. Fast jeder im Wald hatte von der mutigen kleinen Schnecke gehört, die sich auf die weite Reise zum Meer aufgemacht hatte, und die auch mutig genug war, weiter zu ziehen – selbst als sie ihr Haus verloren hatte und völlig schutzlos war.
Du hast ganz vielen Tieren imponiert – sie waren beeindruckt von deiner Unerschrockenheit und deinem Wunsch, dein Ziel zu erreichen.
Ich kam eines Tages an dem neuen Biohof vorbei und hörte die Hühner von dir sprechen. So tauschten wir uns aus. Das Huhn hatte schon den Dachs kennengelernt, und da beschlossen wir uns zu dritt zusammen zu setzen, um dir zu helfen.“
„Und das Huhn“, fügte der Dachs hinzu, „hatte einfach den perfekten Plan“…

Schneckzember 26

(26)
Nellie schaute lange auf´s Meer.

Dafür hatte sich doch die lange Reise gelohnt.

Bestimmt gab es hier noch viel zu entdecken, zum Beispiel Krebse, die, so hatte sie gehört, ebenfalls in ausrangierten Schneckenhäusern lebten.
Schade, dachte Nellie, dass sie selbst bis jetzt noch kein neues Häuschen gefunden hatte.
Plötzlich hörte sie Stimmen, die der Wind ihr zutrug. Stimmen, die sie kannte …
Nellie drehte sich um und sah die Dünen hinauf.
Nanu? Da tauchten das Eichhörnchen, das Huhn und der Dachs auf …
Was war geschehen?
Woher kannten die sich?
Nellie staunte.

Als die drei näher kamen, entdeckte Nellie das Geschenk, das der Dachs in seinen Händen hielt.

Schneckzember 25

(25)

Am nächsten Morgen veränderte sich die Landschaft.

Der Boden wurde sandiger und piekste ein wenig, und plötzlich kam Nellie an ein großes Wasser.
„Was ist das?“ fragte Nellie eine Möwe, die auf einem Holzstück saß.
„Das ist das Meer“, lachte die Möwe und wunderte sich über so viel Dummheit.
Wie konnte man denn das nicht wissen?
„Das ist das Meer?“ staunte Nellie.
Der Mund blieb ihr offen stehen.
So etwas Schönes hatte sie noch nie zuvor gesehen.
Glitzernd und majestätisch schimmerte es im winterlichen Sonnenlicht, es rauschte und brauste, es gluckerte, und kleine Wellen brachen sich nahe dem Ufer.
Nellie konnte es kaum fassen, dass sie endlich das Ziel ihrer Reise erreicht hatte.
Doch es sollte noch besser kommen …

Schneckzember 24

(24) Und so geschah es.
Das Eichhörnchenkind war zurück.
Es hatte sich verirrt, als es seinem Ball hinterher gesprungen war. Völlig entkräftet hatte es am nächsten Tag ein Menschenkind mit zu sich nach Hause genommen und es wieder aufgepäppelt.
Dann brachte das Mädchen es zurück in den Wald an die Stelle, wo es das Kleine gefunden hatte.
Das Mädchen versteckte sich hinter einem Baum, musste aber nicht lange warten, denn die Eichhörnchenmama kam angesprungen und schloss das kleine Eichhörnchenkind überglücklich in ihre Arme.

Auch die Hühner hatten großes Glück.
Der alte Bauer verkaufte seinen Hof an ein junges Paar, die einen Biobetrieb anstrebten.
Sie freuten sich über die Hühner und die täglich frischen Eier und schafften noch einen Hahn an.

Und die Dachsfrau erholte sich von ihrem starken Husten. Und fortan waren sie und der Dachs wieder draußen und nahmen ihr geschäftiges Leben wieder auf.